BayWa-Vorstandsmitglied Marcus Pöllinger über die Digitalisierung der Landwirtschaft und ihre Rolle als Impulsgeber

Für moderne Baumaschinen sind integrierte Assistenzsysteme wie eine 2D- oder eine erweiterte 3D-Steuerung eine Selbstverständlichkeit. Diese waren bei Landmaschinen schon viel früher gang und gäbe. Als Vorreiter der Digitalisierung gilt die Landwirtschaft. Die ersten autonom fahrenden Traktoren wurden vor 30 Jahren eingeführt. Auf dem Bauernhof 4.0 sind längst Drohnen oder Melkroboter im Einsatz. Einer, der die Digitalisierung vorantreibt, ist der BayWa-Konzern. Wir sprachen mit Vorstandsmitglied Marcus Pöllinger, der das Segment Bau und die Geschäftsfelder Agrar, Technik sowie Digital Farming verantwortet.

Marcus Pöllinger, Vorstandsmitglied der BayWa, verantwortet das Segment Bau und die Geschäftsfelder Agrar, Technik sowie Digital Farming.

Baublatt: Auf der Internationalen Grünen Woche im Januar präsentierte die BayWa KI-Lösungen für den Klimaschutz in der Landwirtschaft. Wie digital und vernetzt ist diese mittlerweile im Hinblick auf Feldarbeit aufgestellt im Vergleich zu anderen Industriezweigen?

Marcus Pöllinger: Es wird oft vergessen, dass die Landwirtschaft eine der wenigen Branchen ist, die schon seit Jahrzehnten digitale Technologien einsetzt. Vor fast 30 Jahren gab es die ersten autonom fahrenden Traktoren – also lange bevor in der Automobilindustrie überhaupt darüber gesprochen wurde. Wir erleben unsere Landwirte als überaus technikaffin. Acht von zehn landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland wenden heute digitale Technologien an – die Bandbreite reicht von der einfachen Wetter-App bis hin zum selbstfahrenden Hackroboter. Fast die Hälfte der deutschen Betriebe hat auf ihrem Hof GPS-gesteuerte Landmaschine stehen. Es ist auch erstaunlich, wie schnell sich Melkroboter durchgesetzt haben, gerade in kleineren Betrieben. Weit über 80 Prozent aller neuen Ställe in Süddeutschland sind mit einem solchen ausgestattet. Ich gehe davon aus, dass der Robotik-Markt noch deutlich an Dynamik gewinnen wird. Arbeitskräftemangel und erhöhte Anforderungen an den Umwelt- und Bodenschutz werden die Entwicklung weiter beschleunigen.

Baublatt: Was bremst derzeit die Digitalisierung in der Landwirtschaft noch aus?

Marcus Pöllinger: Es fehlen die politischen Rahmenbedingungen. Die Politik erkennt zwar durchaus das Potenzial der Digitalisierung. Sie sollte den Fokus aber stärker darauf legen, wie diese Innovationen großflächig auf den Acker kommen. Vor allem brauchen wir eine stabile digitale Infrastruktur – und zwar genau dort, wo Landwirtschaft stattfindet, im ländlichen Raum. Mit einer Investitionsförderung speziell für kleine und mittlere Betriebe könnte der Einsatz in diesen Betriebsstrukturen gezielt gefördert werden. Nur eines sollte der Staat nicht tun: selbst digitale Lösungen entwickeln. Das ist Aufgabe der Unternehmen.

Hackroboter „Dino“ bei der Unkrautbekämpfung auf einem Salatfeld. Fotos: BayWa

Baublatt: Schon heute Realität: Aussaat-, Dünger- und Wassermengen werden auf der Grundlage von Satellitendaten geplant und mittels GPS exakt in den Boden oder an die Pflanzen gebracht. Wie sieht Ihre Vision vom Bauernhof 4.0 aus?

