Kalkablagerungen sorgen für Blutgerinnsel im Körper – ein Schlaganfall kann die Folge sein. So wie unser Organismus funktionierende Gefäße braucht, damit das Blut zirkulieren kann, ist auch unsere Infrastruktur auf stö-rungsfreie Verkehrswege angewiesen. Das gilt für Autobahnen und Straßen, genauso wie für Schienen, die regelmäßig auf den Prüfstand gehören und gegebenenfalls erneuert werden müssen, sonst kollabiert das Netz der Bahn wie unser Körper. Auf einer Länge von 1 400 Metern wurde darum das Gleis zwischen Albig und Alzey auf der Strecke Mainz-Worms in Rheinland-Pfalz von Knape Bahnbau rückgebaut sowie Bahnschwellen und Schotter rausgeholt, um den Boden austauschen und erneuern zu können. Der Grund: „Das Gleis schwimmt auf, weil das Wasser bei Niederschlägen nicht abfließen konnte und der bindige Boden im Untergrund das Wasser aufgesaugt hat wie einen Schwamm. Die Tiefenentwässerung war gestört, das Wasser konnte nicht über das Gefälle abfließen“, diagnostizierte Bauleiter Ingo Assmann von Knape Bahnbau. Das Unternehmen modernisierte deswegen die Bahnstrecke und brachte wieder neue PSS ein. Dazu setzten die Mitarbeiter das Pilgerschrittverfahren ein.

Ausbau der Gleisjoch mit vormontierten Schwellen. Fotos: Zeppelin

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück – damit ist keine Schrittfolge in der Disco gemeint, sondern das hatte mit Vor- und Rückwärtsbewegungen zu tun, wenn die Gleisjoche mit vormontierten Schwellen und Schotter entlang der Bahnstrecke nahtlos ausgebaut wurden. „Im übertragenen Sinn kommt das technische Verfahren aus dem Metallbau, wenn Stahl gewalzt wird“, erklärte Ingo Assmann. Auf den Streckenabschnitt der Bahn angewandt, hob ein Cat Zweiwegebagger M323F die sechs Meter langen Joche samt ihrer neun Schwellen aus dem Gleisbett und legte sie an der seitlichen Böschung ab, wo sie für den späteren Einbau geparkt wurden. Damit bewegte sich die Baumaschine mehre-re Meter voraus, fuhr dann wieder zu-rück und holte anschließend den alten Schotter raus und belud damit Förderbänder von einem Arbeitszug. Der Cat M323F überzeugte dabei im Hinblick auf seine Standsicherheit und Reichweite. Jörg Sack, der seit über 20 Jahren als Zweiwegebagger-Fahrer arbeitet, schätzt genau diese Eigenschaften an seinem Arbeitsgerät: „Mit einer anderen Maschine könnte ich die Arbeiten nicht so ausführen“, meinte er. Inzwischen hat Knape Bahnbau fünf Zweiwegebagger M323F von der Zeppelin Niederlassung München in Betrieb genommen, seitdem das Unternehmen 2021 durch eine Zusammenlegung der PSI Projektsteuerung für Infrastruktur und Industrie GmbH mit dem gesamten operativen Geschäft der Knape Gleisbau GmbH & Co. KG entstanden ist und alle bisherigen Tätigkeiten als Knape Bahnbau GmbH fortsetzt.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Cat Zweiwegebaggers ist sein hydrostatischer Schienenradantrieb an beiden Gleis-achsen. Dieser treibt über hydraulisch betriebene Motoren die Schienenführungsräder direkt an. Somit kann Jörg Sack problemlos über Gleisschaltmittel hinwegrollen und dabei die Geschwin-digkeit von 20 km/h beibehalten. Der Fahrer muss die Räder des Baggers nicht jedes Mal vor den Schalteinrichtungen im Gleisbett anheben und danach wieder absenken – das vermeidet Schäden an Sicherheitseinrichtungen im Gleisbett, wie etwa den Indusi-Magneten. Doch darauf kam es bei der Bahnbau-stelle in Rheinland-Pfalz nicht an. „Die großen Herausforderungen waren auf dieser Baustelle die schlechten Bodenverhältnisse und das anstehende Wasser, das sich gestaut hat“, so Ingo Assmann.

Der Arbeitszug wurde beladen und fuhr dann zur Entladestelle.

Sobald der Arbeitszug vollgeladen war, brachte er das Material zur Entladestelle nach Alzey. Dort wurden die Kippwaggons entladen. Lkw brachten dann den Schotter zu einem Entsorger, der diesen aufbereitete. Die Arbeiten erfolgten im festen Rhythmus und Takt der Bahn ohne Sperrung des Nachbargleises, je-doch auch während der Nacht. Gearbeitet wurde rund um die Uhr in zwei Schichten – acht Mitarbeiter pro Kolonne führten die Arbeiten entlang der Bahnstrecke aus. Eingesetzt wurden von Knape Bahnbau neben dem Cat Zweiwegebagger M323F eine Cat Raupe D4K2, eine Cat Walze CS 44, ein Cat Kettenbagger 317 sowie die Cat Radlader 966M und 906.

Auf der Strecke befinden sich fünf Brücken, unter denen die Arbeiten erfolgten. Eine Oberleitung existiert nicht, weil auf dem betroffenen Streckenabschnitt ausschließlich Züge des Personennahverkehrs frequentieren. „Der Arbeitszug kam jedoch angesichts des Gefälles von zehn Promille auf der Strecke durchaus auch an seine Grenzen“, so Ingo Assmann. 50 Tonnen Material passten in einen Waggon – acht Waggons zog die Lok von Aixrail, die mit rund 20 km/h pro Stunde die leeren Waggons rückwärts ins Baufeld fuhr. Per Funk kommunizierte der Rangierbegleiter mit dem Lokführer Uli Türk und gab Anweisungen, wenn er langsamer fahren oder bremsen musste. „Wir mussten uns gut abstimmen, weil ich mit den Waggons sehr nah an den Zweiwegebagger im Gleis rückwärts ran-gieren musste“, so der Lokführer. Das hatte auf der Bahnbaustelle jedenfalls reibungslos geklappt. Denn die Gleis-joche wurden genauso wieder eingebaut wie eine neue PSS.

Juli – August 2022

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