Vor über zehn Jahren, auf der NordBau 2011, hat Zeppelin Rental sein ecoRent-Mietprogramm vorgestellt. Seitdem ist die Bedeutung von Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowohl gesellschaftlich als auch in der Bauindustrie stetig angestiegen. Mit dem Baublatt sprach Zeppelin Rental Geschäftsführer Peter Schrader darüber, wie sich ecoRent im Zeitverlauf entwickelt hat, wie das Unternehmen Vorreiter in der Branche wurde und welche „grünen“ Ziele er hat.

Baublatt: Herr Schrader, 2011 hat Zeppelin Rental als erstes Vermietunternehmen in Deutschland mit ecoRent ein Siegel für nachhaltige Maschinen und Geräte eingeführt. Was waren damals die Beweggründe?

Peter Schrader: Ehrlich gesagt: Die Idee kam mir beim Joggen. Vor zehn Jahren hatte das Thema Umweltschutz bereits gesellschaftliche Relevanz, bekam aber viel weniger Aufmerksamkeit als heute und spielte in der Bauindustrie und der Vermietbranche im Speziellen noch kaum eine Rolle. Wenn man sich in der Natur aufhält, wird aber immer wieder besonders deutlich, wie wichtig die Erhaltung und der Schutz unseres einzigartigen Planeten sind. Das ist die Aufgabe eines jeden Einzelnen – aber auch Unternehmen stehen in der Verantwortung. Schon lange ist uns das als Zeppelin Rental klar. Wir wollten deshalb bereits vor zehn Jahren vorangehen und unseren Kunden mit ecoRent umweltschonende und gleichzeitig ehrliche Lösungen bieten. Wir haben beispielsweise Baumaschinen mit der damals modernsten Abgastechnik auf dem Markt mit unserem Siegel ausgezeichnet und unser Invest auch auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Damit wollten wir ein Bewusstsein für das Thema schaffen und schon sehr früh zukunftsweisende Technologien kennzeichnen. Übrigens ist die Miete per se schon ein nachhaltiges Geschäftsmodell, da sie für eine optimale Maschinenauslastung sorgt.

Baublatt: Wie hat sich ecoRent in den vergangenen Jahren entwickelt und wo steht Ihre nachhaltige Linie heute?

Peter Schrader: Innerhalb von zehn Jahren hat sich eine Menge getan. Grüne Themen sind heute deutlich sichtbarer und haben eine enorm hohe gesellschaftliche Relevanz – wir wissen um die schiere Lebensnotwendigkeit, verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umzugehen. Hier müssen die entwickelten Industrienationen gemeinsam als treibende Kräfte handeln. Auch die Baubranche beschäftigt sich inzwischen intensiv mit Themen wie Klimaneutralität, umweltschonenden Baustoffen oder einer effizienten Kreislaufwirtschaft. Hersteller arbeiten an innovativen und klimaschonenden Baumaschinen und -geräten. Seit der Einführung von ecoRent 2011 haben wir unsere Kriterien stetig dem technischen Fortschritt angepasst. Waren zu Beginn noch Maschinen der EU-Abgasstufe IIIb modernste Technik, ist heute die Erfüllung der EU-Abgasstufe V die Voraussetzung für Verbrenner, um zum ecoRent-Portfolio zu gehören. Zusätzlich investieren wir seit zehn Jahren kontinuierlich in marktreife, ressourcenschonende Produkte wie beispielsweise elektrisch betriebene Minibagger und Radlader. Derzeit liegt ein Augenmerk auch verstärkt auf der Zuführung von Baugeräten wie Stampfern und kleinen Rüttelplatten mit alternativen Antrieben. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit Herstellern und Kunden zudem an Lösungen, mobile Lademöglichkeiten direkt auf Baustellen zu bringen. Generell beobachten wir Entwicklungen auf dem Markt sehr intensiv und setzen uns massiv mit neuen, innovativen Produkten auseinander. In der Regel starten wir mit Tests und führen die Maschinen und Geräte bei entsprechender Marktreife unserem ecoRent-Programm zu. Unser Angebot ist enorm breit und mit kaum einem anderen am Markt vergleichbar.

Baublatt: Das Angebot an nachhaltigen Produkten ist die eine Seite der Medaille. Die andere betrifft die Nachfrage. Wie steht es damit?

