Wenn Touristen und Hotelgäste wegen des Beherbergungsverbots fernbleiben müssen, dann lässt sich die Gunst der Stunde wiederum nutzen, dachte sich die Geiger-Gruppe aus Oberstdorf. Die Folge: Abbrucharbeiten an der Schlossbergklinik in Oberstaufen, die das Unternehmen erworben hatte, konnten vorgezogen werden, ohne dabei umliegende Übernachtungsgäste zu beeinträchtigen. Den Rückbau übernahm die Firma Lämmle mit Sitz in Füramoos – eine Beteiligung von Geiger und Reloga – mit einem Cat 352 UHD. Er soll in Zukunft mit einem Cat 336 im Wechsel arbeiten, um den Gebäuderückbau bis hin zur grünen Wiese zu vollziehen. Mit der neuen Maschinengeneration einher geht ein neues Konzept, von dem sich Lämmle in Zukunft wesentliche Vorteile verspricht.

Mit Longfrontbaggern wie einem Cat 352 UHD geht es im Abbruch hoch hinaus. Voll ausgefahren erreicht die Maschine eine Arbeitshöhe von 28 Metern gemessen am Anbaugeräte-Befestigungsbolzen. Der Bagger könnte mit einer zusätzlichen Erdbauausrüstung mit variabel montierbarem Ausleger flexibel an den Arbeitsfortschritt angepasst werden. Bislang hat auch Lämmle den Longfrontausleger an der Vorgängermaschine abgebaut und durch die kurze Variante ersetzt, wenn den Gebäuden so besser beizukommen war. „In Zukunft wollen wir keinen Wechsel mehr vollziehen und eine Zwittermaschine einsetzen, wenn es die Platzverhältnisse zulassen. Wir betrachten den Longfrontbagger als ein Gerät, das für entsprechende Reichweite konzipiert ist und als solches bringen wir dieses auch auf die Baustelle“, so Geschäftsführer Stefan Lämmle. Für sicheren Stand und vereinfachten Transport verfügt der Cat 352 UHD über ein ausfahrbares Kettenlaufwerk mit hydraulischer Spurverstellung. Zur weiteren Ausstattung gehört das aktive Standsicherheits-Überwachungssystem, das den Bediener fortlaufend über die Anbaugeräteposition im sicheren Arbeitsbereich informiert und bei Annäherung an die Kippgrenze warnt. Ein Extra ist das zusätzliche Kontergewicht, das hydraulisch abgesenkt und für Transporte abgebaut werden kann. Es sorgt für weitere Stabilität, wenn Bauwerke mit acht oder neun Stockwerken rückgebaut werden.

Den Rückbau der Schlossbergklinik in Oberstaufen übernahm die Firma Lämmle mit einem Cat 352 UHD. | Fotos: Lämmle

Dass Cat seine Abbruchbagger wieder selbst baut, spreche für den Glauben an eigene Innovationen, räumt der Firmenchef ein. Hat der neue Longfrontbagger sein Tagwerk in der Höhe vollbracht, kommt ein 36-Tonnen-Bagger mit VAH-Ausleger ins Spiel, der über einen 3,20 Meter langen Stiel eine Reichhöhe von 13 Metern erzielt. Dieser Verstellausleger ermöglicht Arbeiten in geringer Nähe zu den Ketten sowie auf beengtem Raum und bietet ein größeres Hubvermögen. „In der Regel benötigen wir den Longfrontbagger rund 30 Prozent – für die überwiegenden 70 Prozent der anfallenden Arbeiten rund um das Recycling reicht eine kleinere Baumaschine aus. Ein weiteres Gerät bedeutet zwar erst einmal höhere Kosten, aber die machen sich wieder wett, da der 36-Tonner deutlich schneller und beweglicher ist im Vergleich zu einem trägeren Longfrontbagger“, ist der Firmenchef überzeugt. Durch wesentlich verkürzte Umrüst-/Instandhaltungszeiten kann eine erhebliche Zeiteinsparung dargestellt werden.

