Endspurt in den Skigebieten: Die Vorbereitungen für die Wintersaison und den damit verbundenen Ansturm auf die Skipisten laufen derzeit auf vollen Touren, so auch bei den Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen. Das betrifft vor allem die neue Schrattenwangbahn am Familienberg Söllereck. Dort wird in diesem Jahr ein 50 Jahre alter Schlepplift durch eine barrierefreie und kindersichere 6er-Sesselbahn ersetzt, die am 20. Dezember eröffnen soll. Tatkräftige Unterstützung bei den Baumaßnahmen liefert ein Cat Radlader 926M. In diesen haben die Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen investiert, weil auf die Baumaschine auch in den nächsten drei Jahren viel Arbeit wartet.

Cat 926M
Vorstand Henrik Volpert und Betriebsleiter Christian Fink der Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen zusammen mit Uwe Fuhrmann, leitender Verkaufsrepräsentant von der Zeppelin Niederlassung Ulm (von links).

Normalerweise betreut Uwe Fuhrmann, der leitende Verkaufsrepräsentant von der Zeppelin Niederlassung Ulm, Bauunternehmen und Kunden aus der Gewinnungsindustrie. Dass eine Bergbahn einen Bedarf an einer Baumaschine in der Größenordnung eines 13-Tonners hatte, erfuhr er per Zufall über einen an den Baumaßnahmen beteiligten Erdbauer, der seine Visitenkarte weitergab und den Kontakt vermittelte. Der Radlader wird für die geplanten Bauaktivitäten benötigt, soll im Winterdienst zum Räumen des Parkplatzes und dann auch zur Vorbereitung für die Skisaison eingesetzt werden.

„Wir gehen sehr behutsam und mit Bedacht vor, um im Zuge eines sanften Tourismus die baulich erforderlichen Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten“

Henrik Volpert

Rund 70 Jahre nach dem Bau der ersten Bergbahn wird das beliebte Wanderund Skigebiet rund um das Söllereck in den Allgäuer Alpen umfassend modernisiert. Insgesamt werden rund 42 Millionen Euro dafür aufgewendet. Vier von fünf Liftanlagen am Söllereck werden durch moderne und zeitgemäße Anlagen ersetzt, drei von ihnen als Sesselbahnen. Die Schrattenwangbahn wird in diesem Jahr errichtet und soll künftig kleine wie große Skifahrer sicher und bequem auf den Schrattenwang befördern. 2020 steht dann die Erneuerung der alten Söllereckbahn auf dem Bauprogramm. Die neue 10er-Kabinenbahn bekommt eine neue Talstation mit barrierefreiem Anschluss an den Parkplatz und den ÖPNV. Außerdem wird eine Fußgängerbrücke über die Bundesstraße B19 errichtet, um den Zugang zur Bahn von der Skipiste aus zu erleichtern. Darüber hinaus wird mit der Erweiterung des Speicherteichs für die neue Beschneiungsanlage begonnen, um die 14,7 Pistenkilometer am Söllereck vollständig beschneien zu können. Ein Jahr später kommt dann der Wannenschlepplift weg. Er macht Platz für die neue Wannenkopfbahn. 2022 beginnt die Modernisierung für die Höllwiesbahn. Diese Schritte seien notwendig, so Henrik Volpert vom Vorstand der Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen, um die in die Jahre gekommene Infrastruktur zu überholen. Denn man fokussiere sich neben dem Skibetrieb vor allem auf einen Ganzjahresbetrieb und auf Familien. „Wir bieten viele breite und leichte Pisten, haben aber auch mit dem Allgäu- Coaster eine ganzjährige Rodelbahn, einen Kletterwald, Themen- und Panoramawanderwege oder einen Abenteuerspielplatz mit einem Holzpistenbully als Spiel- und Klettergerüst und somit für alle Altersklassen etwas Passendes im Angebot“, so der Vorstand. Die Zweiländer- Skiregion auf deutscher Seite im Allgäu und österreichischer Seite im Kleinwalsertal umfasst sieben Berggipfel inklusive Fell- und Nebelhorn, Ifen, Kanzelwand, Walmendingerhorn und eben dem Söllereck und bietet in Summe 48 Liftanlagen.

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Auch bei den Vorbereitungen für den bevorstehenden Skibetrieb muss der neue Radlader mit anpacken.

Der Baubeginn für die neue Schrattenwangbahn mit einer Länge von 561 Metern und einem Höhenunterschied von 167 Metern erfolgte diesen Sommer. Sie wird auf der gleichen Lifttrasse verlaufen wie die bereits bestehende Anlage aus den 60er-Jahren. „Wir modernisieren das Söllereck im Bestand, das heißt auf den bereits existierenden Lifttrassen und Pisten“, meint Henrik Volpert. Der Cat Radlader ist dazu da, Seilbahnteile für die Montage zu befördern. Bevor überhaupt damit begonnen werden konnte, mussten erst eine Straße errichtet und eine Materialseilbahn installiert werden. Über diese wird das Baumaterial nach oben geschafft. Als Schutz vor Lawinen an der Bergstation wurde eine Steinmauer gebaut. Zeitgleich entstanden die Fundamente für die neue Berg- und Talstation. Dann ging es an den Aufbau der Bahn und das Setzen der Stützen – sieben Liftstützen reichen aus. „Wir gehen sehr behutsam und mit Bedacht vor, um im Zuge eines sanften Tourismus die baulich erforderlichen Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten“, verdeutlicht Henrik Volpert. Eine Fachkraft für ökologisches Bauen begleitet die komplette Baumaßnahme, um die sensible Vegetation im Gebirge so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Im Einsatz sind Spezialmaschinen wie Schreitbagger und viele Arbeiten erfolgen manuell. Beim Aushub des Grabens für die Rohrleitung heben Baumaschinen die vorhandenen Pflanzsoden vorsichtig ab und legen sie auf die Seite. Die Grasnarbe soll möglichst nicht beschädigt werden, um die vorhandene Vegetationsschicht wiederverwenden zu können. Sie wird extra mit einer Humusschicht abgedeckt, um ein feuchtes Klima zu generieren und sie zu schützen, damit sie später wie der Aushub an der gleichen Stelle eingebaut werden kann. Der neue Speichersee für die Beschneiung wird naturnah gestaltet, das heißt, er bekommt natürliche Uferzonen. Findlinge, die beim Aushub entfernt werden mussten, werden in die Landschaft integriert. Immer wieder steht die Beschneiung in der Kritik. „In zahlreichen Studien wurde der Energieverbrauch ermittelt. Dabei kam heraus, dass der Energiebedarf für die technische Beschneiung pro Gast am Tag rund 4,9 kWh beträgt. Im Vergleich dazu wurde der Besuch eines Hallenbades gegenübergestellt. Dieser kommt auf die vierfache Menge. Das ist vielen gar nicht bewusst“, erklärt Henrik Volpert. Damit nicht genug: Die neue Talstation nimmt weniger Fläche als bisher in Anspruch und erhält etwa ein begrüntes Dach. Nachhaltigkeit zeigt sich auch daran, dass die neue Schrattenwangbahn wie auch alle anderen Anlagen in Oberstdorf und im Kleinwalsertal komplett mit Ökostrom betrieben werden, der aus Wasserkraft generiert wird. Auch beim Umgang mit dem Schnee setzen die Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen auf Effizienz, indem sie bei der Pistenpräparation auf moderne GPS-Systeme zurückgreifen – mithilfe der GPS-Daten wird die Schneetiefe unter der Pistenraupe ermittelt und dann entsprechend zu viel oder zu wenig Schnee ab- oder aufgetragen.

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