Während andere Kinder mit Sand gespielt und irgendwann die Lust daran verloren haben, ist ihr das Interesse bis heute erhalten geblieben. Sabine Porzner-Isenrath ist mit Sand und Kies aufgewachsen – 2017 hat sie den Umgang mit den Rohstoffen zu ihrem Beruf gemacht, als sie in die Porzner Steine & Erden GmbH eintrat und damit den Fußstapfen ihres Vaters Thomas Porzner folgte. Als Geschäftsführende Gesellschafterin betreut sie hauptsächlich den Sand- und Kiesbereich mit seinen zahlreichen Herausforderungen von der Rohstoffsicherung bis hin zur Optimierung von Produktionsprozessen. Die Geschäftsführung der Firmengruppe teilt sie sich zusammen mit ihrem Cousin Kevin Porzner. Damit setzen die beiden die Familientradition fort: Das Unternehmen besteht inzwischen in der sechsten Generation und betreibt seit 1882 die Gewinnung und Aufbereitung von Sand und Kies aus dem Maintal nördlich von Bamberg sowie den Handel mit Natursteinen.

Nach ihrem Studium der Wirtschaftsingenieurwissenschaften hieß es jedoch, erst einmal woanders Berufserfahrung zu sammeln. „Man will ja nicht betriebsblind ein Unternehmen gestalten, sondern aus anderen Firmen neue Ideen und Anregungen mitbringen“, erklärt die Jungunternehmerin ihre Motivation, nicht sofort in dem Familienunternehmen arbeiten zu wollen. Sie wählte als ihren ersten Arbeitgeber einen Flugzeugbauer in Oberpfaffenhofen. Nach drei Jahren stellte sie sich die Frage: Wie geht es weiter? „Ich habe durch meinen Vater eine andere Einstellung zum Beruf und zum Unternehmertum kennengelernt“, so die junge Unternehmerin. Den Familienbetrieb hatte sie bis dato ausgeschlossen von ihren beruflichen Plänen. Doch die Strukturen des familiengeführten Mittelständlers mit flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen haben sie letztlich überzeugt, vor vier Jahren die Konzernwelt zu verlassen und bei dem Rohstoff- und Natursteinproduzenten einzusteigen. Das erste Jahr war zur Probe gedacht. „Es macht einen Unterschied, ob man nur passiver Teil einer Unternehmerfamilie ist oder eben Seite an Seite mit den Familienmitgliedern jeden Tag zusammenarbeitet und geschäftliche Herausforderungen miteinander aktiv meistern muss“, erklärt Sabine Porzner-Isenrath. Die Idee des Probejahres hatte sie selbst. „Doch mein Vater war sofort einverstanden – denn bei ihm und seinem Vater ist es genauso gelaufen. Ich schätze es sehr, dass wir das Zusammenarbeiten gemeinsam ausprobieren konnten und ich anschließend absolute Entscheidungsfreiheit hatte. Mit meinem Vater habe ich in dem Jahr fast jede Minute zusammen verbracht – es war eine sehr intensive Zeit des Wissenstransfers und auch ein neues gegenseitiges Kennenlernen, als wir das Büro geteilt haben“, meint sie. Gemeinsam haben sie große Projekte angepackt. „Die alten Geschäftskontakte, die seit vielen Jahren bestehen, können natürlich nicht von einem auf den anderen Tag übergeben werden. Schließlich hat mein Vater hier viel Vertrauen aufgebaut und die Kontakte liegen ihm sehr am Herzen“, so die Geschäftsführerin. Ihr Cousin Kevin hat auf die gleiche Weise den Bereich Natursteinhandel von seinem Vater übernommen, den er am Firmensitz in Zapfendorf verantwortet, wo ein rund 50 000 Quadratmeter großer Ausstellungsbereich samt Lagerflächen für Natursteinprodukte aus aller Herren Länder das Interesse von Galabauern, Architekten sowie Privatkunden und Kommunen wecken soll. Sabine Porzner-Isenrath hat wiederum den Abbau von Sand und Kies sowie die Produktion von anfallendem Oberboden, Zierkies, Auffüllmaterialien, Spielkastensand und Splitte sowie die Annahme von Aushubmaterial in den beiden Werken unter sich. Sie muss sich um die langfristige Rohstoffsicherung und Abbaugenehmigungen kümmern. „Das wird immer schwieriger. Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern erfordern großes Fingerspitzengefühl und da spielen vielfach soziale Kompetenzen eine große Rolle. Dass wir schon seit vielen Jahrzehnten in der Gemeinde ansässig sind und uns auch engagieren, hilft uns natürlich“, räumt sie ein.