Marcus Pöllinger: Richtig, unsere Kunden wenden bereits erfolgreich satellitenbasierte Lösungen an. Diese Lösungen entwickeln wir gemeinsam mit unseren Beteiligungen FarmFacts, einem Agrarsoftware-Entwickler, und Vista, die führend in der Satellitendatenfernerkundung sind. Beide Unternehmen befassen sich seit Jahrzehnten mit der Thematik und sind heute maßgebend auf ihrem Gebiet. Und sie zeigen, dass Innovationen nicht immer aus dem Silicon Valley kommen müssen: Ihr Gründungs- und Firmensitz liegt in Bayern. Die Digitalisierung bietet die einzigartige Chance, Produktivität und Umweltschutz zu verbinden. Deshalb wird sich die Digitalisierung in der Landwirtschaft weiter fortsetzen. Nehmen Sie das aktuelle Beispiel Trockenheit: Manche Bundesländer haben sich bis heute nicht von dem Dürrejahr 2018 erholt. Effizientes Wasser- und Nährstoffmanagement wird also immer wichtiger. Mit der klugen Vernetzung unterschiedlichster Daten kann der Landwirt seinen Acker zielgenau und vorausschauend beregnen und düngen. Und nach der Feldarbeit schaltet er im Büro seinen Computer an und ruft die Auswertung der Maßnahme ab. Das ist aus meiner Sicht die Zukunft. Herzstück dafür sind digitale Plattformen, auf denen die Daten verarbeitet und nutzbar gemacht werden. Der Einsatz dieser Farm Management Systeme ist heute schon ein Treiber hin zur vernetzten Farm 4.0.

Baublatt: Es ist keine Science-Fiction mehr: Ein Hackgerät, das Zuckerrüben von Unkraut durch einen Algorithmus unterscheiden kann, oder ein Traktor mit Spezialsensoren, der den Nährstoffgehalt einer Pflanze
über ihre Blattfarbe erkennen und somit den Einsatz von Düngemitteln präzise dosieren kann. Wie bereitet sich die BayWa auf solche Technologien vor?

Drohnen-Einsatz zur Schädlingsbekämpfung.

Marcus Pöllinger: Dass die BayWa den Einsatz von Innovationen in der Praxis aktiv vorantreibt, steckt seit der Gründung 1923 in unserer DNA. Seit den 20er-Jahren gehörte die BayWa zu den Vorreitern bei der Mechanisierung. Heute verstehen wir uns als „First Mover“ bei der Digitalisierung. Unser Anspruch ist es, unseren Kunden Innovationen frühzeitig nutzbar zu machen – unabhängig von ihrer Betriebsgröße. Dafür
sind wir eng vernetzt mit den Technologieunternehmen im BayWa-Konzern, aber auch mit Start-ups, die neuartige Ideen einbringen.

Baublatt: Lohnt sich der Einsatz von digitalen Farming-Anwendungen in Deutschland überhaupt für einen Landwirt oder ist es eher nur was für die riesigen Ackerflächen in den USA?

Marcus Pöllinger: Den Einwand, Smart Farming lohne sich nur für die ganz großen Agrarbetriebe, höre ich oft. Tatsächlich setzen in Deutschland vor allem die größeren Betriebe Smart Farming ein, mit Flächengrößen beginnend ab ein paar hundert bis mehrere tausend Hektar, wie man sie in Nord- und Ostdeutschland findet. In kleineren Strukturen herrscht hingegen noch Nachholbedarf. Smart Farming kann sich aber schon ab zwei Hektar lohnen. Der durchschnittliche Agrarbetrieb hierzulande ist 63 Hektar groß. Hier sehe ich für unsere Kunden noch großes Potenzial, durch die Digitalisierung effizienter zu werden.

Baublatt: Traktoren sind schon heute fahrende Rechenzentren mit Monitoren, Bordcomputern und Assistenzsystemen. Auch Baumaschinen enthalten längst integrierte Assistenzsysteme wie eine 2D- oder eine erweiterte 3DSteuerung. Wie wichtig sind solche Tools und Technologien um effizient arbeiten zu können und den Ertrag zu steigern?

Marcus Pöllinger: GPS-Lenksysteme lassen Traktoren bis auf zwei Zentimeter genau über den Acker fahren, Pflanzenschutzspritzen schalten ihre Düsen beim Wenden ab, Anbaugeräte heben und senken sich automatisch – solche Funktionen sind heute aus der Feldarbeit nicht mehr wegzudenken. Der Fahrer auf dem Schlepper wird dadurch maximal entlastet, und Betriebsmittel wie Dünger oder Kraftstoff werden sparsamer eingesetzt. Derartige Tools oder entsprechende Vorrüstungen werden heute in der Regel ab Werk mit der Maschine ausgeliefert. An der Stelle möchte ich gern Ihr Stichwort vom „fahrenden Rechenzentrum“ aufgreifen: Landmaschinen und Geräte produzieren permanent Daten. Bis vor wenigen Jahren konnten die Informationen unterschiedlicher Maschinenfabrikate nicht herstellerunabhängig verarbeitet werden – ein Problem angesichts der meist bunten Maschinenparks in den Betrieben. Auch hier hat sich in den vergangenen drei Jahren viel getan: Unsere Tochterfirma FarmFacts hat in Zusammenarbeit mit führenden Landtechnikherstellern eine Art Standard entwickelt, der alle Daten verarbeiten kann, egal aus welcher Quelle.