Wenn man den Rückbau im Detail betrachtet, so Lämmle, geht es häufig nicht um Größe, sondern um Schnelligkeit und sauberes recyclingorientiertes Arbeiten. Der Rückbau beispielsweise von Decken erfordert aufgrund ihrer 20 bis 30 Zentimeter Stärke keine Riesenkräfte, und nimmt nicht selten 90 Prozent der gesamten Massen ein. Oft werden nur wegen vereinzelt stark bewehrter Bauteile Werkzeugkombinationen gewählt, die völlig überdimensioniert und träge sind. In Zukunft, so glaubt Stefan Lämmle, werden im verdichteten Innenstadt-Rückbau weniger die großen, sondern verstärkt kleinere und schnelle innovative Baumaschinen dominieren, die im Vergleich zur Leistung sehr geringe Beeinträchtigungen für das Umfeld mit sich bringen. „Abbrüche in der Innenstadt mit Maschinen, wo Reichweiten von 40 Metern nötig sind, werden über kurz oder lang von Robotern durchgeführt werden. Langfristig wird die Grenze bei 28 Metern Reichhöhe erreicht sein“, ist er überzeugt.

Beide neuen Cat Geräte im Abbruchunternehmen werden von Manfred Unger bedient. Damit jedoch kein Gerät bei der „Duo-Lösung“ stillsteht, solange er mit der großen Longfront zugange ist, wird die Zeit mit dem Cat 336 genutzt, um den Nachwuchs beim Recycling und etwa im Umgang mit dem Pulverisierer und Magneten auszubilden. Denn auch das ist Teil der DNA des Unternehmens mit seinen 50 Mitarbeitern: den Nachwuchs wie angehende Baugeräteführer an die Praxis heranzuführen. Hier bekommen sie Tipps aus erster Hand von Profis wie Manfred Unger. Er ist seit 35 Jahren im Abbruchgeschäft und als Polier auf Baustellen tätig. Laut seinem Chef hat der Maschinist schon alles an Baumaschinen gefahren und die verschiedensten Schwierigkeitsgrade von Abbruchbaustellen bewältigt. „Fahrer wie ihn gibt es in Deutschland nicht viele“, meint Stefan Lämmle. Deswegen konnte dieser die Ausrüstung seines Arbeitsplatzes mitbestimmen, wie sie die Zeppelin Niederlassung Ulm und ihr Verkäufer Reiner Schmid liefern sollte. Klare Vorgaben hatte diese auch, was die Belegung der Joysticks mit Funktionen betraf, so ist dies in dem Unternehmen bei allen Geräten identisch und musste von Zeppelin entsprechend programmiert werden: Muss der Greifer gedreht oder geöffnet werden, so soll das bei allen Maschinen im Unternehmen gleich funktionieren. Damit die Ergonomie für den Fahrer nicht zu kurz kommt, kann die Ansteuerung wahlweise über Joystick oder Fußpedal erfolgen. Laut Manfred Unger lässt sich der Cat 352 UHD gut und feinfühlig steuern sowie variabel einstellen. „Schnelle fließende Bewegungen sind wieder möglich – dank der intelligenten Hydraulik, die gleichzeitig die Steuerung und Positionierung von Ausleger und Stiel zulässt – und sich dabei die Schere öffnen und schließen lässt. Stellen Sie sich vor: Sie sitzen am PC und müssen immer warten, bis das Programm jedes Mal 20, 30 Sekunden zwischengespeichert hat, bis sie den nächsten Schritt unternehmen können. Das kann auf Dauer nervig sein und so wäre es bei dem Bagger auch“, zieht Stefan Lämmle den Vergleich. Die bei Cat von Haus aus groß dimensionierte hydraulische Zu- und Rücklaufleitung (Verrohrung) wurde aufgeteilt. Dies ist notwendig, um für die hydraulischen Anbaugeräte maximale Öffnungs- und Schließzeiten bei minimalem Rückstau zu gewährleisten. Mithilfe des Schnellwechselsystems OilQuick (OQ80) können die Werkzeuge dann schnell mit Öl versorgt und getauscht werden. Und so wird sichergestellt, dass beide neuen Cat Geräte ihre Möglichkeiten ausschöpfen, wenn sie mit Schere, Pulverisierer, Greifer, Magnet, Anbaufräse oder wie der 336 noch mit Rüttelplatte oder Stubbenfräse arbeiten und so die Voraussetzungen für die Geländerevitalisierung wie in Oberstaufen schaffen, wie sie Lämmle für die Geiger-Gruppe sicherstellt. Diese plant dort ein Hotel der gehobenen Kategorie.

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