Wer Platz braucht, muss bauen: So ging es der Firmengruppe Gfrörer aus Empfingen. Über 250 Mitarbeiter beschäftigt das Familienunternehmen. 65 von ihnen arbeiten in der Verwaltung. Dort war es zu eng geworden, so wurde in einen neuen Firmensitz investiert. Dieser ist in 14 Monaten Bauzeit auf einer provisorischen Parkfläche und einer ungenutzten Wiese zwischen der Kreisstraße neben den angrenzenden Werkstattgebäuden für Baumaschinen und Stellflächen für Lkw entstanden. Eingeweiht wurde die neue Zentrale mit Prominenz – der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, eröffnete persönlich die 77 neuen Räumlichkeiten, die sich auf vier Stockwerke verteilen. Platz ist somit reichlich vorhanden. Der Neubau sticht direkt am Ortseingang von Empfingen durch seine Architektur heraus. Dadurch ist die Firmengruppe auch näher an ihr Schotterwerk gerückt, das etwa zwei Kilometer westlich davon betrieben wird.

Von der Corona-Krise hat sich Uwe Gfrörer, Geschäftsführender Gesellschafter, nicht abbringen lassen und die Baustelle nach den Plänen der Architekten H2 vorangetrieben – Corona hat die Arbeiten beschleunigt, weil plötzlich mehr Platz für die Mitarbeiter benötigt wurde. „Die Leistungen wurden in Einzelgewerken vergeben. Es war sehr zeitintensiv, sich mit allen Themen auseinanderzusetzen. Und trotzdem können wir heute sagen, dass wir enorme Kosten gespart haben. Es war uns durch das eigene Projektmanagement möglich, den Baupartner bewusst auszuwählen und somit Sicherheit und Qualität zu garantieren. Wir konnten mittelständische regionale Unternehmen gewinnen und exakt das bauen, was wir wollten und was uns zukunftsfähig macht“, so Uwe Gfrörer. Das Firmenmotto „Baue die Zukunft“ ist daher auch im Eingangsbereich präsent und steht über dem Empfang. Was das heißt? Den anderen einen Schritt voraus zu sein, ohne Werte und Wurzeln aus den Augen zu verlieren, lautet die Antwort.

Neue Zentrale, die in 14 Monaten Bauzeit entstanden ist.

Das unterstreicht auch die Bauzeit der neuen Zentrale: Statt der ursprünglich geplanten 18 Monate legte man einen Zahn zu und war vier Monate früher fertig als geplant – normalerweise hätte das Ganze zwei Jahre oder mehr benötigt. Das neue Verwaltungsgebäude soll auch der nächsten Familiengeneration als Basis dienen, die Geschäfte mit Baustoffen wie Schotter für den Tief-, Straßen- und Hochbau sowie Splitte, Brechsande und Gesteinsmehle zur Herstellung von Beton und Asphalt weiterzuentwickeln. Zu den weiteren Produktsparten gehören die Produktion von Düngekalk sowie Ziegelsand und -splitte sowie von Rasentragschichten für Tennis- und Sportplätze. „Es war mir immer wichtig, auf mehreren Standbeinen zu stehen, um möglichst viele Prozesse selbst abdecken zu können, aber auch um so unabhängig zu sein und schlechtere Zeiten abfedern zu können“, erklärt Uwe Gfrörer, der zusammen mit seiner Schwester Sabine Schüch die Firmengruppe leitet. Sein Sohn Tim Gfrörer ist bereits Mitglied in der Geschäftsleitung und seine Tochter Anna Gfrörer soll kaufmännische Aufgaben übernehmen. Die Geschwister sollen den Familienbetrieb in allen Facetten kennenlernen und in die Unternehmensführung hineinwachsen. So war Tim Gfrörer bereits als Bauleiter für Factory 56 von Daimler in Sindelfingen, dem größten Einzelprojekt in der Firmengeschichte, verantwortlich. Damit verbunden war das ganze Programm: von der Entsorgung über den Erd- und Tiefbau bis hin zur Erschließung.

