Meterhoch türmten sich Sperrmüll und Elektroschrott, die das Hochwasser aufgrund extremer Regenfälle im Juli in den zerstörten Ortschaften insbesondere in Rheinland-Pfalz, NRW, Sachsen und Bayern zurückgelassen hatte. Ein großes Problem war das Aufräumen danach und ist nach wie vor die Entsorgung sowie die Mülltrennung. Zunächst wurde der Abfall unkoordiniert einfach vors Haus auf die Straßen gestellt oder auf dem örtlichen Fußballplatz abgelegt. Inzwischen sind temporäre Zwischenlager an Deponiestandorten, in Abfallwirtschaftszentren und Gewerbeabfall-Behandlungsanlagen entstanden. Fiel zunächst vor allem Sperrmüll und Elektroschrott an, dominiert inzwischen der Bauschutt. Da es sich hierbei zum größten Teil um wiederverwendbare Wertstoffe handelt, ist vorgesehen, diesen im anfallenden Gebiet zu lagern, zu recyceln und – soweit möglich – wieder vor Ort zu verbauen. Vorausgesetzt, es handelt sich um unbelastete Baustoffe wie Beton, Mauersteine, Ziegel und Keramiken. Die Materialien sollten möglichst schon bei der Anlieferung nach den einzelnen Fraktionen sortiert sein. Entsorgungsbetriebe aus der ganzen Republik helfen bei der Abfallbeseitigung mit, um auch Hygieneprobleme zu vermeiden und die Gefahr von Umweltschäden zu bannen. Doch bis die Schuttberge abgetragen sind und das Entsorgungsmanagement wieder in geordneten Bahnen verläuft, wird es noch Monate dauern.

Selbst in den weniger schwer betroffenen Gebieten, wo die Häuser noch stehen, wurde durch die Überschwemmungen vieles an Laden- und Wohnungseinrichtung aus den unteren Stockwerken unbrauchbar. Nach wie vor dauern die Aufräumarbeiten an. Viele Kommunen haben sich inzwischen um Ablageplätze gekümmert und die Entsorgung durch Fachfirmen in die Wege geleitet. Doch nicht immer ist klar, was davon dem Recycling über Wertstoffhöfe zugeführt werden kann und was in der Müllverbrennungsanlage landen darf. Darum hat das nordrhein-westfälische Umweltministerium eine gesonderte Koordinierungsstelle eingerichtet. Diese soll die von Unwetter betroffenen Kommunen mit sofortiger Wirkung bei der Organisation der Abfallentsorgung unterstützen. So geht das Umweltministerium von NRW von 170 000 Tonnen Sperrmüll und Schutt aus, die durch das Hochwasser angefallen sind. Normalerweise beträgt das Sperrmüllaufkommen in NRW durchschnittlich 650 000 Tonnen pro Jahr. Doch das Hochwasser hat bereits ein Fünftel der sonstigen Jahresmenge verursacht.

In den betroffenen Regionen arbeiten darum Kollegen der Abfallbetriebe unter Hochdruck, um den enormen Anfall von Abfall zu bewältigen und um die nötigen Kapazitäten für den Transport, die Sortierung und die thermische Behandlung zur Verfügung zu stellen. „Die Mitgliedsunternehmen tun alles, um diese riesige Herausforderung zu meistern“, erklärt Carsten Spohn, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen. Zu dieser haben sich über 80 thermische Abfallbehandlungsanlagen zusammengeschlossen, die eine Kapazität von rund 92 Prozent der bundesdeutschen Behandlungskapazität ausweisen und mit fast 7 000 Mitarbeitern rund 24 Millionen Tonnen Abfälle, überwiegend aus Haushalten und Gewerbe, verwerten. „Die Absprachen innerhalb der betroffenen Regionen laufen“, so Spohn. Eine gute Kommunikation der Betreiber untereinander ist dabei entscheidend, da thermische Abfallbehandlungsanlagen zusätzliche Abfallmengen nur im Rahmen der sogenannten „freien Kapazitäten“ entsorgen können. „Die Anlagen sind seit geraumer Zeit ohnehin durch kommunalen Siedlungsabfall aus den deutschen Haushalten und Gewerbeabfälle aus der Region sehr gut ausgelastet. Umso schwieriger ist die Koordination der freien Kapazitäten“, sagt Spohn. Daher könne es in Einzelfällen zu Engpässen bei der Entsorgung von Gewerbemüll kommen.

Weil die Entsorgung des Hochwassermülls nicht allein bewältigt werden kann, hatte die Stadtreinigung Hamburg (SRH) den Landesregierungen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kurzfristig Entsorgungskapazitäten in ihren Müllverwertungsanlagen angeboten. So wird etwa Müll aus Eschweiler, darunter vorsortierte und gehäckselte Mischabfälle, an die Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm geliefert. Um die Eignung der Abfälle für eine thermische Verwertung sicherzustellen, werden die Lieferungen zur Begutachtung vorgekippt und deren Beschaffenheit untersucht. Bei entsprechender Zusammensetzung des Abfalls wird die SRH in den kommenden Monaten mehrere Lieferungen durch die LK-Logistik Kontor GmbH pro Woche in ihre thermische Verwertung einbringen und bei Bedarf eine Gesamtmenge von bis zu 10 000 Tonnen Hochwasserabfälle entsorgen. Dazu SRH-Geschäftsführer Professor Rüdiger Siechau: „Solidarität endet nicht an der Stadtgrenze. Mit Eintreten der Flutkatastrophe war uns sofort klar, dass wir den betroffenen Regionen als Stadtreinigung helfen möchten. Dieser Impuls ging nicht zuletzt auch von unseren Beschäftigten aus. Aus den zuständigen Koordinierungsstellen und Krisenstäben wurde uns schnell mitgeteilt, dass insbesondere bei der Entsorgung großer Abfallmengen Unterstützung gebraucht wird.“

Hilfe in Form zusätzlicher Teams, bestehend aus einem Bagger und zwei Containertransportern, schickte darum auch die Avea in Leverkusen. Der Bagger sollte einen leeren 36-Kubikmeter-Container beladen, während der zweite Container voller Abfall zur Entsorgungsstelle gefahren wird. Beide Behälter pendeln zwischen Innenstadt und Entsorgungsstelle, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte.

Die Berge an Abfall sind nicht das einzige Problem, sondern gefährlich wird der Müll aufgrund von Verunreinigungen, insbesondere weil Batterien leckten oder weil Öl ausgetreten ist, und das zu Kontaminationen führt. Gesondert entsorgt werden müssen asbesthaltige Materialien und Mineralfasern. Da auch viele freiwillige Helfer bei der Entrümplung mit anpacken, die keine adäquate sichere Arbeitskleidung besitzen, wurden auch beschichtete Arbeitshandschuhe und Gummistiefel gespendet, wie von dem Abfallwirtschaftsbetrieb der Landeshauptstadt Stuttgart (AWS) und weiteren Partnern. Diese hatten zusammen mit dem Betreiber der Verbrennungsanlage der EnBW die Abfallwirtschaft Ahrweiler ebenfalls unterstützt und zugesichert, wöchentlich 250 Tonnen an Sperrmüll anzunehmen, um der Abfallflut Herr zu werden.

September – Oktober 2021

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