Baublatt: Baumaschinen haben ihren Ursprung in der Landwirtschaft: Der Firmengründer von Caterpillar, Benjamin Holt, hat 1904 das Raupenlaufwerk zwar nicht erfunden, aber erstmals zur Serienreife gebracht, als er einen Schlepper mit einer Laufwerkskette ausstattete. Auch wenn Baumaschinen in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen sie ganz andere Anforderungen erfüllen wie auf einer Erdbaustelle. Worin liegen die Unterschiede im Anforderungsprofil, das Landwirte an Baumaschinen stellen?

Marcus Pöllinger: In der Landwirtschaft wird Baumaschinen hinsichtlich Produktivität, Kosteneffizienz und Fahrerkomfort einiges abverlangt. Vor allem wegen der häufig wechselnden Aufgaben auf dem Hof sind die Anforderungen an die Ladeleistung hoch. Die unterschiedlichen Zubehörgeräte sollten schnell und einfach angelegt werden können. Radlader müssen durch eine hohe Fahrgeschwindigkeit, eine kompakte Bauform, aber auch bei Auskipphöhe und Zugkraft überzeugen. Letztlich
spielen natürlich auch die Betriebskosten eine Rolle.

Baublatt: Im Bergbau in Australien sind längst autonom fahrende Muldenkipper unterwegs, um Eisenerz zu transportieren. FMG (Fortescue Metals Group) gilt hier als Vorreiter und war das erste Unternehmen der Welt, das 2012 die autonome Technologie von Caterpillar einsetzte. Bis 2020 soll die Zahl von autonom fahrenden Skw auf 175 steigen – die Rohstofftransporte will dann die FMG als erster Gewinnungsbetrieb der Welt komplett autonom betreiben. Wann wird die Feldarbeit komplett autonom erfolgen und welche Hindernisse sind hier noch zu überwinden?

Marcus Pöllinger: Dass Feldarbeit eines Tages komplett autonom erfolgen wird, sehe ich noch nicht. Überall, wo autonome Maschinen bisher unterwegs sind, bewegen sie sich in einem begrenzten Raum. Das ist in der Landwirtschaft anders – Ackerflächen grenzen direkt an Straßen oder Siedlungen an. Wer haftet, wenn autonome Maschinen – warum auch immer – ihr Arbeitsgebiet verlassen und womöglich Schaden anrichten?Solche Fragen sind rechtlich in Deutschland und Europa derzeit noch völlig ungeklärt. Dort, wo autonome Maschinen wie Roboter schon im Einsatz sind, arbeiten sie deshalb unter menschlicher Kontrolle. Dass der Einsatz von Robotern in den kommenden Jahren zunehmen wird, steht aber außer Frage. Vor allem der handarbeitsintensive Sonderkulturbereich muss sich dem Arbeitskräftemangel und steigenden Kosten stellen. Hinzu kommt der gesellschaftspolitische Druck, synthetische Pflanzenschutzmittel weiter zu reduzieren. Alternativen werden somit dringend gebraucht. Wir als BayWa vertreiben seit diesem Jahr Agrarroboter des französischen Herstellers Naio Technologies. Zu den ersten Anwendern gehört die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, die in einem aktuellen Versuchsprojekt einen Roboter in verschiedenen Gemüsekulturen einsetzt.

Baublatt: Wie stark werden die Landtechnik und der Agrarhandel, aber auch die Baumaschinentechnik und der Baustoffhandel inzwischen digital abgewickelt?

Landwirte bei der Feldarbeit nutzen inzwischen auch Apps auf dem iPad.

