Darf ich sonst noch was für Sie tun? Diese Frage gilt oft nur als leere Floskel der Höflichkeit. Angesichts des Fachkräfte- und Nachwuchsmangels lässt sie sich durchaus zuspitzen, wenn dann schon mal der Eindruck entsteht, dass Unternehmer Mitarbeitern fast jeden Wunsch von den Augen ablesen, damit sie sich sowohl wie nur irgendwie möglich fühlen. Inzwischen ist ein sicherer und gut bezahlter Arbeitsplatz auf der Baustelle mit abwechslungsreichen Tätigkeiten nicht mehr alles, wenn Arbeitnehmer die Wahl zwischen verschiedenen Arbeitgebern in der Baubranche haben. Für wen sie sich entscheiden, hängt auch von den dargebotenen Zusatzleistungen ab. Flexible Arbeitszeiten inklusive Homeoffice sowie regelmäßige Teamevents sind nur ein Teil der Benefits, die immer häufiger eingefordert werden. Mehr als jedes zweite Unternehmen gibt an, dem Personal die neueste Gerätegeneration an Smartphones, Tablets, Computern und Notebooks zur Verfügung zu stellen, so der Branchenverband Bitkom. Die Bahn zum Beispiel will Mitarbeiter für sich gewinnen, indem sie ihnen in teuren Großstädten zu günstigen Wohnungen verhilft. Dienstrad oder Jobticket gelten als neue Form der Gehaltserhöhung. Frisches Obst, Massagen oder ein Kicker im Büro – was im Silicon Valley eingeführt wurde, soll auch hier die Belegschaft ködern und bei Laune halten.

Und das schwappt als nächstes über den großen Teich aus den USA nach Deutschland: Feelgood Manager, Chief Wellness Manager oder Chief Happiness Officer – Mitarbeiter, die sich um die Zufriedenheit des Personals kümmern und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz fördern. Wer zufrieden und glücklich bei der Arbeit ist, ist auch produktiv und leistungsfähig, so die Auffassung. Seit Selbstoptimierung ohnehin längst angesagt ist und Glück als wichtigster Indikator für ein gelungenes Leben anerkannt ist, sind auch Firmen auf den Zug aufgesprungen, indem sie durch eine Reihe von Wohlfühlmaßnahmen aus der Zufriedenheit ihrer Arbeitnehmer auch einen Vorteil daraus ziehen wollen. Das Wohlergehen ist die neue Rendite der Unternehmen, es zu steigern strategisches Firmenziel. Bislang war Glück immer noch Privatsache.

An der Frage, was Glück ist, haben sich schon zahlreiche Philosophen, Psychologen oder Glücksforscher abgearbeitet. Die Antworten fallen höchst unterschiedlich aus – so wie für jeden von uns Glück eine andere Bedeutung hat. Darum muss sich jeder selbst fragen, ob kostenloser Kaffee, Yoga oder eine Runde Tischtennis am Arbeitsplatz wirklich dauerhaftes Glück bieten und den wahren Sinn der Arbeit substituieren können. Es ist doch jeder selbst für sein Glück verantwortlich. Oder umgemünzt auf ein altes Sprichwort: Jeder ist seines Glückes Schmied. Benefits sind schön und gut, haben aber eher einen kurzen Effekt, der spätestens dann verpufft, wenn der Rest rund um die Arbeit nicht passt, weil etwa Anerkennung oder Wertschätzung fehlen. Da braucht es keine extra Glücks- oder Zufriedenheitsmanager, sondern einen Chef, der zuhört, sein Team auch mal lobt und nicht ständig kritisiert, oder Werte wie Zusammenhalt, wenn man als Team gemeinsam Ziele erreicht. Wer das nicht erlebt, wird dauerhaft nicht zufrieden bei der Arbeit auf den Baustellen oder im Büro sein. In diesem Sinne: viel Glück!  

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