Anna Gfrörer wiederum war stark beim Neubau des Firmensitzes involviert. In den neuen Räumlichkeiten dominieren Beton, Glas und Holz. Jeder Besprechungsraum ist einem Baustoff gewidmet. Die entsprechenden Eigenschaften sind dann gleich mit verewigt an der Wand, um so wiederum eine Verbindung zu dem Kerngeschäft des Unternehmens zu schaffen: der Produktion von Schotter und Transportbeton. Eingebettet sind historische Bilder, die sich auf allen Stockwerken verteilen und die an die Anfänge und Meilensteine erinnern. Draußen vor dem neuen Bürogebäude sind dann die ersten Arbeitsgeräte geparkt, die restauriert in neuem Lack strahlen, wie die erste mobile Brech- und Siebanlage mit zwölf PS und einer maximalen Förderleistung von fünf bis acht Tonnen pro Stunde oder der erste Allrad-Schaufellader mit 65 PS und einem Schaufelvolumen von 0,7 Kubikmetern. Welche Zeitreise diese mit ihrer Antriebstechnik verkörpern, zeigt sich gleich nebenan an den 99 Parkplätzen, von denen 20 schon mit Ladesäulen ausgestattet wurden und die auf 60 erweitert werden können. Eine 60-KW-Fotovoltaikanlage mit 206 Solarmodulen auf dem Dach dient der Versorgung mit Strom. Beheizt und gekühlt wird das Gebäude mit Erdwärme, wofür zwölf Bohrungen mit je hundert Meter durchgeführt werden mussten. Somit erreicht das Gebäude den KfW-Standard 55.

„Alles soll nicht nur schön aussehen, sondern wir wollen auch jeden persönlich ansprechen und unsere Mitarbeiter ins Zentrum stellen. Denn wir wissen ganz genau, dass wir auf jeden einzelnen von ihnen angewiesen sind und uns nur als Team weiterentwickeln können“, führt Anna Gfrörer aus. So wurde an höhenverstellbare Schreibtische gedacht, um für Ergonomie zu sorgen. Eine eigene Kantine gibt es auch. Das Betriebsrestaurant „s’Alois“ verköstigt das Personal mit regionalen Lebensmitteln. Köpfe von Mitarbeitern zieren im Comicstyle die Glasfassade und die Tabletts. „Unsere Stärke ist die familiäre Bindung als Arbeitgeber“, so Anna Gfrörer.

Sich auf die Wurzeln besinnen, aber gleichzeitig sich neue Segmente und Geschäftsbereiche zu erschließen, das trieb das Unternehmen immer an. So entwickelte man sich zu einem der Hauptlieferanten für Splitte und Brechsand im Großraum Stuttgart. An Stuttgart 21 wirkt das Unternehmen auch als Teilhaber von BauLogS21 mit und war bei Großprojekten wie am Thyssenkrupp Elevator Testturm in Rottweil, im Entwicklungszentrum bei Porsche in Weissach oder am Flugfeldklinikum in Böblingen beteiligt. Seitdem das Schotterwerk 2009 neu gebaut wurde, konnte man auch Großaufträge anbieten, wie man sie seit dem Neubau der Messe Stuttgart 2004 neben regionalen Aufträgen durchführt. Ein Projekt vor der Haustür befindet sich aktuell in Vorbereitung: ein neues Kombiterminal in Horb, um die Transporte von Baustoffen von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Geplant ist auf dem Gelände etwa einen Umschlagplatz für Sand zu errichten, um so regionale Betonwerke beliefern zu können. Zugleich soll über die Schiene Boden abtransportiert werden. „Durch das Kombiterminal haben wir eine Infrastruktur, welche die Logistik optimiert und bestehende Transportwege verkürzt. So können wir einen Beitrag leisten, CO2 zu reduzieren“, stellt Uwe Gfrörer dar.

„Energie- und Lohnkosten schlagen inzwischen mit 35 Prozent an den Gesamtkosten zu Buche. Daher beschäftigen wir uns intensiv damit, wie wir den Energieverbrauch senken können. Denn in fünf Jahren geht die PV-Anlage auf der Werkstatt vom Netz. Eine weitere Halle mit Solarmodulen für den Stromeigenbedarf ist geplant“, so der Geschäftsführende Gesellschafter. Selbst an die Installation eines Windrads auf der hundert Hektar großen Fläche hat er als alternative Energiequelle gedacht. „Auch Altholz gewinnt zunehmend an Wert, wenn es thermisch verwertet wird“, so Uwe Gfrörer. Dafür sorgt mittlerweile ein Tochterunternehmen, das aus Altholz Hackschnitzel zur Wärmegewinnung erzeugt.

2009 wurde das Schotterwerk modernisiert.

