Nachhaltige Unternehmenspolitik ist bei Zeppelin kein Thema, das dem Zeitgeist folgt, sondern Teil einer langfristigen Strategie als Stiftungsunternehmen. So wurden das Energie-, Umweltschutz-, Arbeitsschutz- und Qualitätsmanagementsystem erheblich ausgebaut und zertifiziert. Gemeinnützige Organisationen werden von dem Stiftungsunternehmen regelmäßig unterstützt – und das seit vielen Jahren. Auch die Mitgliedschaft im UN Global Compact ist kein Muss, sondern erfolgt auf freiwilliger Basis. Seit 2016 werden nachhaltige Fortschritte gemessen. Warum Nachhaltigkeit so einen Stellenwert hat und in Zukunft noch wichtiger werden wird, erklärt Geschäftsführer und CFO Christian Dummler, der seit 2020 auch das neu geschaffene Ressort Corporate Social Responsibility (CSR) innerhalb der Konzerngeschäftsführung verantwortet.

Nachhaltige Fortschritte
Christian Dummler, CFO und Geschäftsführer der Zeppelin GmbH, verantwortet seit Jahresbeginn auch das neu geschaffene Ressort Corporate Social Responsibility.
Foto: Zeppelin

BAUBLATT: Was waren und sind die wichtigsten Handlungsfelder für Zeppelin, nachhaltig zu agieren, und nach welchen Kriterien wird nachhaltiges Handeln gemessen?

CHRISTIAN DUMMLER: Wir sprechen von Corporate Social Responsibility, weil wir unser Nachhaltigkeitsverständnis sehr weit fassen: Für uns gehört dazu eine gesellschaftliche, eine ökologische und auch eine ökonomische Komponente. Einige Bereiche erachten wir als besonders relevant und haben uns dort konkrete Ziele gesetzt, die wir mit Maßnahmen untermauern. Das betrifft etwa den Arbeits- und Gesundheitsschutz, die Attraktivität als Arbeitgeber, die Mitarbeiterzufriedenheit, Compliance, Datenschutz, Energie- und Umweltmanagement aber auch Spenden und Sponsoring. Um unsere Fortschritte in diesen Bereichen messen zu können, haben wir nicht-finanzielle Kennzahlen auf Basis festgelegter Key Performance Indicators (KPIs) definiert – viele davon erfassen wir bereits seit 2016. Die Ergebnisse und Fortschritte dokumentieren wir jährlich im UN Global Compact Fortschrittsbericht und ab dem Geschäftsjahr 2019 in unserem Bericht zur Nachhaltigkeit.

BAUBLATT: Welchen Stellenwert nimmt Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie von Zeppelin ein?  

CHRISTIAN DUMMLER: Einen sehr hohen! Wir bei Zeppelin begreifen Nachhaltigkeit nicht als Verpflichtung, sondern als Grundlage und Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit, Arbeitgeberattraktivität und nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Als Stiftungsunternehmen sind wir dem „Ewigkeitsprinzip“ verpflichtet – wir gestalten von jeher die Gesellschaft aktiv mit, übernehmen Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden und engagieren uns für den Schutz von Umwelt und Klima. Nachhaltigkeit ist fest in der Unternehmensstrategie verankert, um wirtschaftlichen Erfolg mit verantwortungsvollem Handeln zu verbinden. Aus diesem Grund sind wir bereits 2016 dem UN Global Compact beigetreten und haben 2020 ein eigenes Ressort Corporate Social Responsibility (CSR) innerhalb der Konzerngeschäftsführung geschaffen. Dieses Jahr veröffentlichen wir erstmals einen Bericht zur Nachhaltigkeit bei Zeppelin, in dem wir unsere Ziele, Maßnahmen und Fortschritte im Bereich der Nachhaltigkeit – also der Corporate Social Responsibility (CSR) – darlegen. Wie wichtig uns dieses Thema ist, zeigt sich auch daran, dass wir gesetzlich nicht verpflichtet sind, ein Nachhaltigkeitsreporting zu veröffentlichen, uns aber freiwillig zu diesem Schritt entschlossen haben.

