Bislang waren sie in Australien in den großen Minen anzutreffen. Bald sollen autonome Muldenkipper auch in Europa ihre Bahnen ziehen. Das Unternehmen Romarheim AS setzt eine Flotte von Skw für Rohstofftransporte in Norwegen in einem Steinbruch am Osterfjord, der nördlich von Bergen liegt, ein. Die Firma Steer, an der die Baufirma Gjermundshaug und der Software-Entwickler Degree Consulting beteiligt sind, stellte dafür die nötige Technologie bereit, damit dann die autonomen Muldenkipper das Material über eine fest definierte Strecke aus dem Steinbruch herausbefördern und in einen Schacht kippen können, der zu einer Brecheranlage führt. Von dort aus geht es dann mit dem aufbereiteten Baustoff per Schiff weiter zu nationalen und internationalen Märkten.

„Dies ist ein Meilenstein für Steer. Mit diesem Auftrag machen wir nach unserem ersten Auftrag 2009 einen riesigen Schritt nach vorne, bei dem es damals um die Räumung eines großen Artillerieschießplatzes ging“, so der CEO von Steer, Pål Ligård.

Bei den Rohstofftransporten handelt es sich um eine sich wiederholende Tätigkeit und dies ist ein Projekt von perfekter Größe, um unsere autonome Lösung noch weiter zu testen.

Steer-Mitgründer Njål Arne Gjermundshaug

Das Projekt mit Romarheim ist hinsichtlich mehrerer Ebenen innovativ. Bisher wurden die ferngesteuerten Baumaschinen vor allem bei Projekten eingesetzt, bei denen Gesundheits- und Sicherheitsaspekte im Vordergrund standen, wie unter schwierigen und gefährlichen geografischen Bedingungen. Im Hinblick auf das Romarheim-Projekt hat sich der Schwerpunkt nun dahingehend geändert, dass die Technologie für einen effizienteren und kostengünstigeren autonomen Betrieb genutzt wird.

„Bei den Rohstofftransporten handelt es sich um eine sich wiederholende Tätigkeit und dies ist ein Projekt von perfekter Größe, um unsere autonome Lösung noch weiter zu testen. Darüber hinaus ist Romarheim ein sehr vorausschauender Kunde, der sich freut, Teil dieses Innovationsprojekts zu sein“, meint Steer-Mitgründer Njål Arne Gjermundshaug.

Weiterentwicklungen sind nicht ausgeschlossen: Geplant ist, dass der Fahrer des Radladers, der das Material auf die Skw- Flotte lädt, diese auch von seinem Platz in der Kabine aus mit einem iPad beaufsichtigen und steuern kann. „Zu Beginn des Projekts werden wir vorsichtshalber Fahrer in die ferngesteuerten Muldenkipper setzen, um sicherzustellen, dass die Technologie korrekt funktioniert und die Erwartungen erfüllt“, sagt Gjermundshaug. Das Projekt soll im Frühjahr 2021 beginnen. Steer führt derzeit Tests in Oslo durch. „Damit wollen wir die Technologie prüfen, damit sie die Erwartungen erfüllt, die wir an Präzision, Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit und Betriebszeit stellen“, erklärt Gjermundshaug.

Für Romarheim geht es bei diesem Projekt auch darum, eine Idee zu verwirklichen, die das Unternehmen bereits vor seiner Gründung 2011 hatte. „Wir waren schon immer offen für neue Möglichkeiten, den Massentransport zu rationalisieren, indem wir einige der beteiligten Prozesse automatisieren“, erklärt Kåre Romarheim. „So können wir Gefahren für unsere Mitarbeiter beseitigen und gleichzeitig das Verletzungsrisiko senken. Die Erwartung ist, dass dies zusätzlich die Effizienz erhöht sowie die Betriebs- und Wartungskosten für die Anlagen reduziert.“

Geplant ist, dass der Fahrer des Radladers, der das Material auf die Skw- Flotte lädt, diese auch von seinem Platz in der Kabine aus mit einem iPad beaufsichtigen und steuern kann. | Foto: Steer

2019 gab Steer die Einführung seiner Remote-Technologie bekannt, die den Prozess beschleunigt. Romarheim nahm Kontakt mit Steer auf, und beide begannen, gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Da sowohl Romarheim als auch ihr Steinbruchkunde DC Eikefet Aggregates von der Idee begeistert waren, ging es mit Tempo an die Umsetzung. „Unser Kunde war so wie wir auch sehr daran interessiert, Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz und zur Verbesserung der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter zu prüfen“, so Kåre Romarheim.

Steer sieht in der Entwicklung autonomer Muldenkipper großes Potenzial und deswegen wird derzeit das Team erweitert. Darüber hinaus hat das Unternehmen zwei Millionen Norwegische Kronen an öffentlichen Zuschüssen erhalten, was umgerechnet in etwa knapp 190 000 Euro entspricht, um die Entwicklung weiter voranzutreiben. Aktuell kommt es aufgrund der Covid-19-Pandemie zu Verzögerungen. Ein laufendes Projekt in einer Ölraffinerie in den USA musste verschoben werden, aber trotzdem signalisieren Interessenten, dass sie an die Technologie glauben. „Dies ist nicht die Art von Technologie, die man online kauft und zwei Tage später nach Hause geliefert bekommt. Unsere Lösungen müssen ordnungsgemäß in die bestehende Technologie des Kunden integriert werden; die Sicherheit hat höchste Priorität. Normalerweise würden unsere Experten zum Kunden reisen, um die Integration zu überwachen. Aufgrund der Reisebeschränkungen, die wir im Jahr 2020 erfahren haben, konnten wir dies nicht wie ursprünglich geplant tun. Gleichzeitig hatten wir durch die Fokussierung auf inländische Projekte die große Chance, bei Romarheim unser Know-how und unsere Leistung zu beweisen“, heißt es seitens des Unternehmens.

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