Richtiges Händewaschen zählt zu den wesentlichen Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus. Doch auf Sauberkeit kommt es nicht nur da an, sondern auch beim Gleisschotter. Liegt Schotter zu lange im Gleis, haften daran der Abrieb der Bremsen, Schmutz oder Herbizide, und hat er aufgrund von Abnutzungserscheinungen seine kantige Form eingebüßt, kann er sich nicht mehr gut verzahnen und hält den täglichen Beanspruchungen im Zugverkehr nicht stand. Die Folge: Das Gleis wird instabil – die Schwelle hält nicht mehr richtig. Das merken die Fahrgäste, wenn die Waggons ruckeln und der Lokführer die Geschwindigkeit reduziert. Dank regelmäßiger Wäsche und Aufbereitung kann Schotter jedoch erneut verwendet werden. Eine Aufgabe, der sich Result-Recycling aus Landsberg annimmt. Über 50 000 Tonnen Bahnschotter bearbeitet das Unternehmen der Kutter-Gruppe bislang jedes Jahr. Doch da ist noch Luft nach oben.

Result-Recycling will auf seinem Werksgelände in Igling die Schotter-Wäsche ausbauen und eine überdachte Leichtbauhalle für die Lagerung sowie eine Lagerhalle samt Waschanlage errichten. Was den Diplom-Geologen und Geschäftsführer Ralph Stumpe dazu antreibt: Kies und Sand sind endlich und natürliche Baustoffe wachsen nicht so schnell nach. Und darum muss der Schotter gepflegt werden, den die Deutsche Bahn benötigt, mit der Result Recycling seit mehr als 20 Jahren Rahmenverträge unterhält. Geliefert wird verunreinigter Schotter auf dem eigenen 1,4 Kilometer langen Gleisanschluss. Dort wird er mithilfe eines Cat Umschlagbaggers MH3024 entladen und dann von einem Cat Radlader 966M entsprechend aufgenommen, um ihn dann zu reinigen und wieder zu brechen. Dabei ist Geschwindigkeit gefragt, denn die Ladung der Waggons muss schnell umgeschlagen werden. Jeder unnötig stehende Waggon kostet Geld. Der Umschlag eines Zugs à 30 bis 40 Waggons beträgt im Schnitt bis zu 2 500 Tonnen – bis zu drei Züge kommen an einem Tag in Igling an. „Leistungsstarke Geräte sind für die Be- und Entladung samt Umschlag nötig“, definiert Disponent Karl Reute die Anforderungen. Das war der Grund, 2020 erstmals in Cat Technik bei der Zeppelin Niederlassung Ulm und ihrem leitenden Verkaufsrepräsentanten Uwe Fuhrmann einzusteigen. Denn die Arbeiten für die Baumaschinen wurden mehr und mehr – da musste Unterstützung her. Und wenn es mit der zweiten Stammstrecke München im Juni losgeht, steht noch mehr Material an. Darum arbeiten inzwischen groß und klein nebeneinander, konkret ein Cat 966M und ein Cat 908M. Dritter im Bunde ist der Cat Umschlagbagger MH 3024, der im Wechsel mit Grabenraumlöffel, Erdbaulöffel, Sortiergreifer und Pulverisierer hantiert.

Auf dem 1,4 Kilometer langen Gleisanschluss kommt der verunreinigte Schotter an, der mithilfe eines Cat Umschlagbaggers MH3024 entladen wird. Fotos: Zeppelin

Derzeit wird der Schotter über eine mobile Aufbereitungsanlage gesäubert – ein gutes Drittel des Materials bringt der nach § 56 KrWG zertifizierte Entsorgungsfachbetrieb wieder in den Kreislauf zurück. Dafür müssen nicht nur die Teerreste und sonstige Anhaftungen runter, sondern der runde Schotter braucht auch einen Feinschliff und die Kanten müssen nachgeschärft werden. Wie gut das gelingt, den Schotter wieder in Form zu bringen, lässt Result-Recycling von der TU München überprüfen, welche die Qualität genau unter die Lupe nimmt. Das Unternehmen ist als Q1 Lieferant bei der Deutschen Bahn zertifiziert, was bedeutet: Es kann die Freigabe selbst für die Lieferung erteilen, sofern die Qualität die Vorgaben im
Gleis erfüllt.