BAUBLATT: Welche Konsequenzen hat es für Zeppelin, dem UN Global Compact beigetreten zu sein?   

CHRISTIAN DUMMLER: Die Themen Nachhaltigkeit, gesellschaftliches Engagement und ein respektvoller Umgang mit unseren Mitarbeitern und Partnern waren und sind schon immer wichtig bei Zeppelin und fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur und unseres Werteverständnisses. Um das weiter zu unterstreichen und auch nach außen hin klar zu zeigen, haben wir uns mit dem Beitritt zum UN Global Compact zur Einhaltung der zehn Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt- und Klimaschutz sowie Korruptionsbekämpfung verpflichtet.

BAUBLATT: Wo haben Sie bereits besondere Fortschritte erzielt und wo hinkt Zeppelin noch hinterher?  

CHRISTIAN DUMMLER: In den letzten Jahren haben wir sehr viel geschafft – zum Beispiel konnten wir den Frischwasserverbrauch im gesamten Konzern in den vergangenen drei Jahren erheblich reduzieren, und auch die Abfallmenge sowie der Energieverbrauch konnten konzernweit gesenkt werden. Bei den Produktangeboten für die Kunden legten wir gemeinsam mit unserem Herstellerpartner Caterpillar ebenfalls zu – wir bieten beispielsweise eine Reihe von emissionsarmen und verbrauchsoptimierten Baumaschinen an. Mehr geht natürlich immer – wir arbeiten daran, unsere Energie- und Umweltmanagementsysteme auch in weiteren Konzerngesellschaften weltweit zertifizieren zu lassen und die CSR-Maßnahmen an allen unseren Standorten konsequent umzusetzen. Von einem „Hinterherhinken“ würde ich da keinesfalls sprechen.

BAUBLATT: Die Corona-Krise hat vieles auf den Kopf gestellt, was bislang selbstverständlich war, insbesondere Geschäftsreisen, und hat aufgezeigt, wie anfällig die Globalisierung ist, als Lieferketten einbrachen. Was hat sich denn für Zeppelin seitdem in Bezug auf die Nachhaltigkeit geändert und was wird noch in Zukunft zu einem Umdenken führen, das ökologisches Potenzial hat?  

CHRISTIAN DUMMLER: Zeppelin hat sich schon länger für Nachhaltigkeit eingesetzt und sehr auf den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen geachtet, nicht erst seit Corona. Natürlich hat die Krise manche Entwicklungen verstärkt und beschleunigt. Ein gutes Beispiel ist mobiles Arbeiten, das wir sehr schnell dort implementiert haben, wo es möglich ist. Es hat uns sehr gefreut, zu sehen, wie gut mobiles Arbeiten funktioniert und wir damit nicht nur in der Pandemie einen wertvollen Beitrag für den Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiter leisten konnten, sondern damit auch für die Zukunft eine gute Möglichkeit für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie für den Klimaschutz geschaffen haben. 

BAUBLATT: Nachhaltigkeit muss man sich auch leisten können. Wie viel lässt sich Zeppelin Nachhaltigkeit kosten?  

CHRISTIAN DUMMLER: Das sehe ich nicht so. Ich glaube, es gibt zu diesen „Investitionen“ keine wirkliche Alternative, wenn man langfristig für Mitarbeiter attraktiv, für Geschäftspartner verlässlich und verantwortungsbewusst und wirtschaftlich erfolgreich sein will. Insofern handelt es sich um gut investiertes Geld, und ich als Kaufmann kann Ihnen sagen, dass es sich auch um wirtschaftlich sinnvolle Investitionen handelt. Wenn wir zum Beispiel unsere Niederlassungen sukzessive auf LED-Beleuchtung umrüsten, sehen wir Amortisationszeiten von wenigen Jahren. Wenn wir gemeinnützige oder wohltätige Organisationen unterstützen, leisten wir einen wahrnehmbaren Beitrag für die Gesellschaft, der unsere Attraktivität als Arbeitgeber steigert. Wenn wir künftig vermehrt auf Elektromobilität und Hybridantriebe setzen, spart dies nicht nur CO₂-Abgaben, sondern bringt uns auch weitere wirtschaftliche Vorteile. Natürlich ist auch die Mitgliedschaft im UN Global Compact selbst und die Erstellung des Berichts zur Nachhaltigkeit mit Kosten verbunden, aber auch dies ist gut angelegtes Geld und erhöht die Transparenz und Wahrnehmung von Zeppelin als nachhaltig agierendes Unternehmen. Sie sehen, Zeppelin liegt das Thema sehr am Herzen und deshalb ist es für uns selbstverständlich, die notwendigen Mittel dafür bereitzustellen.

