Sind Messen wie die bauma angesichts der Digitalisierung überhaupt noch zeitgemäß? Immer wieder machen Fragen wie diese die Runde. Argumentiert wird damit, dass die Lieferantensuche heute längst online erfolgt. Viele Aussteller verlegen ihre Produktpräsentationen auf Social-Media-Kanäle wie YouTube oder Facebook. Denn Firmen können Markteinführungen nicht bis zur nächsten Messe hinauszögern – zu groß der Wettbewerbsdruck, zu rasch der Fortschritt. Digitale Plattformen unterliegen keinen Öffnungszeiten und der Zutritt wird nicht über Eintrittskarten geregelt, sondern alles ist 24 Stunden rund um den Globus verfügbar. Niemand muss eine lange Anreise in Kauf nehmen oder sich wegen überzogener Hotelpreise ärgern. Keiner läuft sich Blasen an den Füßen, wenn er durch die endlos langen Messehallen schlendert und Messestand für Messestand unter die Lupe nimmt. Doch genau das ist der sprichwörtliche wunde Punkt, mit dem die digitale Welt nicht mithalten kann: Sie wird nie ein persönliches Erlebnis ersetzen können. Nicht umsonst gestalten viele Bauunternehmen ihren bauma- Besuch auch als einen Betriebsausflug und nehmen ihre Mitarbeiter mit – das verbindet und schafft ein gutes Betriebsklima. Der persönliche Austausch und das Gespräch mit Blickkontakt haben einen unschätzbaren Stellenwert, gegen den keine Whats- App-Nachricht ankommt oder mithalten kann.

Blick auf die bauma. Foto: Holger Rauner/Messe München

Denn die virtuelle Begegnung wird nie mit einem realen Eindruck vor Ort zu vergleichen sein, den sich Besucher von den Baumaschinen in dieser Fülle und in dieser Breite und Tiefe nur auf der bauma machen können. So viele Neuheiten auf einem Raum gibt es nirgends. Baumaschinen zum Anfassen, Exoten, die sonst kaum einer zu Gesicht bekommt, weil sie unter Tage arbeiten oder in gewaltigen Rohstoffminen auf anderen Kontinenten, Giganten der Erdbewegung oder geballte Hightech, die Zukunftstrends setzt und das Bauen nachhaltig verändern wird: Das alles prägt eine Messe wie die bauma, und das verleiht ihr die gewisse Faszination und Anziehungskraft. Würde das nicht so funktionieren, würden sich die Stellflächen reduzieren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Das Gelände im Münchner Osten wurde zuletzt auf 614 000 Quadratmeter erweitert, die Zahl der Hallen auf 18 ausgedehnt – alles der Nachfrage geschuldet. 2019 wird mit mehr Ausstellern als zur bauma 2016 geplant und damals war es schon eine Rekordbeteiligung. Somit kann keine Rede davon sein, dass die Digitalisierung die Existenz von Messen untergräbt.

Als Bauexperte ist der bauma-Besuch ein Pflichttermin, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das gilt aber nur, wenn der Messebesuch einen nachhaltigen Nutzen hat und Besucher erfahren, was sie in ihrem Tagesgeschäft weiterbringt. Sie suchen nach Lösungen für spezifische Probleme. Heute kommen sie deutlich besser vorbereitet und mit gezielten Fragen zur bauma – das Internet schafft dafür die Voraussetzungen. Der Messebesuch soll Antworten liefern. Darum muss sich jeder Aussteller bemühen, dass sich ein Messebesuch auch lohnt und dieser auch effektiv für die Besucher wird, wenn er seine Geschäftsbeziehungen zu ihnen aufbauen und vertiefen will. Dass dazu das ganze Instrumentarium von Bildschirmen, Animationen, virtuellen Standrundgängen, 3D-Darstellungen oder Virtual und Augmented Reality (VR/AR) aufgefahren wird, um ein Produkt so real wie möglich erlebbar zu machen und in Szene zu setzen, schafft auch einen Unterhaltungswert und nährt das Interesse, Produkte aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen. Nur sollten die Visualisierungen nicht den Bezug zu den zentralen Besucherbedürfnissen verlieren, sonst läuft deren Intention ins Leere und das Interesse flacht doch irgendwann ab.

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