Amand-Gruppe stellt sich mit Erneuerung von 76 Cat Baumaschinen den sich wandelnden Bauaufgaben 

RATINGEN (SR). Die Baubranche verzeichnete in den letzten Jahren die höchste Auslastung seit dem Bauboom der Wiedervereinigung. Trotzdem stehen deutsche Baufirmen mit dem Ziel der Produktivitätssteigerung auch unter Kostendruck. Laut der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners sind alle Unternehmen gerade jetzt dazu angehalten, die Weichen zu stellen, um Wachstum, Umsatz und Gewinn in Zukunft nachhaltig zu sichern oder zu steigern. Dabei bewährt es sich gerade in den Phasen, in denen es besonders gut läuft, dann für schlechtere Zeiten vorzusorgen. Für das inhabergeführte Bauunternehmen der Amand-Gruppe aus Ratingen mit rund 700 Mitarbeitern galt es schon jeher, sich an das sich verändernde Bauumfeld und seine maßgeblichen Auftraggeber flexibel anzupassen. Nur so war ein stetes Wachstum möglich, das 1938 seinen Anfang nahm und das sich in den Nachkriegsjahren zunächst über die Enttrümmerungs- und dann die Wiederaufbauphase entwickeln konnte. Schwerer Erdbau sowie der Bau von Straßen und Autobahnen bildeten seit Jahrzehnten zusammen mit dem Tiefbau die wesentlichen Standbeine. Doch längst realisiert die Amand-Gruppe auch Aufgaben im Bahnbau, im Deich- und Gewässerbau und in der Baugrubenherstellung, betreibt Kiesgruben sowie Deponien und widmet sich dem Recycling, der Entsorgung und der Umwelttechnik. Vorausschauend erfolgte 2014 zusätzlich der Einstieg in den Brückenbau. Denn hier hat Deutschland besonders viel Handlungsbedarf. 

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Die Bestellung von 79 Baumaschinen erfolgte auf der bauma. Beim Vertragsabschluss (von links): Andreas Tiedmann, Zeppelin Niederlassungsleiter Oberhausen/Neuss, Stefan Becker, Geschäftsführer Amand Umwelt, Joachim Treß, Geschäftsführer Amand Umwelt, Jörg Fröhlich, Kaufmännischer Leiter Amand Bau Sachsen, Jürgen Windisch, Geschäftsführer Amand Bau Sachsen, Peter Gerstmann, Vorsitzender der Zeppelin Konzern-Geschäftsführung, Jörg Wieck, Geschäftsführer Amand Umwelt und Amand Landentwicklung, Ekkehard Wurm, Geschäftsführer Amand Bau NRW und Sachsen, Mario Gebser, Fuhrpark-/Werkstattleiter Amand Bau NRW, Bernhard Brackhues, Geschäftsführer Amand Bau NRW Brückenbau, Marc Stolikowski, Geschäftsführer Amand Bau NRW Tiefbau, und Olaf Kosbi, Gebietsverkaufsleiter der Zeppelin Niederlassung Dresden.

