Nachhaltigkeit ist eines der großen Messethemen der kommenden bauma. Es geht um emissionsfreie Antriebe und Alternativen zum klassischen Dieselmotor, welche die weltweit größte Leitmesse der Baumaschinenbranche und damit auch die Entwicklung der Baumaschinentechnologie in Zukunft bestimmen werden. Im Fokus stehen jedoch nicht nur Geräte mit Elektromotor, sondern auch die Messe an sich mit ihrer Infrastruktur. Messestände der Austeller wie von Zeppelin in der Halle B6 und im Freigelände greifen mit ihrem Standkonzept Aspekte der Nachhaltigkeit auf, wenn sie den Markenauftritt etwa im Hinblick auf Recyclingfähigkeit realisieren und CO2 einsparend gestalten.

Wenn gemäß Klimaschutzgesetz bis 2030 Treibhausgasemissionen um bis zu 55 Prozent zurückgehen sollen, müssen auch Veranstaltungen ihren Beitrag dazu leisten und ressourcenintensive Messen wie die bauma sich nachhaltiger ausrichten. In den zurückliegenden zwei Jahren investierten die deutschen Messegesellschaften rund 150 Millionen Euro, unter anderem in die Modernisierung der Hallenbeleuchtung und den Ausbau der E-Mobilität. Dazu Philip Harting, Vorsitzender des Verbands der deutschen Messewirtschaft AUMA: „Unsere Messeplätze selbst arbeiten seit Jahren daran, immer nachhaltiger zu werden. Nun geben wir uns als ganzer Wirtschaftszweig branchenweite Nachhaltigkeitsstandards. Dabei gilt der Grundsatz: Vermeiden vor Reduzieren vor Kompensieren.“

Die Fotovoltaikanlage auf den Dächern der Messehallen in München gehört zu den weltweit größten.

Was folgt daraus für die kommende bauma? „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und die bauma in einem kontinuierlichen Prozess nachhaltiger gestalten. Das reicht von der Auswahl der Materialien, dem Umgang mit Ab-fall bis zur Motivation unserer Aussteller und Besucher“, heißt es seitens der Messe München. Die Messegesellschaft will bis 2030 CO2-neutral werden. Um das zu erreichen, wurden verschiedene Ziele festgelegt und Maßnahmen ein-geleitet, um klimaneutrale Angebote zu entwickeln – auf der Messe selbst, aber auch bei der An- und Abreise, beim Auf-enthalt in München oder bei der Infrastruktur. Anfang 2020 hat die Messe München komplett auf regenerativ erzeugten Strom umgestellt. Schon in den Jahren zuvor war mehr als die Hälfte des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt worden. Eine Fotovoltaikanlage – sie gehört zu den weltweit größten – auf den Dächern der Messehallen unterstützt die Versorgung mit Ökostrom auf dem Messegelände. Dadurch werden jährlich rund 6 400 Tonnen CO₂ eingespart. Die Hallen C5 und C6 sowie das Conference Center North Messe München werden ausschließlich über Fernwärme geheizt, die aus Geothermie gewonnen wird. Freiflächen, unter anderem einige der Hallendächer, wurden als naturbelassene Ökofläche angelegt. 2 500 Bäume sollen die anfallenden CO2-Emissionen auf dem Messegelände ausgleichen. Inzwischen sind 71 000 Quadratmeter der Hallendächer begrünt. Insgesamt kann das Areal rund 220 000 Quadratmeter Grünflächen vorweisen. Der Messesee wird durch Regen- und Grundwasser gespeist. Durch ein ausgeklügeltes System zur Regenwasserversickerung wird die Kanalisation im Fall von Starkregen entlastet.

Die Hallen C5 und C6 sowie das Conference Center North Messe München werden ausschließlich über Fernwär-me geheizt, die aus Geothermie gewonnen wird. Fotos: Messe München

Schon die Besucher und das Standpersonal haben es in der Hand, wie nach-haltig sie die bauma mitgestalten wollen. Es beginnt bereits mit dem Weg auf die Messe nach Riem: Das Messegelände ist direkt an das Münchner Netz öffentlicher Verkehrsmittel angebunden. Durch das bauma-Bahn-Special-Veranstaltungsticket gibt es die Möglichkeit, emissionsarm anzureisen. Wer doch lieber den Pkw nutzt und bereits über ein Elektrofahrzeug verfügt, kann es auf dem Messegelände während des Messe-besuchs laden. 80 Ladestationen und ein Supercharger (Schnellladesäule) stehen dafür bereit. Die messeeigene Fotovol-taikanlage liefert den Ökostrom gratis.

Zudem gibt es die Möglichkeit, CO2 auszugleichen, wenn Besucher ein Go-Green-Ticket anstelle des klassischen Tagestickets online für ihren bauma-Besuch erwerben. Der Mehrpreis liegt bei fünf Euro. Damit wird für die Anreise pauschal der CO₂-Ausstoß über den Klimaschutzpartner myclimate kompensiert. Fünf Euro fließen entweder in ein Projekt für sauberes Trinkwasser für Schulen und Haushalte in Uganda, in den Bau von Biogasanlagen für Familien in Indien oder in den Bau eines Kleinwasserkraftwerks in Vietnam.

