Bis zu tausend Tonnen Altpapier täglich kommen im Minutentakt auf dem Recyclingplatz von ROHPROG im Münchner Norden an. Auf dem 15 000 Quadratmeter großen Gelände herrscht emsiges Treiben und viel Bewegung: 200 Lkw müssen jeden Tag entleert oder wieder neu beladen werden. Das ist nicht die einzige Aufgabe für die Baumaschinen, die dazwischen hin- und herrangieren und einen störungsfreien Durchfluss gewährleisten sollen. Sie müssen die Sortieranlage befüllen – 35 Papiersorten unterschiedlicher Qualität sind im Zuge des Recyclings zu sortieren. Dazu gehören holzhaltiges und holzfreies Altpapier, Multidruck, Späne, Rotationsabfälle, Druckereiabfälle, Zeitungen oder Illustrierte, Mischpapier, Karton und Wellpappe. Hinzu kommt die Presse, die beschickt werden muss und das Altpapier mit 200 Tonnen Presskraft zu Ballen presst. Ihre Leistung: 1,4 Tonnen pro Minute. Die Ballen werden dann wiederum an Papierhersteller geliefert, die aus dem Altpapier neues Papier herstellen. Der Einsatz ist für die Cat Baumaschinen wie die Radlader 930M, 908M und 908 ein Härtetest, der viel Koordination und absolute Vorsicht erfordert. Denn Platz ist Mangelware und es herrscht Zeitdruck aufgrund des hohen Durchsatzes. Aber auch für Sauberkeit müssen die Baumaschinen auf dem Gelände sorgen. Doch wird das Papier nass, ist das eine Herausforderung, weil sich dann Klumpen bilden und diese dann trocknen und ziemlich hart werden.

Neue Besen wie die BKM 2.2 kehren gut.

Werkstattmeister Nico Evers und seine Kollegen steuern darum den Cat 908, der es inzwischen auf knapp 13 000 Betriebsstunden gebracht hat, mit der schweren Sobernheimer Kehrmaschine BKM 2.2 über den Betriebshof. Haben die Lkw ihre Ladung ausgekippt, wirbeln Papierfetzen durch die Luft und landen auf dem Boden des Betriebsgeländes. Dann geht es ans Fegen. Das gilt auch, wenn die Sortieranlage läuft und Papier aus der Anlage getragen wird. Doch kommt Papier mit Wasser in Kontakt und weicht auf, bildet sich eine breiige Konsistenz, die festhaftet und nur mit Mühe aufgenommen werden kann. Weil die alte Universalkehrmaschine UKM 2.2 nach fünf Jahren Einsatz für eine Überholung fällig war, was sich jedoch nicht mehr lohnte, wurde bei Jens Heerdegen, zuständig für Anbaugeräte von der Zeppelin Niederlassung München, Ersatz beschafft.

Wie heißt es so schön: Neue Besen kehren gut. Das kann auch Nico Evers bestätigen. Denn der spezielle Nylon-Besenbesatz besteht aus Polypropylen und Stahlwelldraht. Sie bilden die Kehrwalze mit 600 Millimeter Durchmesser. Darüber lassen sich die Papierfetzen besser einziehen. Bevor Nico Evers damit den Boden kehrt, muss er die Besenwelle mittels der Schwerlast-Stützräder richtig anpassen: Sie darf nicht zu hoch justiert werden, sonst greifen die Borsten nicht richtig. Und zu tief eingestellt, verschleißen sie viel zu schnell. Eingesetzt wird die 2,2 Meter breite Kehrmaschine mit einem Seitenbesen auf der rechten Seite, um auch Papierreste an den Rändern zu erfassen, wo etwa die Ballen lagern, bis sie abgeholt werden. Der Bediener kann zwischen den Funktionen freikehren oder einkehren wählen, also das Papier vor sich herschieben oder in einem Schmutzsammelbehälter mit knapp 500 Litern einsammeln. Der Schmutzsammelkasten kann hydraulisch entleert werden. Die Abstreifleiste hat der Mitarbeiter extra nachgerüstet, um selbst kleinste Partikel besser aufnehmen zu können. „Besonders schwer lassen sich Späne und Papierstaub aufnehmen, weil sie so fein sind“, meint Nico Evers. Die Parallelogramm-Aufhängung sowie vier Vollgummi-Schwerlastlenkräder sorgen bei der Kehrmaschine BKM 2.2 für ein ruhiges Laufverhalten und stellen sicher, dass sich die Kehrmaschine bei Unebenheiten nicht aufschaukelt oder einschlägt. Es bleibt nicht aus, dass Fremdkörper wie Draht, die im Altpapier stecken, übersehen werden. Sie hatten in der Vergangenheit dazu geführt, dass das Lager innenseitig bei der bisherigen Universalkehrmaschine beschädigt wurde. „Die BKM hat ein Standardlager, das man ohne Weiteres für zehn Euro austauschen kann“, so Nico Evers. Bei zu großer Trockenheit befeuchtet er den Boden und sprüht über den Kehrbesen Wasser aus dem 220 Liter fassenden Wassertank auf die Fläche. Somit wird der feine Papierstaub gebunden. Die Funktionen wie Kehren und Entleeren kann er über den dritten Steuerkreis des Cat 908 ansteuern. Das Wassersprühen erfolgt über eine Elektropumpe.