Vor sieben Jahren initiierten Bundesregierung und Straßenbauverwaltungen der Länder eine „Strategie zur Ertüchtigung der Straßenbrücken im Bestand der Bundesfernstraßen“. Seither fließen zusätzliche Milliarden in den Erhalt der Straßenbrücken. Vom Jahr 2000 an hat sich laut den Infrastrukturberichten des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur der Bestand an Brückenflächen mit sehr gutem beziehungsweise gutem Zustand mehr als halbiert. Besonders prekär sind die Rheinbrücke an der A1 bei Leverkusen, die Rader Hochbrücke an der A7 und die Schiersteiner Brücke über den Rhein, die aufgrund ihrer maroden Substanz sogar für den Lkw-Verkehr gesperrt werden mussten. Bei den kommunalen Brückenbauwerken sieht die Situation nicht anders aus: Über 10 000 der insgesamt 66 700 kommunalen Straßenbrücken müssen bis 2030 ersetzt werden. Auch die Bahn, die rund 25 000 Eisenbahnbrücken unterschiedlichster Ausführung und verschiedensten Alters betreibt, hat die letzten Jahre einen großen Sanierungsstau aufkommen lassen. Sie will nun in den nächsten zehn Jahren rund 2 000 Eisenbahnbrücken für die Rekordsumme von rund neun Milliarden Euro modernisieren oder erneuern. „Wir sehen hier großes Potenzial und verfolgen daher konsequent den Ausbau des Brückenneubaus und Ersatzneubaus, indem wir insbesondere für unseren Brücken- und Bahnbau fachkundiges Personal akquirieren konnten, das handwerklich geschickt ist, Visionen hat und kreative Ideen in der Umsetzung entwickelt. Daher sind wir für die anstehenden Aufgaben gut aufgestellt. Denn durch die neue Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV III) und die Ankündigung der Bahn, bis 2030 rund 86 Milliarden Euro in den Erhalt und die Modernisierung des bestehenden Schienennetzes zu stecken, erwarten wir die nächsten Jahre eine große Nachfrage, auf die wir vorbereitet sind“, so Ekkehard Wurm, Geschäftsführer von Amand Bau. Mit Amand Bau NRW und Sachsen operiert das Unternehmen von den Standorten Ratingen und Dresden aus deutschlandweit. Der Einstieg in den Brückenbau hätte nicht besser laufen können: 2014 gelang es, gleich drei Aufträge für Brückenbauwerke an Land zu ziehen, die als Stabbogenbrücken gebaut wurden: die Hervester Brücke in Dorsten, die Gartroper Brücke in Duisburg und die Lippebrücke in Lünen. Den realisierten Brückenformen sind keine Grenzen gesetzt, ob Spann- oder Stahlbetonbrücken, Stahlverbundbrücken sowie Fertigteilbrücken. Weil die Zeit angesichts des großen Sanierungsstaus drängt, sind daher Lösungen gefragt, mit denen die Bauzeit verkürzt wird und es zu weniger Behinderungen für den Verkehr kommt. So wurden auch schon Brückenteile aus einer mobilen Feldfabrik verbaut. Auch Brückendemontagen gehören zu den ausgeführten Leistungen, wenn zum Beispiel Brückenteile mithilfe eines Schwimmkrans ausgehoben werden müssen. „Im Brückenbau profitieren wir durch unser etabliertes Kerngeschäft wie dem schweren Erdbau, dem Tief-, Straßenund Autobahnbau, dem Bahnbau und der Erstellung von Baugruben, die meist involviert sind, sodass wir bei der Realisierung als Komplettanbieter auftreten können“, erklärt der Geschäftsführer.

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Hafenmund-Brücke in Gelsenkirchen.

Auf die sich wandelnden Bauaufgaben wurde auch der Maschinenpark abgestimmt: 2019 stand bei der Amand-Gruppe wieder ein turnusmäßiger Wechsel der Baumaschinenflotte an, um die Gerätetechnik auf dem aktuellsten Stand zu halten. „Dazu haben wir die technischen Standards der verschiedenen Anbieter auf dem Markt miteinander verglichen“, führt Ekkehard Wurm aus. Von neuen Technologien verspricht sich das Unternehmen mehr Effizienz und Produktivitätssteigerungen. Konkret ging es bei Amand um ein Paket von 76 Baumaschinen. Die Bestellung wurde auf der bauma in München auf dem Zeppelin und Caterpillar Messestand zur Unterschrift gebracht. Zur Flotte gehören 28 Cat Kettenbagger zwischen 13 und 36 Tonnen Einsatzgewicht, elf Cat Mobilbagger zwischen 14 und 23 Tonnen Einsatzgewicht,neun Minibagger zwischen vier und neun Tonnen Einsatzgewicht, 18 Radlader zwischen fünf und 20 Tonnen Einsatzgewicht und zehn Cat Planierraupen zwischen acht und zehn Tonnen Einsatzgewicht. Berücksichtigt wurde – wie bei jeder Beschaffungsmaßnahme – das Potenzial neuer Technik und wie es damit gelingt, die Kosten weiter zu senken und die Effizienz zu steigern. „Gemeinsam haben wir uns angeschaut, zu welchem Zeitpunkt idealerweise ein Austausch einer Maschine stattfinden sollte, wann also der Break-even-Point zwischen Maschinenabschreibung und Unterhaltskosten erreicht wird. Es stellte sich dabei unter anderem heraus, dass durch individuelle Anpassungen der Maschinenlaufzeiten erhebliche Kostenreduzierungen generiert werden können“, so Andreas Tiedmann, Zeppelin Niederlassungsleiter aus Oberhausen, der sich in allen Investitionsfragen zusammen mit seinem Vertriebskollegen Olaf Kosbi von der Niederlassung Dresden intensiv um alle Belange der Amand-Unternehmensgruppe kümmert. Im Auswahlprozess der Maschinen gehören alle Faktoren auf den Prüfstand – auch die passende Maschinengröße ist ein Kriterium, das ebenfalls immer wieder hinterfragt wird. Entsprechend der sich verändernden Bauprojekte erfolgte auch hier eine Anpassung. „Die Zeit der großen Erdbaulose mit gewaltigen Massenbewegungen, wie sie bedingt durch den Wiederaufbau Deutschlands und den Bau von Autobahnen in den 50er- und 60er-Jahren angesagt waren, ist leider vorbei. Heute dominieren kleinere und engere Baustellen, die kompakt gebaute Baumaschinen erforderlich machen“, führt Ekkehard Wurm aus. Daraus folgt, dass weniger große und schwergewichtige Gerätetechnik im Maschinenpark vorgehalten werden muss – die Trends gehen eher in Richtung kompakte Bauweise mit Kurzheck und Verstellausleger. Auch das Anwendungskonzept der Baumaschinen hat sich grundlegend gewandelt. Sie müssen universeller sein – hierbei hat sich die Philosophie des Baggers als Arbeitsgeräteträger etabliert: eine Maschine kann mit verschiedenen Werkzeugen unterschiedliche Aufgaben verrichten. Oilquick-Schnellwechsler unterstützen dabei einen schnellen Austausch der Anbauwerkzeuge. „Ein Bagger muss heute auch Abbrucharbeiten ausführen, Spundwände setzen und einen Böschungsgraben anlegen können“, definiert Ekkehard Wurm das Anforderungsprofil. Es resultiert aber auch aus den speziellen Bedürfnissen der Bau-Auftraggeber. „Da wir viel für die Bahn arbeiten, muss man breit gefächert aufgestellt sein. Es finden sich heute kaum mehr freie Kapazitäten auf dem Markt. Gerade Spezialtiefbaufirmen sind stark ausgelastet. Wenn man dann selbst Spezialtiefbauarbeiten wie den Baugrubenverbau übernehmen oder Bohrpfähle herstellen kann, ist man unabhängiger, was von Vorteil ist“, so der Geschäftsführer.

