Das hat es in der Abbruchbranche so auch noch nicht gegeben: 2017 kaufte die Unternehmensgruppe Hagedorn gleich ein ganzes Steinkohle-Kraftwerk von Uniper und dem Eon-Konzern. Das komplette und seit 2014 stillgelegte Areal von Gustav Knepper mit 580 000 Quadratmetern Fläche zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel soll in eine neue Nutzung überführt werden. Kaum war der Eigentümerwechsel notariell besiegelt, ging es dem Koloss aus Beton und Stahl an den Kragen. Nahtlos übernahm die Abbruchsparte Hagedorns den Rückbau. Damit verbunden ist nicht nur das Recycling, sondern auch die fachgerechte Altlastensanierung und Entsorgung sowie das Stoffstrommanagement. Es sind nicht die einzigen Leistungen, die der Firmenverbund aus Gütersloh einbringt. Dieser setzt sich mit all seinen Sparten in die gesamte Prozesskette ein und revitalisiert bis Ende 2020 die Industriefläche. Der 210 Meter hohe Schornstein, der 130 Meter hohe Kühlturm und das knapp 70 Meter hohe Kesselhaus samt seinem 5 000 Tonnen schweren Kessel sollen noch 2018 gesprengt werden. Auch das übernimmt die Unternehmensgruppe in Eigenleistung.

Das Steinkohlekraftwerk wurde von 1951 bis 1971 nach Plänen des Essener Architekten Fritz Schupp, der auch die Zeche Zollverein schuf, in fünf Ausbaustufen errichtet. Als es sukzessive heruntergefahren und dann vom Netz genommen wurde, wurden alle Betriebsstoffe abgebaut. Auch bestehende Brandlasten wurden schon damals beseitigt und das Kohlelager rückgebaut – keiner konnte wissen, wann es weitergeht und was aus dem Areal einmal wird.

Das Kraftwerk Knepper aus der Vogelperspektive zeigt die Größe des Areals. Foto: Hagedorn

Momentan ist die Schadstoffsanierung in vollem Gange. Alleine tausend Tonnen Dämmwolle werden hermetisch abgesaugt und in Bigbags verpackt. Ziel ist es, Ende November den Schwarzbereich freizugeben. Erst dann dürfen Schornstein, Kühlturm und Kesselhaus fallen – in welcher Reihenfolge ist noch offen. Aktuell laufen die Planungen. Der Termin wird nach Abstimmung mit allen Behörden sowie Erteilung der erforderlichen Freigaben bekannt gegeben. Mit der Sprengung von Kraftwerk Gustav Knepper hat die neu gegründete Deutsche Sprengunion bereits ihren ersten konzerninternen Auftrag erhalten. Sie ergänzt ab sofort die Hagedorn Unternehmensgruppe. Hierzu wurden Kompetenzen und Maschinen eingekauft. Diese werden konzernintern langfristig weiter ausgebaut. Unternehmensgründer Thomas Hagedorn konnte ein kompetentes Team gewinnen, das über 35 Jahre Sprengerfahrung verfügt. Die Mitarbeiter waren früher unter anderem für Gelderland Spreng- und Abbruchtechnik, Roller Sprengtechnik sowie die Deutsche Spreng tätig. Darunter ist auch Sprengmeister André Schewcow,der seit 2007 eine Sprengerlaubnis besitzt und die Geschäftsführung der Deutschen Sprengunion übernehmen wird.

Auch die drei Kraftwerksblöcke, massive Fundamente, Kanalisation und Gleisanlagen müssen rückgebaut werden. Das Maschinenhaus samt Turbine und Generator, Denox- und Rauchgasentschwefelungsanlage, Flugaschesilo mit einem Fassungsvermögen von 40 000 Tonnen, Kohleförderbänder oder ein 150-Tonnen-Brückenkran: Sie müssen alle komplett verschwinden, damit Neues entstehen kann.