Nicht nur beim neuen Schotterwerk sei man hinsichtlich Produktionseffizienz, Reduzierung von Emissionen sowie der Energieausnutzung durch Kraft-Wärme-Kopplung auf dem Stand der Technik, sondern darüber hinaus setzt man auch bei den Baumaschinen auf alternative Antriebe. So wird in der Beschickung des Brechers und der Rückverladung mit Radladern wie vom Typ 966M XE und 972M XE gearbeitet. Ein neuer Cat Radlader 982 XE wurde bereits bei Gerd Theurer, Gebietsverkaufsleiter bei Zeppelin in Böblingen, bestellt, der die Firmengruppe seit bald 30 Jahren betreut. Während diese Baumaschinen auf ein leistungsverzweigtes Getriebe setzen, geht man mit einem Cat Dozer wie dem D6 XE den Weg der Dieselelektrik. „Bei unseren Lkw sind wir schon gedanklich weiter: In drei, vier Jahren wollen wir Lkw mit Wasserstoffantrieb einsetzen“, meint Tim Gfrörer.

Nachhaltigkeit bedeutet aber nicht nur einen effizienten Energieeinsatz, sondern Langlebigkeit ist ein weiterer Maßstab für Uwe Gfrörer, wenn es um seine Baumaschinen geht. Er will seine Bagger zwischen 13 000 und 14 000 Betriebsstunden beziehungsweise an die acht Jahre fahren. In anderen Bereichen geht er noch weiter. Für einen Cat Radlader 990 wurde auch schon eine Instandsetzung namens Rebuild ausgeführt, um diesen dann für ein weiteres Maschinenleben fit zu machen.

Auf Langlebigkeit wird bei Baumaschinen geachtet. Fotos: Gfrörer

„Baumaschinen von Cat sind unsere Schlüsselgeräte. Wegen dem Service und der Ersatzteilversorgung sind wir sehr Cat lastig. Denn in manchen Bereichen produzieren wir 24/7 und da zählt Verlässlichkeit“, erklärt Tim Gfrörer. In Zukunft werden mit den Maschinen nicht nur Schotter hergestellt, sondern sie werden sich auch stärker dem Recycling widmen. „Das wird in Zukunft wichtiger werden, weil wir unser Vorkommen so lange wie möglich schonen wollen“, führt Tim Gfrörer aus. Geplant ist daher, im Steinbruch auch einen Recyclingpark aufzubauen und die Wiederverwertungsrate zu erhöhen sowie Zuschlagstoffe für den Straßenbau sowie für Beton herzustellen. „Unser Ziel wird sein, Recyclingmaterial mit Naturstein zu mischen, um so unseren hohen Qualitätsanspruch zu halten und die Recyclingbaustoffe im Hinblick auf die Qualität aufzuwerten sowie noch weiter zu verbessern“, ergänzt Uwe Gfrörer.

Die Firmengruppe hat rund 150 Fahrzeuge in Umlauf, welche die Region Stuttgart mit Baustoffen versorgen und auf dem Rückweg Boden und Aushub mitnehmen. „Wir bewegen im Jahr im Schnitt 2,5 Millionen bis drei Millionen Tonnen – die Abwicklung übernehmen gerade einmal drei Personen. Deswegen wird auch größter Wert darauf gelegt, dass wir im Hinblick auf Digitalisierung vorne mit dabei sind, denn das wäre sonst gar nicht machbar“, so Uwe Gfrörer. Ob GPS bei den Baumaschinen, Tracking von Anbaugeräten, das Flottenmanagement für die Lkw oder die voll automatisierte Abwicklung vom Auftragseingang bis hin zur Rechnungsstellung: Da sind die Weichen schon in Richtung Digitalisierung gestellt. „So wissen wir, wo wir auf den Baustellen stehen und können die erfassten Leistungsdaten für die Abrechnung nutzen“, erklärt Tim Gfrörer. Beim Thema Digitalisierung ist wiederum die jüngere Generation gefragt. Das Stoffstrommanagement wurde in Eigenregie entwickelt. So soll verhindert werden, dass etwa eine Bodenlieferung versehentlich auf der falschen Deponie landet. „Stuttgart 21 hat uns hier viel Input geliefert und weitergebracht. Doch es gab keinen Anbieter, so haben wir unser eigenes System aufgebaut, um selbst nachvollziehen zu können, wo was in welcher Qualität entladen wird“, so Tim Gfrörer. Damit ist der Nachwuchs noch nicht am Ende, sondern hat für die Zukunft noch weitere Pläne.

November – Dezember 2021

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