Was früher undenkbar für Erzrivalen war, ist heute aus der Not heraus, handlungsfähig zu sein, unvermeidbar: Allianzen in der Automobilindustrie. Da schließen sich BMW und Daimler zusammen, um selbstfahrende Autos und Mobilitätsdienste zu entwickeln und sich so gegen Google zu verbrüdern. Oder VW und Ford bilden eine Kooperation, um ihre Kompetenzen im Bereich Elektroauto zu bündeln. Auch die Baubranche sollte sich an solchen Partnerschaften orientieren. Denn das Bauen muss in Zukunft digitaler, zugleich effizienter und günstiger werden. Diesen Dreisatz zu bewältigen, ist eine Herkulesaufgabe, die ein einzelnes Bauunternehmen kaum stemmen kann. So mancher kleiner Baustoffhersteller tut sich beispielsweise schwer mit der Online-Vermarktung seiner Bauprodukte, weil er selbst nicht die nötige Web-Präsenz aufbringen kann. Daher mag es angebracht sein, wenn Unternehmen das Konkurrenzdenken mal über Bord werfen und stattdessen im Rahmen ihrer Vertriebs- und Marketingaktivitäten miteinander kooperieren, um ihr Angebot einem größeren Kundenkreis zu offerieren. Somit können sie gemeinsam Synergien nutzen, die sie, für sich alleine genommen, nicht hätten.

Die Bündelung von Wissen und Ressourcen schafft neue Marktchancen. An sich sind solche Partnerschaften für Bauunternehmen nichts Neues: Arbeitsgemeinschaften haben sich seit vielen Jahren bewährt, wenn sich zwei Bau-Partner zusammenschließen und das Risiko eines Bauvorhabens auf zwei Schultern verteilen, aber auch ihre Leistungsfähigkeit und ihr Know-how aus verschiedenen Gewerken und Sparten steigern. Allerdings wird dabei bislang vorrangig das primäre Ziel verfolgt, wie die Projektbeteiligten Kosten optimieren können, damit sie den Preiswettbewerb bestehen. Doch inwiefern diese traditionelle Projektabwicklung angesichts der bevorstehenden Herausforderungen noch zeitgemäß ist, gilt es, im Hinblick auf die Veränderungen, die durch die Digitalisierung und durch das vernetzte Arbeiten entstehen, durchaus mal zu hinterfragen. Unter der Billigstvergabe kann nicht nur die Qualität, sondern auch die Wirtschaftlichkeit der Bauausführung leiden. Daher könnte es sich lohnen, über neue Formen der Partnerschaft nachzudenken, die durchaus Vorteile und Synergien bieten, wenn sich Bauunternehmen im Zuge einer Kostenoptimierung zu Partnerschaften oder Kooperationen zusammenschließen und dabei sich gegenseitig befruchten, etwa hinsichtlich Innovationen und Verbesserungsprozessen. Doch solche neuen Wege erfordern viel Mut, um festgefahrene Strukturen abzulegen und neue, kollaborative Arbeitsweisen auszuprobieren.

Weil in den letzten Jahren viele Bauprojekte – allen voran der BER – aus dem Ruder liefen, wurde die Reformkommission „Bau von Großprojekten“ ins Leben gerufen, um die fehlende Kooperation zwischen den Baubeteiligten wieder ins rechte Lot zu rücken. Als wesentlicher Erfolgsfaktor für eine termin- und kostengerechte Umsetzung wurde die partnerschaftliche Projektzusammenarbeit verabschiedet. Darum sollten Projektbeteiligte gemeinsam und lösungsorientiert auf einer digitalen Plattform zusammenarbeiten, damit sich Fehler der Vergangenheit in diesem Umfang nicht mehr wiederholen. Der digitale Wandel und insbesondere Building Information Modeling (BIM) erfordern ohnehin eine neue Form der Zusammenarbeit – aus bisherigen Einzelprozessen oder isolierten Tätigkeiten werden vernetzte Arbeitsweisen. Diese umzusetzen, stellt die Akteure vor große Herausforderungen und verlangt gegenseitiges Vertrauen und Offenheit sowie Teamwork und andere Kommunikationsformen. Wer sich darauf einlässt, wird sein Bauziel schneller und kostengünstiger erreichen, kann sich so manches Problem ersparen und Risiken minimieren. Darauf sollte man sich auch mal einlassen können.

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