Peter Schrader: Das ist eine sehr gute Frage, die auch das Spannungsfeld zwischen unserem Angebot einerseits und dem Bedarf der Branche andererseits verdeutlicht. Wir verstehen uns als Partner unserer Kunden und wollen auf keinen Fall an unseren Kunden „vorbeiinvestieren“. Die Nachfrage nach nachhaltiger Technik steigt, allerdings ist der Preis nach wie vor der limitierende Faktor. Die höheren Kaufpreise von nachhaltigem Equipment wie beispielsweise elektrisch betriebener Baumaschinen wirken sich selbstverständlich auch auf die Mietpreise aus. Diese sind Kunden aber meist nur dann bereit zu bezahlen, wenn der Auftraggeber ausdrücklich nach entsprechender Technik verlangt. Das hat sich in vielen Gesprächen mit unseren Kunden herauskristallisiert. Das Bewusstsein, dass auch die Baubranche Emissionen einsparen muss, ist zwar da. Einen höheren Preis wollen aber die wenigsten dafür bezahlen.

Baublatt: Sie haben elektrische Baumaschinen angesprochen. Welche Rolle spielen sie denn konkret bei Zeppelin Rental?

Peter Schrader: Wir haben emissionsfreie Minibagger und Radlader in unserem ecoRent-Programm, die auch nachgefragt werden. Es gibt immer wieder Bauvorhaben, die den Einsatz solcher Technik verlangen, zum Beispiel kürzlich bei der Gestaltung eines Innenhofs der Medizinischen Hochschule in Hannover. Dort stand der Luft-Ansaugturm einer Lüftungsanlage für die örtliche Apotheke, der keine Abgase einsaugen durfte. Wir haben unserem Kunden E-Maschinen und -Geräte bereitgestellt und er war begeistert. Die Einsatzzeit hat alle Beteiligten zufriedengestellt, die Ladeinfrastruktur war vorhanden. Das ist aber selbstverständlich nicht die Norm. Viele Kunden äußern zwar Interesse an der neuen Technik, beklagen gleichzeitig aber die nicht vorhandene Ladeinfrastruktur, beispielsweise bei Streckenbaustellen, und sind daher skeptisch. Zudem fehlen bei den Baumaschinen der höheren Leistungsklassen marktreife Angebote. Ich glaube, elektrisches Equipment kann ein Teil der Lösung sein. Bis hier aber in der Breite praktikable Technik zur Verfügung steht, müssen wir unser Augenmerk auch auf andere Entwicklungen richten, zum Beispiel auf Verbrenner mit der modernsten Abgastechnik.

Peter Schrader: Betrachtet man Baumaschinen, Baugeräte und Fördertechnik, liegen wir bei ungefähr 50 Prozent. Bei den Arbeitsbühnen beispielsweise investieren wir inzwischen fast nur noch in elektrisch betriebene Geräte oder solche mit innovativer Hybrid- Technologie.

Baublatt: Wir haben jetzt vor allem über Nachhaltigkeit in der Maschinen- und Gerätevermietung gesprochen. In welchen anderen Bereichen kann die Baubranche grüner werden?

Peter Schrader: Es gibt viele Ansätze, an denen aktuell gearbeitet wird, auch in Verbindung mit der Digitalisierung. Abläufe müssen effizienter werden, um Ressourcen zu schonen. Einen Beitrag leistet beispielsweise unsere Versorgungslogistik auf Baustellen: Wir steuern Materialströme über ein Online-Tool, um Lkw-Schlangen zu vermeiden. Über unsere verursachergerechte Verrechnung bei der Entsorgungslogistik steigern wir die Recyclingquoten. Im Bereich der Energieversorgung beliefern wir unsere Kunden mit Ökostrom. Hier ist übrigens ein deutliches Umdenken in der Branche erkennbar: Wir schließen kaum noch neue Verträge über den Bezug von Graustrom ab. Serielles und modulares Bauen kann künftig ebenfalls ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit sein. Anlagen aus unseren Raumsystemen bieten beispielsweise Möglichkeiten der Umsetzung und Umnutzung, was für ein effizienteres Gebäudemanagement sorgt. Auch intelligentes Verkehrsmanagement spielt selbstverständlich eine Rolle. Unsere dynamischen Telematiklösungen können Staus verhindern, wodurch der CO2-Ausstoß reduziert wird.

Baublatt: Wie steht es um die Nachhaltigkeitsziele von Zeppelin Rental? Gibt es welche?

Peter Schrader: Der Zeppelin Konzern strebt die Klimaneutralität des Geschäftsbetriebs bis 2030 an. Erreicht werden soll dies unter anderem durch die Installation von Fotovoltaikanlagen oder die sukzessive Umstellung des internen Fuhrparks auf Elektromobilität. Gleichzeitig liegt uns die Sensibilisierung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das Thema sehr am Herzen. Hier gibt es zahlreiche Maßnahmen, die bereits umgesetzt oder noch geplant sind. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie besteht aus zwei Bausteinen: Einerseits möchten wir unsere Kunden mit ecoRent und weiteren nachhaltigen Leistungen unterstützen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Andererseits arbeiten wir intensiv an unserer eigenen Klimaneutralität.

November – Dezember 2021

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