Sabine Porzner-Isenrath (links) ist im regelmäßigen Austausch mit Zeppelin Verkaufsrepräsentant Herbert Behringer (rechts) über die passende Maschinentechnik für den Rohstoffabbau. Fotos: Zeppelin

Was ihren Führungsstil im Umgang mit den fünf Mitarbeiterinnen und 28 Mitarbeitern betrifft, spielt natürlich ihr Alter – sie ist 34 Jahre – eine Rolle. Sie setzt auf partizipierende Führung, das heißt, auf ein Miteinander. Sie will, dass sich ihr Team mit Ideen und den jeweiligen Kompetenzen einbringt, Entscheidungen fällt und die Verantwortung übernimmt, auch wenn sie das letzte Wort hat. Das gilt eben auch dann, wenn neue Baumaschinen, wie ein Cat Kettenbagger 336GC, bei der Zeppelin Niederlassung Erlangen angeschafft werden. Kettenbagger wie der neue, aber auch ein 330LN, 336DLN, Radlader wie ein 908M, 966HS, 966M sowie eine Cat Planierraupe D5 übernehmen den Abraum, Rohstoffabbau, die Beschickung der Produktion, die Rückverladung sowie Rekultivierungs- und Transportaufgaben. „Von jedem Gerät haben wir die Maschinenhistorie genau dokumentiert. Wir sprechen mit den Maschinenführern, was sie für Wünsche haben und was geändert werden soll“, so Sabine Porzner- Isenrath. Dann kommt Verkaufsrepräsentant Herbert Behringer ins Spiel, mit dem die Ausstattung im Detail besprochen wird. So verfügt der Cat 336GC über den Unterwagen mit 3,20 Metern Breite, was ihm zu einem besseren Stand verhilft, wenn Rohkies ausgebeutet wird. Dafür kommt es bei der Baumaschine auch noch auf den Löffel an. Wenn das Werkzeug unterhalb der Wasseroberfläche den abrasiven Kies abzieht, verschleißt das Grundmesser von oben. Um so weniger Verschleiß ausgesetzt zu sein, wurde oben ein geschraubtes Verschleißmesser angebracht. Zudem müssen die Hydraulikleitungen gut abgedichtet sein, wenn der Ausleger ins Wasser eintaucht. „Solche Vorgaben haben sich im Lauf der Zeit herauskristallisiert“, berichtet die Geschäftsführerin.

20 Jahre und länger ist so manches Gerät im Einsatz – um deren Funktion kümmert sich der Zeppelin Service, aber auch die eigene Werkstatt vor Ort, wenn etwa Filterwechsel anstehen. Nicht jede Maschine arbeitet im Dauerbetrieb, sondern bedingt durch den Abbau wird nicht ständig der Standort gewechselt und so permanent beansprucht. „Wir haben es daher lieber simpel und wollen nicht zu viel Hightech“, lauten die Argumente seitens der Unternehmensleitung. Das erklärt auch die Wahl des Cat Kettenbaggers 336 in der Basisversion GC. Dieser ist aktuell bei den Mainauen gefordert. Im Rahmen der Kiesgewinnung wird der Main um eine zusätzliche Schleife zwischen Zapfendorf und Ebing länger und um zwei große Aubiotope im Norden und Westen von Zapfendorf erweitert werden. Allein um den neuen Westsee entstehen 70 Hektar Biotopfläche, um so Amphibien, Vögeln und vielen anderen teils bedrohten Arten, die bei der Mainbegradigung ihr Zuhause verloren haben, wieder eine Rückzugsmöglichkeit zu geben. In den nächsten Jahren sollen dort Flutmulden, Flachwasserzonen, Kiesbänke, Magerrasenzonen und vieles mehr entstehen. Rekultivierung und Renaturierung werden immer wichtiger – auch das verfolgt Sabine Porzner-Isenrath mit Leidenschaft, weil sie weiß, dass der Rohstoffabbau nur so eine Zukunft hat. Daher schloss das Unternehmen 2019 zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) einen Kooperationsvertrag zum Schutz von bedrohten Amphibien. „Das ist ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg, Kies im Einklang mit Mensch und Natur zu gewinnen“, so Sabine Porzner-Isenrath.

Rohstoffgewinnung im Einklang mit der Natur: Auch das ist eine der Aufgaben von Unternehmerin Sabine Porzner-Isenrath.

Doch das ist nicht das Einzige, das sie unter einen Hut bringen will. Wie steht es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? „Natürlich kann man als Frau nicht nebenbei so ein Unternehmen führen. Bei meinem Mann und mir gibt es eben nicht die klassische Rollenverteilung, sondern wir führen eine moderne Partnerschaft“, erklärt sie. Dass sie als Unternehmerin in die Führungsrolle hineinwachsen und sich beweisen muss, war ihr von Anfang an bewusst. „Als Frau wird man in dieser Branche und in dieser Position durchaus kritisch beobachtet. Da muss man sich auch durchsetzen können und behaupten“, sind ihre Erfahrungen. Sie weiß auch: Frauen wie sie sind in der Branche jedoch eher eine Ausnahmeerscheinung. „Es gibt zwar mittlerweile immer mehr Lkw-Fahrerinnen, doch Frauen in Führungspositionen sind selten“, meint sie. Gleichgesinnte hat sie jedoch als Mitglied im Bayerischen Industrieverband Steine + Erden gefunden, wo sie sich regelmäßig mit anderen Frauen zum Netzwerken und gemeinsamen Austausch verabredet. Dann geht es auch darum, wie Frauen in der Branche besser gefördert werden können. „Beginnen müssen wir bei der Erziehung, die sich ändern müsste. Wir müssen unsere Kinder mehr neigungs- und nicht geschlechterabhängig erziehen, um so das Interesse an technischen Berufen zu fördern“, wäre ihr Vorschlag, mehr Frauen zu gewinnen, Fuß in der Rohstoffindustrie zu fassen. Ihr ist das jedenfalls schon gelungen.

November – Dezember 2021

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