Doch was die Wiederverwendung von Gleisschotter betrifft, geht noch mehr, glaubt Ralph Stumpe. Dafür braucht der Betrieb aber eine Waschanlage. Vorgestellt wurde das Projekt eben erst den Grünen-Abgeordneten Gabriele Triebel und Rosi Steinberger, Vorsitzende des Umweltausschusses im bayerischen Landtag. „Mich freut es, dass das Vorhaben positiv aufgenommen wird. Das ist schon mal der erste Schritt“, meint Ralph Stumpe – derzeit befindet sich die Waschanlage im Bebauungsplanverfahren. „Und das ist langwierig“, fügt er hinzu. Aber machbar, wie ein Blick über die Grenzen zeigt. In der Schweiz sei man schon viel weiter. Da sind Waschanlagen längst im Einsatz, an denen sich Result-Recycling ein Beispiel nehmen will. Denn sie erlauben, knapp 90 Prozent des Schotters zu recyceln. Das würde für das Unternehmen bedeuten: Aus den 50 000 Tonnen Material könnte das dreifache an Menge werden. „Man kann nicht alles waschen, aber es wird deutlich weniger entsorgt werden“, so Ralph Stumpe.

Diplom-Geologe und Geschäftsführer Ralph Stumpe sowie Disponent Karl Reute von Result-Recycling zusammen mit Uwe Fuhrmann, leitender Verkaufsrepräsentant bei Zeppelin
(von links).

Ihm geht es dabei nicht nur um Kapazitätssteigerung, sondern auch um Nachhaltigkeitsaspekte. „Wir bekommen über den Gleisanschluss regelmäßig rund 3 000 Tonnen Sand. Das wären umgerechnet 120 Lkw-Ladungen, die nicht auf der Straße unterwegs sind und somit einen CO₂-Ausstoß verursachen“, erklärt der Geschäftsführer. Was das konkret bedeutet, veranschaulicht er anhand eines Vergleichs: Ein Lkw, der Schotter zur Entsorgung von Landsberg in den Osten Deutschlands fährt, wo sich viele Verfüllgruben befinden, emittiert die Menge CO₂, die ein Hektar Wald im Jahr aufnehmen kann.

Umso wichtiger ist die Aufgabe, der sich die rund 34 Mitarbeiter, darunter Geowissenschaftler, Umwelttechniker, Bauleiter, Stoffstrommanager, kaufmännische Mitarbeiter und Disponenten sowie zehn Kraftfahrer, Maschinisten und Wiegepersonal, widmen. Sie kümmern sich nicht nur um den Schotter der Deutschen Bahn, sondern auch darum, aus Beton und mineralischem Bauschutt RC-Material herzustellen. Diesen erhalten sie aus eigenen Rückbau-Projekten von Ein- oder Mehrfamilienhäusern, Gewerbebauten sowie bei kompletten Flächensanierungen ehemaliger Militär- oder Industrieareale. Auch mit der Landeshauptstadt München gibt es einen Rahmenvertrag, um Aushub der städtischen Baustellen zu entsorgen, umzuschlagen, zwischenzulagern, aufzubereiten und möglichst in den Kreislauf zurückbringen zu können.

Klein gegen Groß: Cat 908M gegen 966M.

Hauptabnehmer der Produkte von Result-Recycling ist neben der Bahn der Straßen- und Wegebau. Doch die Mengen sind noch zu wenig, findet Ralph Stumpe. Denn selbst im Straßenbau wird in Ausschreibungen die Verwendung von Recyclingmaterial nicht vorgeschrieben, obwohl nichts gegen den Einsatz als Unterbau spricht. Das beste Beispiel dafür liegt quasi gleich vor der Haustür: die Verbindungsstraße von Landsberg nach Igling – sie wurde gebaut ohne eine Tonne RC-Baustoff. Das ärgert den Geschäftsführer, der auch Gegenbeispiele aufzählen kann, wo ein Einsatz Vorteile bietet, wie beim Hallenunterbau. Diesen könne man so ausführen, dass eine Ausschalung der Fundamentköcher komplett entfällt. Doch dazu müsste man mehr wagen und Recycling auch wirklich wollen.

Mai-Juni 2021

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