Marcus Pöllinger: Schon vor der Corona-Pandemie hat jeder zweite Landwirt regelmäßig das Internet genutzt, fast 20 Prozent haben ihre Betriebsmittel bereits online eingekauft. E-Commerce ist auch in der Landtechnik eine strategisch ganz wichtige Säule. Beispielsweise
kommen mehr als drei Viertel aller Anfragen zu Gebrauchtmaschinen schon heute über unsere digitale Plattform baywa-boerse.de herein – aus aller Welt übrigens, mit Schwerpunkt in Osteuropa und Afrika. Andere Produktbereiche wie Ersatzteile und Motoristik sind ebenfalls überproportional stark im Online-Geschäft vertreten. Die Zeichen stehen klar auf Wachstum: Wir wollen im kommenden Jahr weiter deutlich zulegen und unsere Online-Umsätze in der Landtechnik signifikant erhöhen. Im Baustoffhandel sehen wir als BayWa die Verknüpfung unseres stationären Vertriebsnetzes mit der Online-Plattform als eine der wichtigsten Errungenschaften an. Das BayWa eigene Baustoffe Online-Portal wird von den Kunden gut angenommen und hier insbesondere die Belegverwaltung. Darin sehen wir unser Konzept bestätigt, dass Profikunden von einer Online-Plattform über den Einkauf hinaus Supportfunktionen für wichtige Geschäftsprozesse erwarten. Mit BayWa Rent bieten wir einen Verleihservice sowohl online als auch stationär an. Die Online-Plattform wird von den Kunden zur Information und Kontaktaufnahme genutzt. Die direkte persönliche und stationäre Erreichbarkeit ersetzt sie nicht.

Baublatt: Wo sehen Sie noch Potenziale, weitere digitale Angebote auszubauen?

Marcus Pöllinger: Auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Landwirtschaft wirkt die Digitalisierung wie ein Katalysator für neue Geschäftsmodelle. Der Einsatz von Satellitendaten ist dafür ein gutes Beispiel: 2017 hat die BayWa ihren Kunden mit der teilflächenspezifischen Aussaat im Mais die erste satellitenbasierte Anwendung angeboten. Seitdem ging es Schlag auf Schlag: Düngung, Bewässerung, das Anlegen von Blühstreifen, Ertragsprognosen – in all diesen Bereichen werden mittlerweile Satellitendaten genutzt. Da Pflanzenschutzmittel zunehmend in der Kritik stehen, ist die frühzeitige Erkennung von Pflanzenkrankheiten ein vielversprechendes zukünftiges Einsatzgebiet: Basierend auf Satellitendaten könnte eine Behandlung gezielt nur dort im Feld stattfinden, wo ein Ausbruch droht. In Zukunft eine stärkere Rolle dürfte auch Blockchain spielen. Durch diese Technologie lassen sich auch im Agrarhandel Wertschöpfungsketten transparent und fälschungssicher darstellen. Verbraucher können so nachvollziehen, welche einzelnen Stationen Lebensmittel vom Feld auf den Teller zurückgelegt haben. Auch die BayWa beschäftigt sich intensiv mit Blockchain und wird demnächst eine erste Anwendung für die Landwirtschaft auf dieser Technologie-Basis auf den Markt bringen.

Baublatt: Wird der digitale Handel bestehende Standorte der BayWa überflüssig machen und den klassischen Vertriebskanal verdrängen?

Marcus Pöllinger: Auch wenn das Online-Geschäft weiter zunehmen wird, wird es physische Standorte und klassische Vertriebskanäle weiterhin geben. Denn die Bindung zum lokalen Händler ist in der Agrarbranche besonders stark ausgeprägt – Vor-Ort-Beratung und der direkte persönliche Kontakt werden von Landwirten nach wie vor geschätzt. Auch darf man nicht vergessen: Als Agrarhändler bewegen wir physische Ware: Betriebsmittel müssen gelagert werden und es braucht Annahmestellen und Silos für die Ernte. Vielen Landwirten fehlen ausreichend Lagerraum am Hof oder die Ressourcen, um das erforderliche Qualitätsmanagement in vollem Umfang sicherzustellen. Wir setzen auf die Verbindung von digitaler Kompetenz und guten Standortkonzepten. Allein in die Bausubstanz unserer Agrar- und Technikbetriebe investieren wir pro Jahr im Schnitt rund 40 Millionen Euro.

Baublatt: Wie beratungsintensiv sind die neuen digitalen Technologien und wie bereiten Sie Ihre Mitarbeiter – Stichwort digitale Kompetenz – darauf vor?

