Das hätte er sich in diesen Dimensionen in Deutschland nicht vorstellen können: Maik Menke und acht seiner Mitarbeiter, darunter ausgebildete Schlammtaucher, sind aus Paderborn angerückt, um den Hochwasseropfern in Sinzig im Landkreis Ahrweiler zu helfen. Ihre Aufgabe: Gefahrenabwehr. Das heißt, flüssige Gefahrenstoffe wie beispielsweise abertausende Liter Heizöl müssen kontrolliert abgepumpt und entsorgt werden. Zusammen mit seinem Bruder Tim führt Maik Menke eine Unternehmensgruppe mit 50 Mitarbeitern, die sich auf die Kanalreinigung und Schaden-Sanierung spezialisiert hat. Der Unternehmer ist zertifizierter und unabhängige Sachverständige für Abwassertechnik. Seit 20 Jahren engagiert er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr und ist dort Löschfahrzeugführer. Er hat beim Oder-Hochwasser mitangepackt und war in Münster, um die Flutschäden zu beseitigen. „So etwas wie in Sinzig habe ich noch nicht gesehen. Die Katastrophe macht sprachlos. Man kann sie kaum in Worte fassen“, meint er zur Zerstörung, dessen Ausmaß in dem ganzen Umfang selbst drei Wochen danach noch gar nicht abzusehen ist. Als er von der Bezirksregierung in Detmold den Auftrag erhielt, die Öl-Gefahr zu beseitigen, war ihm noch gar nicht klar, was da auf ihn und sein Team zukommt.

Der Paderborner Abwasserexperte Maik Menke ist fassungslos angesichts der Schäden, welche die Flut hinterlassen hat. Fotos: Privat

Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Opfer traumatisiert sind von der Flut. „Sie haben einen Angehörigen verloren oder mussten um ihr Leben kämpfen. Ihre Existenz wurde vernichtet. Vielen ist nur noch das geblieben, was sie am Körper tragen. Die Menschen brauchen unbedingt psychologische Hilfe. Es gibt hier eine absolute Ausnahmesituation“, schildert Maik Menke. Er ist schockiert über die menschlichen Schicksale – bereits am ersten Tag seines Einsatzes hat er eine Leiche gefunden, denn er muss immer wieder die Lage vor Ort erkunden und hat die Einsatzleitung inne. Auf Tote sind Helfer wie er nicht vorbereitet gewesen. Und eigentlich bräuchten daher auch Hilfskräfte dringend Unterstützung, um damit umzugehen – doch Hilfe für die Helfer gibt es bislang nicht. Und genau das ärgert ihn. „Uns hat noch niemand gefragt, wie man uns bei der Arbeit unterstützen kann. Beim Oder-Hochwasser gab es Soforthilfe – hier bislang nichts.“ So muss er erst einmal für die Unterkunft seiner Mitarbeiter selbst aufkommen. Er hat sie im Hotel untergebracht – er selbst wohnt dagegen auf dem Campingplatz. Seine Frau kocht für alle. Denn der Katastrophenfall wurde in der ersten Augustwoche aufgegeben. Das bedeutet: Bundeswehr und THW sind abgezogen und damit müssen sich alle selbst versorgen.

Selbst drei Wochen nach der Flut fehlt es an fließendem Wasser und die Stromversorgung funktioniert immer noch nicht. Deswegen hat Maik Menke auch einen Generator mit ins Krisengebiet gebracht. Überall ragen spitze Teile heraus, die schon für den einen oder anderen Platten an Pumpenwagen und Anhänger gesorgt hatten. Für Schäden wie diese muss das Unternehmen selbst aufkommen. Bislang gilt für die Einsatzfinanzierung, dass nur Aufgaben abgerechnet werden können, wo eine Elementar-Versicherung besteht. Ansonsten kann der Unternehmer darauf hoffen, nicht auf seinen Ausgaben sitzenzubleiben.

„So etwas wie in Sinzig habe ich noch nicht gesehen. Die Katastrophe macht sprachlos. Man kann sie kaum in Worte fassen“, meint Maik Menke zur Zerstörung, dessen Ausmaß in dem ganzen Umfang selbst drei Wochen danach noch gar nicht abzusehen ist.

Wo Maik Menke und sein Team arbeiten, treffen sie auf kontaminierten Schlamm. Außerdem müssen sie mit Asbest rechnen. Bei ihrem Einsatz müssen sie daher komplette Schutzkleidung samt Atemschutzmaske und Absturzsicherung tragen – ihr Job ist nicht ungefährlich. Gas tritt unkontrolliert aus. Somit müssen Mitarbeiter ein Gaswarnmessgerät mitführen. Mit der Gefahrenabwehr kennen sie sich aus – sie sind Profis im Bereich Havarie, wenn es beispielsweise darum geht, mit einem Cat Minibagger Erdreich neben der Autobahn auszubaggern, das kontaminiert ist.

„Gerade wurden zwei Plünderer gefasst“, berichtet Maik Menge zu allem Überfluss. Die Lage ist chaotisch. „Und dann gibt es noch Hochwassertouristen, die unsere Arbeit behindern. Urlauber machen einen Abstecher auf dem Weg zur Nord- oder Ostsee und verstopfen die Straßen. Wir mussten dann mit Blaulicht und Polizeieskorte zu unserem Einsatz eskortiert werden“, das macht ihn fassungslos.

Der Wille, vor Ort die in Not geratenen Menschen zu unterstützen, treibt ihn an. Deswegen engagiert er sich wie in Sinzig oder bei der Feuerwehr und macht sich stark beim Weißen Ring für den Opferschutz. Soll ein guter Zweck unterstützt werden, hält er sich nicht zurück. Er rechnet damit, dass seine Unterstützung noch bis mindestens Mitte August gebraucht wird.

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