Der Kehrbesen ist nicht die einzige Ausrüstung, die Zeppelin und ihre Münchner Niederlassung lieferte. Die beiden Cat 930M benötigen eine Hochkippschaufel. In Verbindung mit dem Highlift-Hubgerüst sollen so Sortieranlage und Lkw leichter beladen werden können. Demnächst erhält der Umschlagbagger einen neuen HGT Polypgreifer Z-M3.6 mit 800 Litern Fassungsvolumen in der halboffenen Ausführung. Damit wird loses Papier umgeschlagen. Zugleich zieht der Greifer Papierrollen, die nicht in der Presse landen dürfen, heraus und legt sie separat ab. Sie kommen dann in die sogenannte Rollen- Guillotine. Mit ihrer messerscharfen Klinge zerteilt sie die Rolle und das Papier, das dann weiterverarbeitet werden kann.

Cat Radlader 930M im Härtest, wenn dieser die Sortieranlage beschickt.

Immer wieder landen in der Anlieferung Störstoffe wie Plastik, Hygieneartikel oder Windeln, aber auch Feuerlöscher oder Bremsscheiben, die da definitiv nicht hineingehören und einen großen Schaden in der Sortieranlage verursachen, sollten sie nicht rechtzeitig beseitigt werden. Abgesehen von der Entnahme von Störstoffen sortiert die Papiersortieranlage in unterschiedliche Papierqualitäten. Herausgefiltert werden auch Kartonagen. Das macht der Spiker, eine rotierende Walze mit Stacheln, die in den Papierhaufen auf dem Förderband reinsticht. Um für einen konstanten Durchfluss zu sorgen, muss die Geschwindigkeit der Sortieranlage an die Luftfeuchtigkeit und -temperatur angepasst werden, um dadurch das Auswurfergebnis zu verbessern.

Zu viel Nässe stört den Sortierprozess. Große Hitze und Funkenflug, der in Windeseile zu einem Großbrand führen würde, wäre fatal. Alle Baumaschinen sind deswegen mit Feuerlöscher ausgerüstet, die auch sonst an der Werkshalle in ausreichender Stückzahl montiert sind. Um Funkenflug zu vermeiden, sind die Maschinisten angehalten, die Schaufeln oder Schiebeschilder immer ein paar Zentimeter oberhalb des Bodens zu bewegen.

Die Corona-Krise hat sich auch auf das Recycling von Altpapier sowie das Entsorgungsgeschäft ausgewirkt und die Stoffkreisläufe durcheinandergebracht, bestätigt der ROHPROG-Geschäftsführer Christian Güntner, der das Unternehmen mit 90 Mitarbeitern zusammen mit Philipp Güntner leitet. Laut dem Verband Deutscher Papierfabriken hat die Papierindustrie im letzten Jahr 21,4 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert und konnte die Nachfrage nach Verpackungen für Lebensmittel und aufgrund des Online-Handels steigern. Deutlich zurück ging dagegen die Produktion von grafischen Papieren. „Auf diese unterschiedlichen Entwicklungen müssen wir uns jeden Tag einstellen“, meint der Firmenchef. Das bedeutet aber auch, selbst den Betrieb coronakonform auszurichten. Extra Luftwäscher wurden für die Büros angeschafft und ein Hygiene- und Schutzkonzept etabliert. Die Teams wurden – so gut es eben ging – getrennt. Mitarbeiter in der Verwaltung dürfen im Homeoffice arbeiten und Arbeitsplätze wurden entzerrt beziehungsweise nach Möglichkeit aufgeteilt – seit 2020 betreibt das Recycling- und Entsorgungsunternehmen inzwischen auch im Münchner Süden einen zusätzlichen Standort, um auf die wachsende Nachfrage zu reagieren. Dieser war schon lange geplant.

ROHPROG-Geschäftsführer Christian Güntner (rechts) zusammen mit seinem Werkstattmeister Nico Evers (links) und Jens Heerdegen (Mitte), zuständig für den Verkauf von Anbaugeräten und Baustellenausrüstung seitens der Zeppelin Niederlassung München.

ROHPROG recycelt Altpapier seit 1924 und wird in der vierten Familiengeneration geführt. Zum Kundenkreis zählen Kommunen wie München oder Augsburg, aber auch Gewerbe- und Industriekunden, für die insbesondere Verpackungskartonagen und Druckereiabfälle aufbereitet werden. Hinzu kommen Privatkunden. Ein weiteres Standbein ist die Komplettentsorgung von Gewerbebetrieben mit eigenem Containerdienst. Auch um die Akten- sowie Datenvernichtung kümmert sich ROHPROG. „In diesem Bereich achten wir besonderes auf Sauberkeit“, meint Nico Evers. Da ist dann wieder die Kehrmaschine gefordert.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here