Bei Großveranstaltungen wie der bauma rückt die Müllvermeidung immer weiter in den Blickpunkt. Innerhalb der Messewoche vom 24. bis 30. Oktober wird viel Material eingesetzt, das im Anschluss wieder entsorgt werden muss. In Zukunft will die Messe München den Anteil der stofflichen Verwertung schrittweise steigern. Immer mehr Standbauer benutzen bereits recycelbare Standteile, um diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder einsetzen zu können und das Müllaufkommen zu reduzieren. Das gilt auch für Zeppelin und den Messeauftritt in der Halle B6 so-wie im Freigelände. Bauteile und Elemente wie etwa der Infotheken oder aus der Technologie-Area werden von der bauma 2019 wiederverwendet. Ohnehin sind die eingesetzten Materialien des Messestands wiederverwertbar und lassen sich recyceln. „Auch anderes Messeinventar aus der Vergangenheit nutzen wir erneut, wie beispielsweise die Typenschildständer an den ausgestellten Baumaschinen“, stellt Anke Hadwiger, die Leiterin Messen, Events und Trainings bei Zeppelin, dar. Was an Veranstaltungs- und Medientechnik benötigt wird, wird angemietet. Somit lässt sich das Equipment nach neuestem Stand der Technik einsetzen. Auch das Mobiliar wird ausgeliehen, um den Messestand, Besprechungsräume oder den Restaurantbereich auszustatten. Was die Deko betrifft, greift auch hier der Recyclingansatz, weil Pflanztöpfe und eine geplante Mooswand weiterverwendet werden können. Dabei wird bewusst auf Plastik verzichtet. Das gilt auch für die Fahrerbar.

Zeppelin will außerdem Ressourcen schonen. Statt einem neuen einheit-ichen Messe-Outfit der weiblichen Standbesetzung wird das von der bauma 2019 verwendet. Gesammelt geht dieses auch in die Reinigung. „Das reduziert den Wasserverbrauch, wenn nicht jeder alles einzeln waschen muss“, meint Anke Hadwiger. Das Messe- und Marketing-Team von Zeppelin hat sich diesmal be-wusst dafür entschieden, weniger Papier in Form von Datenblättern an die Besu-cher zu verteilen. Die präsentierten Cat Baumaschinen erhalten QR-Codes. Wer sie mit seinem Smartphone einscannt, erhält alle nötigen Informationen zu den Leistungsdaten und den technischen Features. Verwendete Grafiken werden auf Dibond-Verbundplatten gedruckt, sodass sie für weitere Veranstaltungen genutzt werden können.

Auch wenn die Anlieferung der über 50 Cat Baumaschinen aufgrund der Trans-porte den größten Anteil am CO2-Fußabdruck hat, so erfolgt die Anlieferung der Exponate nach einem ausgeklügelten System in einer genau definierten Zeitschiene und in enger Abstimmung mit dem Messebau, um hier unnötige Fahrten zu vermeiden. „Wir zeigen unsere Baumaschinen auch bei keiner Vorführung oder Demo im Freigelände, denn das Fachpublikum weiß, wie man einen Bagger steuert. Somit lässt sich Kraftstoff sparen. Außerdem wird manches Gerät direkt auf der Messe gekauft und geht dann von unserem Messe-stand nach Ende der bauma im Idealfall ohne Umweg direkt zum Kunden auf die Baustelle“, erklärt Anke Hadwiger. Einen unnötigen Versand und somit CO2 durch Transporte vermeidet man auch durch den direkten Verkauf von Merchandising-Produkten vor Ort auf der bauma im Shop des Zeppelin Fahrerclubs – die erstandenen Modelle oder Basecaps tragen Besucher in Taschen aus recyceltem Material nach Hause. Bewusst wurden regionale Dienstleister, die das Catering oder die Reinigung übernehmen, ausgewählt. Zeppelin setzt bei der Verpflegung auf Produkte aus der Region und bietet zur Verköstigung der Gäste zusätzlich vegetarische sowie vegane Lebensmittel an – neben Kuh-gibt es auch Hafermilch für den Kaffee.

Denn die Zahl der Besucher wächst, die pflanzlichen Produkten den Vorzug vor tierischen geben, weil inzwischen im-mer mehr auf einen niedrigeren CO2-Fußabdruck achten. „Um Ressourcen zu schonen, haben wir die Portionsgrößen reduziert, was aber nicht heißt, dass wir hier sparen, sondern wer will, kann jeder-zeit noch einen Nachschlag bekommen. Es ist doch einfach besser, wenn man ganz bewusst nach individuellem Bedarf konsumiert. Es hat sich außerdem he-rausgestellt, dass es besser ist, wenn wir Servicekräfte einsetzen, die unsere Gäste bedienen, weil so ganz entsprechend ihrer Bedürfnisse Speisen oder Getränke be-stellt werden. Bisher war unser Catering nur im oberen Geschoss möglich. Doch diesmal bieten wir es auch im Erdgeschoss an unserem Stand an, um Barrierefreiheit zu schaffen. Somit können wir auch Rollstuhlfahrer in unserer Zeppelin Lounge verköstigen, die bei uns am Stand eine Pause einlegen wollen“, zählt Anke Hadwiger auf und fügt hinzu: „Es sind viele Kleinigkeiten und einzelne Aspekte, die für sich genommen nicht wirklich ins Gewicht fallen, aber in der Summe macht es sich bemerkbar und ist ein Beitrag, die bauma nachhaltiger zu gestalten.“

Oktober 2022

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