1992 gründeten Caterpillar und Zeppelin zusammen mit weiteren Partnern aus der Baumaschinenbranche das EDC, das European Excavator Design Center, als Joint Venture. Ihre Intention: Mobilbagger für die Praxis zu konstruieren, und zwar von Deutschland aus, wo der größte und härteste Markt für sie besteht. Das Konzept ging auf. In der Oberpfalz, genauer gesagt in Wackersdorf, werden bis heute Mobilbagger von Caterpillar entwickelt, die Prototypen gebaut sowie auf Herz und Nieren geprüft. Aktuell steht bei der in Deutschland beliebtesten Baumaschine und ihrer neuen Serie wieder ein Generationswechsel an. Normalerweise wird so ein Meilenstein entsprechend zelebriert. Im Zuge der Corona-Pandemie erfolgte die Einführung aus der Distanz – die wesentlichen Neuerungen wurden Journalisten quasi ins Büro gestreamt. Dr. Stefan Ortloff, Geschäftsführer des EDC von Caterpillar in Wackersdorf, erklärte, wie der Entwicklungsprozess ablief.

Baublatt: Wie wichtig ist der Kunde für den Entwicklungsprozess?

Dr. Stefan Ortloff: Der Kunde ist der Schlüssel zum Erfolg der neuen Generation. Wir nutzen die vielfältigen Kontakte seitens Caterpillar und die wir mit Händlern wie Zeppelin haben, um die Lastenhefte der neuen Generation zu generieren. Dabei wollen wir nicht nur den Status quo abbilden, sondern auch mögliche Trends und Zukunftstechnologien in diese Neuentwicklungen integrieren. Wichtig ist, schon während des Entwicklungsprogramms, das grundsätzlich zwei bis drei Jahre dauern kann, laufend das Feedback von Kunden und Händlern zu erhalten und uns darauf hin auszurichten. Deswegen versuchen wir schon möglichst bald, den tatsächlichen Anwender auf die Bagger zu setzen, um zu sehen, wie unsere Ideen in der Praxis ankommen. Nur so können wir am Puls der Zeit sein, um neue Technologien zu entwickeln.

Entwickelt wurden die Mobilbagger der neuen Generation von Caterpillar in Wackersdorf, produziert werden sie im französischen Échirolles. | Foto: Caterpillar

Baublatt: Welchen Stellenwert haben Forschung und Entwicklung bei Caterpillar, wenn es darum geht, neue Technologien serienreif zu machen?

Dr. Stefan Ortloff: Caterpillar hat 2019 konzernweit 1,693 Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung bereitgestellt. Wir haben unseren Teil davon genutzt, um die nächste Generation weiterzuentwickeln.

Baublatt: Was sind die wesentlichen Neuerungen der nächsten Generation?

Dr. Stefan Ortloff: Die Modelle der neuen Generation wurden wie auch schon die Kettenbagger der nächsten Generation auf einer neuen Plattform entwickelt. Im Zentrum der Neuentwicklung steht die elektrohydraulische Vorsteuerung, die neue Funktionen ermöglicht. Das Layout wurde verbessert und wir haben ein gefälligeres Design gefunden – so wurde die rechte Seite deutlich eingekürzt, was zu einer besseren Sicht beiträgt. Auch im Hinblick auf mehr Sicherheit hat sich einiges getan.

Baublatt: Was waren die wesentlichen Entwicklungsziele?

Dr. Stefan Ortloff: Da muss ich etwas ausholen: Die neue Generation Kettenbagger wurde 2017/2018 mit dem ikonischen 320 weltweit eingeführt. Das Design sowie die Technologien, die damit verbunden sind, darf man als Meilensteine in der Entwicklung von Baumaschinen bezeichnen. Auch die neuen Mobilbagger werden nun auf dieses Niveau gehoben. Wichtig war, leistungsorientierten Unternehmern neue digitale Möglichkeiten anbieten zu können. Geplant ist, diese über unsere Plattform sukzessive auszubauen. Generell war das Entwicklungsziel: Die Grundkonzeption der Maschine so auszurichten, dass Chassis und Systemtechnologie für zukünftige Entwicklungen fit gemacht werden, damit wir bei Updates neue Technologien problemlos implementieren können. Schließlich sollen Kunden produktiver und effizienter arbeiten können.

Baublatt: Wie trägt Technologie zu mehr Effizienz bei?

Dr. Stefan Ortloff: Der Druck auf die Unternehmer steigt. Die Arbeiten auf den Baustellen sollen immer schneller und kostengünstiger fertiggestellt werden. Technologie kann hier helfen, etwa, indem der Fahrer bei immer wiederkehrenden Aufgaben unterstützt wird. Hinzu kommt, dass der Arbeitsplatz für den Fahrer sicherer wird und das Risiko von Unfällen auf den Baustellen minimiert wird.

Baublatt: Was hat sich im Hinblick auf die Gesamtbetriebskosten getan?

Dr. Stefan Ortloff: Leistungsverbesserungen wurden über das gesamte Produktportfolio erreicht. Insbesondere erzielen alle neuen Maschinen signifikante Einsparungen bei den Verbrauchskosten. Betriebs- und Unterhaltungskosten konnten deutlich gesenkt werden, weil Wartungsintervalle verlängert wurden. Zum Beispiel können Luftfilter länger eingesetzt werden. Tägliche Wartungspunkte wurden gebündelt – die Wartung kann vom Boden aus erfolgen. Niemand muss mehr auf die Maschine klettern. Außerdem wurden auch Befüllmengen auf den Geräten reduziert, was sich positiv auf die Betriebskosten auswirkt.

Tablets werden in der Entwicklung und Produktion neuer Baumaschinen genutzt, um Bauteile in 3D anzuzeigen. | Foto: Caterpillar

Baublatt: Welche Konsequenzen ergeben sich aus der neuen Plattform?

Dr. Stefan Ortloff: Nehmen wir die Kabine als Beispiel. Wir haben ein komplett neues Fahrerhaus entwickelt, das wir für das gesamte Produktportfolio anwenden. Bei den kompakten Modellen haben wir trotz ihrer komprimierten Bauweise darauf geachtet, dass wir in der Kabine den gleichen Platz und somit Komfort bekommen wie bei den Standardmaschinen. Auch bei der Ergonomie und den Bedienelementen finden sich die gleichen Funktionen bei allen Geräten wieder.

Baublatt: Wie wirkt sich das auf die Bedienung aus?

Dr. Stefan Ortloff: Herauszuheben ist die Bedienung des Monitors durch eine einfache Menüsteuerung und den großen Touchscreen. Besonderer Wert wurde auf die Rundumsicht gelegt. Deswegen wurde das Maschinenlayout angepasst. Ich bin überzeugt, dass wir hier einen Industriestandard gesetzt haben.

Baublatt: Was können Kunden noch erwarten?

Dr. Stefan Ortloff: Die gesamte Mobilbagger- Palette wird auf die neue Plattform gehoben. Jährliche Produktupdates sind somit möglich. Damit können wir auf Herausforderungen flexibler reagieren sowie neue Tools den Kunden zur Verfügung stellen und ihnen damit jederzeit einen Mehrwert bieten. Sollte es sich um reine Software-Updates handeln, können wir diese remote – also von der Ferne aus – auf die Maschine aufspielen. Somit sind wir mit der neuen Generation sehr gut aufgestellt.

Januar-Februar 2021

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