Das Hochhaus der Deutschen Welle ist mit 138 Metern eines der höchsten Gebäude in Köln und beherbergte seit Fertigstellung 1980 den Auslandsrundfunk der Bundesrepublik. Aufgrund massiver Schadstoffbelastung stand das markante Gebäude seit 2002 leer, Jahre später folgte dann der Beschluss: Das Hochhaus soll abgerissen werden. Eine Sprengung kommt aufgrund der Nähe zum Nachbargebäude des Deutschlandfunks nicht infrage. Die Firma BST Becker Sanierungstechnik konnte sich den Auftrag des konventionellen Rückbaus sichern. Das bedeutet, die drei Türme werden nach umfangreicher Asbestsanierung Stück für Stück von oben nach unten abgetragen. Damit Europas größter innerstädtischer Hochhausabriss reibungslos funktioniert, hat sich der Abbruchspezialist Zeppelin Rental an die Seite geholt. Mit ausgeklügelter Elektro-Baustelleneinrichtung sorgt das Unternehmen dafür, dass Baustrom und Bauwasser fließen.

Zeppelin Rental versorgt Rückbau der Deutschen Welle mit Baustrom und Bauwasser
Etage für Etage wird das knapp 140 Meter messende Hochhaus abgetragen. Fotos: bauforum24

 Das 1,6 Meter hohe Kettenblatt einer Diamantsäge frisst sich langsam und gleichmäßig durch den Beton, an anderer Stelle sprühen die Funken beim Schneiden von Stahl. Dann ist die letzte Verbindungsnaht gekappt, die schweren Ketten heben das Deckenelement an, es schwebt am Raupenkran weit über Köln am rund 180 Meter langen Ausleger. „Jetzt ist das Gebäude wieder um 13 Tonnen leichter“, so Daniel Schön, Oberpolier von BST Becker. „Allein die Diamantsäge benötigt eine Absicherung von 63 Ampere, davon sind vier im Einsatz, plus diverse Abbruchroboter, Brenner und Werkzeuge. So kommen auf einer Etage locker 170 kVA zusammen“, rechnet er vor. „Hier fließt enorm viel Energie.“ Und die stellt Zeppelin Rental sicher. Am Rande des Baufelds sorgten zeitweise zwei begehbare Transformatorenstationen, eine mit 630 kVA und eine mit 400 kVA Leistung, dafür, dass selbst im obersten Stockwerk noch genügend Spannung herrscht. 38 Haupt-, Gruppen- und Endverteiler stellen auf über 32 Etagen die Stromversorgung für den Abbruch des Büro-, Studiound Aufzugsturms sicher. 

„Das Vorgehen stellte auch uns im Vorfeld vor Herausforderungen“, erklärt Eckhard Thiel, technischer Projektmanager Elektro und Energie bei Zeppelin Rental. „Eine herkömmliche Baustromversorgung wächst mit dem Bauprojekt in die Höhe, in Köln war es genau umgekehrt.“ So mussten die Planer gleich mehrere Vorgaben berücksichtigen. Beispielsweise musste aus brandschutztechnischen Gründen der Aufzug für die Einsatzkräfte der Feuerwehr nach Abschaltung der Energieversorgung durch den Netzbetreiber über zusätzliche Stromerzeuger von 80 bis 160 kVA Leistung weiterbetrieben werden. Da die Aufzugsschächte während der Bauarbeiten als Betonabwurfschächte fungieren, wurden über alle Etagen hinweg Kernbohrungen hergestellt, um die dicken Gummischlauchleitungen durch das Gebäude mithilfe von Spezialschellen in die Höhe zu verlegen. Dabei achteten die Mitarbeiter von Zeppelin Rental genau darauf, alle Zuleitungen zu den Verteilerschränken im Außenbereich aufgrund der Abbruchtätigkeiten besonders geschützt zu verlegen. „Wir müssen uns bei der Stromversorgung der Baustelle um nichts kümmern, das könnten wir auch gar nicht leisten. Dank der Kollegen können wir uns schlichtweg darauf verlassen, dass wir da oben Strom haben“, betont Schön. Zeppelin Rental plante die Dimensionierung der Elektro- Baustelleinrichtung passgenau, richtete sie ein und führt regelmäßig Service- und Wartungsleistungen durch qualifiziertes Elektrofachpersonal auf der Baustelle durch. 

Europas größter innerstädtischer Abriss
Insgesamt stehen 38 der roten Stromverteilerkästen auf dem Baufeld in Köln.

Ebenso gewährleistet Zeppelin Rental die Bauwasserversorgung der Abbrucharbeiten. Eine PE/HD Leitung DN 50, gespeist durch ein Standrohr an einem Unterflurhydranten, überbrückt die gut 200 Meter vom öffentlichen Versorger zur Baustelle. Als Frostschutz wurde ein innen liegendes Heizband als Rohrbegleitheizung eingezogen. Des Weiteren war Vorgabe, die Löschwasserversorgung von sechseinhalb Kubikmetern Wasser pro Stunde sicherzustellen. Hochleistungspumpen sorgen dafür, dass auch in 138 Metern genügend Druck ankommt.  Etwa 85 Prozent des Abbruchmaterials wird recycelt und wieder verfüllt. Mittlerweile steht nur noch das Stahlskelett, zuvor wurden die asbestbelasteten Bauteile unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen entfernt. Für die Demontage eines Stockwerks benötigt das Team von Daniel Schön etwa zwei Wochen. Mit dem Abbruchfortschritt wandern auch die Stromverteiler Etage für Etage nach unten. Stück für Stück werden die Türme kleiner, bis zum Sommer 2021 wollen Daniel Schön und sein Team fertig sein. Dann beginnen auf dem 56 000 Quadratmeter großen Areal die Bauarbeiten für die 750 geplanten Wohn- und Gewerbeeinheiten.

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