Wer auf eine Messe wie die NordBau geht, will für gewöhnlich möglichst viele Neuheiten im Bereich Baumaschinen sehen. Doch lassen sich diese überhaupt für jemanden erfassen, der hinsichtlich seiner Sehkraft massiv eingeschränkt ist? Vor dieser Frage stand die Messeleitung der NordBau, als sich eine Gruppe von blinden Menschen und ihren Begleitpersonen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein an sie wandte, um Nordeuropas größte Kompaktmesse zu besuchen. Aussteller wie Zeppelin ließen sich bereitwillig auf das Experiment ein und es bestätigte sich: Mithilfe von Tast- und Gehörsinn können auch die neuesten Baumaschinen begreifbar werden.

„Es macht logischerweise eine andere Herangehensweise erforderlich, blinden Menschen Baumaschinen zu erklären. Das funktioniert durch Haptik, wenn sie deren Merkmale und Besonderheiten durch Fühlen und Tasten erfassen“, erklärt Bernhard Tabert, der bei Zeppelin auf der NordBau die Blindengruppe über den Stand führte. Nicht nur für sie war der Messebesuch ein besonderes Erlebnis, sondern auch für den Produktmanager, zuständig für das Flottenmanagement, der auf ihre Fragen wie nach dem Gewicht und den PS einging und ihnen die ausgestellten Messeexponate wie einen Cat Kettenbagger 320 der neuen Maschinengeneration erklärte.

„Die Rückmeldung kam prompt: So eine Baumaschine fühlt sich gut an“

Bernhard Tabert

So wie der Ministerpräsident von Schleswig- Holstein Daniel Günther beim Messerundgang auf der NordBau auf dem Cat Radlader 966M XE in dessen Kabine Platz nahm, konnte auch die Blindengruppe den Sitz ausprobieren und dabei die verschiedenen Tasten betätigen und die Joysticks in der Hand halten. „Die Rückmeldung kam prompt: So eine Baumaschine fühlt sich gut an“, berichtet Bernhard Tabert von der Begegnung. Bei einem Rundgang um den Radlader wurden die Zahnspitzen der Schaufel und die Reifen abgetastet. Weil das Reifenprofil noch nagelneu und nicht abgefahren war, entdeckten die Blinden gleich solche Feinheiten, wie die spitzen, haarnadelgroßen Gumminoppen. „Der Tastsinn ist eben deutlich ausgeprägter als bei Sehenden“, so Tabert. Das zeigte sich auch beim Berühren des LGP-Kettenlaufwerks eines Cat Dozers D6N. „Einer aus der Gruppe hatte gleich erkannt, dass es sich um 750 Millimeter breite Bodenplatten handelte und der Stahl abgewalzt und nicht gestanzt war“, meinte Tabert. Aber auch hinsichtlich ihres Gehörs sind Blinde sensibler. So wollte die Gruppe wissen, wie laut Baumaschinen sind, woraufhin der Produktmanager den Motor extra anließ, damit sie Rückschlüsse auf die Leistung ziehen konnten. Die Reaktion darauf: „Der Motor ist unglaublich leise. Im Alltag ist es schwierig für uns zu unterscheiden, ob eine Baumaschine auf uns zu- oder von uns wegfährt. Die Unterschiede sind kaum noch hörbar.“ Solche Finessen waren auch für den Produktspezialisten Bernhard Tabert neu. So hatte der Rundgang auf der Messe für beide Seiten den sprichwörtlichen Aha-Effekt.

„Ich möchte mich im Namen aller blinden Beteiligten und deren Begleitern recht herzlich für die sehr informative Führung bedanken. Sie hat uns einen guten Einblick in die Arbeitsweisen und die Beschaffenheit der Baumaschinen gegeben. Vor allem sind die Mitarbeiter von Zeppelin auf unsere Fragen und Antworten eingegangen, sie haben die Maschinen von der Lautstärke her vorgeführt, sodass man mal einen Eindruck über die Geräuschkulisse hat“, zog Jürgen Sodtalbers das Resümee, der zusammen mit Peter Joedecke die Initiative für den ungewöhnlichen und zugleich aufschlussreichen Messebesuch ergriff.  

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