Marcus Pöllinger: In der Tat, der Beratungsbedarf unserer Kunden wird mit der Digitalisierung größer. Welche Anwendung lohnt sich für mich? Wie wende ich die Technologie richtig an? Und wie interpretiere ich die digital generierten Daten, welche konkreten Handlungen leiten sich daraus ab? Das sind in der Regel die Kernfragen. Unser Anspruch ist: Wir machen die Landwirte zu Gewinnern der Digitalisierung. Darum investieren wir in Aus- und Weiterbildungen und leisten uns eigene Versuchsstandorte. Dort testen und erproben wir Sorten, Betriebsmittel, Anbaustrategien oder neuartige Technologien, um über die eigene Erfahrung unsere Kunden bestmöglich beraten zu können. Wir wollen unseren Landwirtskunden nicht irgendein Produkt verkaufen, sondern jenes, das am besten zu ihnen, ihrer Strategie und ihrem Betrieb passt.

Baublatt: In welchen Bereichen der Digitalisierung investiert die BayWa?

Marcus Pöllinger: Die BayWa ist in drei operativen Segmenten – Agrar, Energie und Bau – tätig. Digitalisierung findet in allen Bereichen statt: Im Hinblick auf Produkte und Dienstleistungen, aber auch im Hinblick auf unsere internen Prozesse. Schlüsselelemente dabei sind digitale Plattformen, wie Building Information Modeling in der Baubranche und Farm Management Systeme in der Landwirtschaft. Ein ständiger Prozess ist zudem der Ausbau unseres Online-Handels für alle Geschäftsbereiche.

Baublatt: Die Landwirtschaft gilt nicht nur als Vorreiter für die Digitalisierung, sondern auch, wenn es darum geht, effiziente Antriebstechnik zu nutzen. Wie steht es um die Elektromobilität auf dem Feld? Wird sich ein Trecker, der ein Kabel hinterherzieht, durchsetzen?

Marcus Pöllinger: Die Elektromobilität gewinnt in der Landwirtschaft an Bedeutung. So kommen auf dem Hof und im Stall mittlerweile elektrisch betriebene Maschinen wie Hoflader und Futtermischwagen zum Einsatz. Anders sieht es auf dem Feld aus. Hier gibt es zwar zahlreiche Konzepte unterschiedlicher Landtechnikhersteller. Es wird aber noch dauern, bis wir elektrisch betriebene Schlepper auf den Feldern arbeiten sehen. Interessant in dem Zusammenhang ist ein Projekt der BayWa Tochter BayWa r.e. in Rheinland-Pfalz: Eine mit Solarmodulen überdachte Apfelplantage produziert unter anderem Strom für die Akkus eines elektrisch angetriebenen Fendt-Traktors. Die Vorteile von Elektromotoren im Vergleich zu Dieselmotoren sprechen für sich. Ein hoher Wirkungsgrad, eine hohe Lebensdauer sowie null CO2-Emissionen am Einsatzort. Welche Antriebstechnik sich schlussendlich durchsetzt oder ob es mehrere unterschiedliche Systeme gibt, dazu wage ich heute noch keine Prognose.

Baublatt: Bei Traktoren sind stufenlose Getriebe mit hydrostatisch mechanischer Leistungsübertragung seit Jahren Standard. Caterpillar war das erste Unternehmen, das Radlader der XE-Baureihe mit stufenlosem, leistungsverzweigtem Getriebe entwickelte. Inwieweit ist die Landwirtschaft Innovationstreiber und was begünstigt diese Entwicklung?

Marcus Pöllinger: Sie erwähnen ganz richtig das Beispiel des stufenlosen Getriebes, das den Einsatz von Kraftstoff und Arbeitszeit deutlich verringert. Schon immer war die Landwirtschaft stärker als andere Branchen mit unterschiedlichsten Problemstellungen konfrontiert: Wetterabhängigkeit und Klimawandel, Globalisierung und Preisdruck, Arbeitskräftemangel, behördliche Auflagen und gesellschaftliche Erwartungen. Die Landtechnik ist hier auf vielfache Weise ein wirksamer Hebel für die Landwirte zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Insofern ist es nur logisch, dass die Landtechnikbranche sich schnell und dynamisch weiterentwickelt und so häufig eine Vorreiterrolle einnimmt.

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