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Brücke Laubecker Bach an der A44. Fotos (5): Amand

Hinzu kommt, dass Umweltaspekte angesichts des Klimawandels und im Zuge der CO2-Reduktion einen immer größeren Stellenwert gewinnen. Aufgrund vieler Arbeiten im Deichbau und für den Hochwasserschutz ist der Einsatz von Bio-Hydrauliköl in den Maschinen seit Jahren zu einem etablierten Standard bei Amand geworden. Geachtet wird auch auf emissionsarme Motorentechnik, was nicht nur mit der Einhaltung der aktuellsten Abgasvorschriften verbunden ist. Auch darauf hebt die neue Geräte-Generation ab und erfüllte ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der neuen Maschinenflotte. Genauso wichtig war der Wunsch nach weiteren Arbeits-Prozessverbesserungen. Die neu erworbenen Cat Kettenbagger der Modelle 320, 323, 330 und 336 zeichnen sich durch eine konsequente Systemintegration aus, indem elektronische Steuerungselemente und eine elektrohydraulische Steuerung dafür sorgen, dass Assistenzsysteme wie Wägesystem und einstellbare Arbeitsraumbegrenzung sowie 2D- und 3D-Maschinensteuerungstechnik und das Flottenmanagement konsequent in die Maschinen integriert sind. „Erste Erfahrungen müssen wir mit den Geräten  noch sammeln und die Anwendungen in der Praxis vertiefen. Es ist aber auf jeden Fall der richtige Weg, wenn wir mit der Wiegeeinrichtung das Beladen verbessern und ein Über- oder Unterladen vermeiden. Auch die Hub-Schwenkbegrenzung der Bagger wird uns im Brücken- und Bahnbau sehr hilfreich sein, wenn die Maschinen sicher unter Bauwerken oder in der Nähe von Verkehr arbeiten“, erhofft sich der Geschäftsführer. Denn diese Funktion kann dafür sorgen, dass kein Bauteil des Baggers außerhalb der vom Fahrer festgelegten Sollwerte geraten kann. Weitere Unterstützung bekommen die Maschinisten durch das neue Feature Cat Grade. Amand ließ zudem einen Teil der Bagger neben dem bereits serienmäßig verbauten 2D-System zusätzlich auf 3D aufrüsten. „Wir waren schon lange ein Vorreiter beim Einsatz von 3D-GPS-Steuerungen“, räumt der Geschäftsführer ein. Integriert ist außerdem die Anbindung aller Maschinen an das Flottenmanagement. Die Maschinen werden so direkt vom Einsatzort digital mit dem Büro verbunden und liefern wichtige Betriebsdaten über die Auslastung, Parameter und Servicebedarf. „Hier profitieren wir besonders vom Zeppelin Service. Überall in ganz Deutschland können wir darauf zurückgreifen, was für uns absolut entscheidend ist, damit die Geräte immer schnell wieder verfügbar sind. Daher können wir von einer echten Partnerschaft sprechen, die sich über all die vielen Jahre in einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit zwischen beiden Häusern aufgebaut hat und die wir nun mit dem erneuten Flottengeschäft weiter fortführen wollen“, erklärt Ekkehard Wurm.

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Lippebrücke Lünen.

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