BAUBLATT: Inwiefern zahlt sich Nachhaltigkeit aus?  

CHRISTIAN DUMMLER: Oh, da haben wir einige Beispiele. 2018 haben wir am Standort Achim bei Bremen auf einem Hallendach die erste Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen, das war ein Pilot für uns. Bereits 2019 wurden rund 235 MWh Strom erzeugt, dies entspricht dort mehr als 20 Prozent des Stromverbrauchs. In unserer Konzerngesellschaft Zeppelin Rental haben wir 2018 die Kundenstammblattverwaltung komplett digitalisiert. Damit sparen wir allein an dieser Stelle jedes Jahr rund 24 000 Seiten Papier ein – und auch weitere Ressourcen werden durch die Vereinfachung und Beschleunigung der Prozesse geschont. Bei einer Baumaßnahme unserer Niederlassung Straubing wurde ein neues Wärmekonzept entwickelt, das besonders energieeffizient und umweltfreundlich ist.

BAUBLATT: Sind Ihre Kunden bereit, mehr für Nachhaltigkeit zu bezahlen?  

CHRISTIAN DUMMLER: Wir stellen verstärkt fest, dass Bauunternehmen großes Interesse daran haben, wie sie die Spritverbräuche ihrer Arbeitsgeräte und somit den CO₂ -Ausstoß minimieren können. Zum einen, weil es deren Auftraggeber einfordern. Zum anderen, weil sie selbst ihren Beitrag dazu leisten wollen, nachhaltig zu sein. Gerade Großstädte pochten in der Vergangenheit auf die Senkung der Feinstaub- und Stickoxid- Belastung und die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte. Nicht selten müssen Bauunternehmen schon bei der Ausschreibung angeben, welche Maschinen sie einsetzen, um die Emissionen zu reduzieren. Auch Firmen, die nach der Energiemanagementnorm ISO 50001 zertifiziert sind, müssen dafür Sorge tragen, die Energieeffizienz systematisch und kontinuierlich zu erhöhen. Deswegen wird in neueste Baumaschinentechnik investiert, die im Zuge der neuen Motorentechnik ohnehin schon auf die Einhaltung der strengen EU-Abgasrichtlinien achtet. Die Entwicklung neuer Baumaschinen in den letzten Jahren wurde getrieben durch die mehrfache Verschärfung der Abgasvorschriften, was massive Veränderungen an Motorentechnik und Abgasanlagen mit sich brachte. Damit sanken sukzessive die Emissionsgrenzwerte. Unser Herstellerpartner Caterpillar ist ohnehin ein Vorreiter bei der Entwicklung innovativer Antriebe, die zunächst ihren Preis haben, aber sich langfristig nachhaltig auszahlen, wenn Baumaschinen den Verbrauch von Energie begrenzen und Ressourcen besser ausschöpfen können.

BAUBLATT: Nachhaltigkeit heißt auch Verzicht. Hat Zeppelin auch schon mal Wettbewerbsnachteile in Kauf genommen, um Fortschritte beim Klimaschutz zu erzielen?  

CHRISTIAN DUMMLER: Ich weiß nicht, ob wir Wettbewerbsnachteile in Kauf genommen haben. Temporäre Renditeeinbußen auf jeden Fall. Jede Investition führt zu Finanzierungskosten und Abschreibungen. Und wenn die Amortisation durch geringere oder weniger stark steigende Ausgaben in der Zukunft erfolgen muss, wird zunächst die wirtschaftliche Belastung zunehmen.

