Schwitzen oder Frieren – nie lagen die Symptome diesen Winter näher beieinander. Während auf der einen Seite die Erderwärmung droht, müssen wir auf der anderen Seite unsere Heizungen drosseln, um den Energieverbrauch zu senken, weil Energiepreise durch den Krieg in der Ukraine explodieren und unsere Energieversorgung eine fatale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen offenbart hat. CO2 zu sparen, heißt, den Geldbeutel zu entlasten. Es bedeutet auch eine große Chance für die Branche. Was gut fürs Klima ist, kann sich wiederum positiv aufs Geschäft der Bauunternehmen auswirken – was umgekehrt bedeutet: Nachhaltig-keit muss nicht zwingend Kosten verursachen, sondern kann auch wirtschaftliche Vorteile und neue Impulse bringen. Dabei ist das Sparpotenzial riesig, an dem Bauunternehmen längst arbeiten. Wie auch andere Be-triebe müssen sie energieeffizienter werden und somit weitere Anstrengungen unternehmen, um ihre eigene und die Klimabilanz von Bauwerken zu verbessern.

Knappe Ressourcen zwingen zu einem effizienteren Umgang mit Rohstoffen. Umso wichtiger wäre es da-her, das Recycling weiter voranzutreiben. Schon heute können zertifizierte rezyklierte Gesteinskörnungen für Beton im Hochbau verwendet werden, sofern diese die DIN-Anforderungen erfüllen und der Einsatz von Recyclingmaterial im Straßen- und Tiefbau durch die Ersatzbaustoffverordnung bundeseinheitlich geregelt wird. Doch braucht es auch Vorreiter, um die Lanze für Recyclingbaustoffe, die nach wie vor an einem Akzeptanzproblem leiden, zu brechen. Während Bauunternehmen, welche die Maßnahme lediglich ausführen, kaum Möglichkeiten haben, darauf Einfluss zu nehmen, haben es Bauherren – insbesondere Kommunen, Planer und Architekten – in der Hand, die Verwendung zu unterstützen und Recyclingmaterial einzusetzen. Denn der Bausektor beschleunigt die Klimakrise – auf sein Konto geht laut Studien der Internationalen Energieagentur der Verbrauch von 40 Prozent aller Rohstoffe und Energie, und er verursacht 60 Prozent aller Abfälle. Wer die CO2-Bilanz und den Energieaufwand von der Herstellung bis zum Rück-bau der eingesetzten Materialien von Bauwerken senken kann, kann bei der Errichtung, der Nutzung und dem Rückbau viel bewirken.

Wie die bauma zeigt, stehen die Zeichen auf nachhaltige Antriebe von Baumaschinen. Foto: Zeppelin/Sabine Gassner

Dabei können sich viele einzelne Schritte lohnen, Baustellen nachhaltiger abzuwickeln. Energie-Ein-sparpotenziale ergeben sich etwa durch effizientere Prozesse, sprich Leerläufe von Baumaschinen zu vermeiden. Oder nur einmal das Material per Bagger umschlagen, indem etwa der Aushub gleich an Ort und Stelle verwertet und nicht aufwendig durch die Gegend gefahren wird. Wenn wir Unternehmen umkrempeln wollen und die Wirtschaft umbauen müssen, um das Klima zu retten, braucht es außerdem massive Investitionen. Hier kann bereits der Einsatz kleinerer Elektro-Baugeräte die Klimabilanz entlasten. Sie kosten etwas mehr als ihr Diesel-Pendant und zeichnen sich dafür durch geringere Betriebskosten aus. Geeignete Infrastrukturen sind in manchen Unternehmen schon vorhanden oder können vergleichsweise einfach hergestellt werden. Wie die bauma zeigt, stehen die Zeichen auf nachhaltige Antriebe von Baumaschinen, die in absehbarer Zukunft in den Einsatz gehen werden. Sie werden für einen geringeren CO2-Fußabdruck in der Materialbewegung sorgen, sind aber nicht die einzige Möglichkeit. E-Fuels – synthetische Kraftstoffe – mögen eine weitere Option sein. Ob elektrische Baumaschinen oder Baumaschinen mit Wasserstoff-Brennstoffzellen: In welcher Form dies im Baumaschinenbereich umgesetzt wird, ist derzeit aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung nicht endgültig absehbar. Es lohnt sich jedoch für Bauunternehmen, sich damit auseinanderzusetzen, welche Möglichkeiten sie in ihrem Maschinen-park nutzen können, um energieeffizienter zu wer-den. Erste Ansätze finden Sie dazu in dieser Ausgabe. Denn Energiesparen wird auch in Zukunft mehr als angesagt bleiben.

November-Dezember 2022

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