BAUBLATT: Unternehmen schmücken sich gerne damit, nachhaltig zu sein und betreiben dabei aber auch Greenwashing, wenn sie Maßnahmen als nachhaltig tarnen, die im Widerspruch zu den tatsächlichen Geschäftspraktiken stehen. Wie glaubwürdig ist Zeppelin in puncto Nachhaltigkeit?  

CHRISTIAN DUMMLER: Greenwashing ist sicherlich nicht unser Ansatz, da eben gerade nicht nachhaltig und in der Regel auch durchsichtig. Zeppelin legt großen Wert auf tatsächliche, wirklich stattfindende Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit. So verzichtet Zeppelin zum Beispiel darauf, Strom durch den Erwerb von entsprechenden Zertifikaten nur grün anzustreichen, sondern bezieht vermehrt reinen Ökostrom, der auch nachhaltig, etwa durch PVAnlagen, Wind- oder Wasserkraft produziert wird.

BAUBLATT: Kaufen Ihnen Kunden ab, ein nachhaltiger Geschäftspartner zu sein?  

CHRISTIAN DUMMLER: Zeppelin kann auf eine lange Tradition zurückblicken, wir sind geprägt von Pioniergeist und Innovationskraft. Der Kunde steht immer im Mittelpunkt, wir versuchen für alle Fragestellungen eine Lösung zu finden. Damit haben wir uns einen guten Platz im Markt erarbeitet – und das geht nur mit Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. Unsere Kunden kennen uns gut und lange – und sie wissen, dass wir Wort halten. Sonst hätten wir auch gar nicht so lange im Markt bestehen können – immerhin feiern wir dieses Jahr das 70. Jubiläum unseres Konzerns. Und die Glaubwürdigkeit gilt natürlich auch in puncto Nachhaltigkeit.

BAUBLATT: Wie überzeugen Sie Mitarbeiter, dass sie durch ihr Verhalten zur Nachhaltigkeit positiv wie negativ beitragen?  

CHRISTIAN DUMMLER: Das sehen wir zweigeteilt. Der überwiegende Teil unserer Mitarbeiter steht dem sehr aufgeschlossen gegenüber. Im Rahmen unseres Ideenmanagements erhalten wir sehr viele gute Ideen und Anregungen, wie Zeppelin im Bereich Nachhaltigkeit besser werden kann, das heißt, es handelt sich um ein Thema, das bewegt und hohe Aufmerksamkeit genießt. Bei Vorstellungsgesprächen werden wir heute schon vielfach gefragt, was Zeppelin im Bereich Nachhaltigkeit tut, welche Ziele wir haben und wie wir gedenken, diese zu erreichen. Zu diesen Fragen haben wir gute Antworten. Aber natürlich gibt es auch viele Mitarbeiter, die wir von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit, sich als Unternehmen für Nachhaltigkeit einzusetzen, überzeugen müssen. Wir sehen dies als Prozess, der viel Kommunikation und Information erfordert. Da vermehrte Nachhaltigkeit eine Herausforderung für unsere gesamte Gesellschaft ist, sind wir von einer stetig zunehmenden und breiteren Unterstützung überzeugt.

BAUBLATT: Was tun Sie selbst als Geschäftsführer für die Nachhaltigkeit und was fällt Ihnen dabei besonders schwer?  

CHRISTIAN DUMMLER: Das sind nicht unbedingt immer die großen Veränderungen, viele kleine machen oft in Summe einen größeren Effekt. Aber nun konkret: Ich habe auf ein papierloses Büro umgestellt, verzichte möglichst auf Einweg, vermeide Plastikverpackungen und -tragetaschen, benutze viel häufiger das Fahrrad als früher, versuche mich bewusster zu ernähren und werde meinen jetzigen Firmenwagen mit Dieselantrieb gegen ein kleineres und emissionsärmeres Hybridmodell tauschen. Das macht in meinem Fall auch Sinn, da ich in der Regel nur Kurzstrecke fahre und damit ganz überwiegend elektrisch unterwegs sein werde.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here