Vom Brown- zum Greenfield ist die Strategie der Unternehmensgruppe: Bauland ist deutschlandweit Mangelware. Daher hat die Flächenversiegelung einen großen Rückbau und Revitalisierung in neuer Dimension Kraftwerk Gustav Knepper: Wenn eine alte Industriebrache Platz macht für ein neues Gewerbe DORTMUND, CASTROP-RAUXEL (SR). Das hat es in der Abbruchbranche so auch noch nicht gegeben: 2017 kaufte die Unternehmensgruppe Hagedorn gleich ein ganzes Steinkohle-Kraftwerk von Uniper und dem Eon-Konzern. Das komplette und seit 2014 stillgelegte Areal von Gustav Knepper mit 580 000 Quadratmetern Fläche zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel soll in eine neue Nutzung überführt werden. Kaum war der Eigentümerwechsel notariell besiegelt, ging es dem Koloss aus Beton und Stahl an den Kragen. Nahtlos übernahm die Abbruchsparte Hagedorns den Rückbau. Damit verbunden ist nicht nur das Recycling, sondern auch die fachgerechte Altlastensanierung und Entsorgung sowie das Stoffstrommanagement. Es sind nicht die einzigen Leistungen, die der Firmenverbund aus Gütersloh einbringt. Dieser setzt sich mit all seinen Sparten in die gesamte Prozesskette ein und revitalisiert bis Ende 2020 die Industriefläche. Der 210 Meter hohe Schornstein, der 130 Meter hohe Kühlturm und das knapp 70 Meter hohe Kesselhaus samt seinem 5 000 Tonnen schweren Kessel sollen noch 2018 gesprengt werden. Auch das übernimmt die Unternehmensgruppe in Eigenleistung (siehe Kasten). Anteil. Der durchschnittliche Flächenverbrauch liegt hierzulande bei 74 Hektar am Tag, was etwas mehr als hundert Fußballfeldern gleichkommt – doch von ihrer Vorgabe ist die Bundesregierung meilenweit entfernt. Denn in zwei Jahren will sie eigentlich die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und für den Verkehr auf 30 Hektar pro Tag begrenzen – so sah es die nationale Nachhaltigkeitsstrategie vor, die Anfang 2000 auf den Weg gebracht wurde. Das zu erreichen, erfordert die Revitalisierung von Industriebrachen, wie es die Unternehmensgruppe Hagedorn betreibt, damit Bestandsflächen baureif und somit wieder zu attraktiven Stadtquartieren und Gewerbeparks werden. Die Umwandlung von Industriebrachen zu nutzbaren Flächen ist für das Gütersloher Unternehmen kein Neuland. So wie die Revitalisierung auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs in Gütersloh oder einer Industriebrache in Reichweite zum Duisburger Binnenhafen soll auch das Gelände des ehemaligen Kraftwerks Gustav Knepper zu Bauland werden. Dann dürfen sich Projektentwickler mit ihren Ideen austoben, aber erst muss Baurecht für die gesamte Fläche geschaffen werden, verdeutlicht Hannah Johann vom Projektmanagement der Hagedorn Sparte Revital. Ein Beispiel, das Schule machen könnte, wenn auch andere Energieversorger in Deutschland ihre Kraftwerke stilllegen. Um Baureife und ein Nachnutzungskonzept auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Knepper herzustellen, hat sich die Hagedorn Unternehmensgruppe mit Segro in einer Projektgesellschaft zusammengeschlossen. Dazu Unternehmer Thomas Hagedorn über das Joint Venture: „Für Hagedorn ist die Partnerschaft ein großer Gewinn. Mit unserer Erfahrung und dem gemeinsamen Know-how werden wir das lange brachliegende Areal einer neuen, attraktiven Nutzung für Gewerbebetriebe und Logistikunternehmen zuführen.“

Neue Dimensionen erreicht Unternehmer Thomas Hagedorn nicht nur beim Rückbau des Kraftwerks, sondern auch in puncto Baumaschinen rückt er in eine andere Liga vor. Um den Dimensionen Herr zu werden, hat die Abbruchsparte des Unternehmens bei dem Baumaschinenlieferanten, der Zeppelin Niederlassung Paderborn und ihrem leitenden Verkaufsrepräsentanten Markus Knippschild, einen Cat Kettenbagger 390FL geordert. Mit dem 89,5 Tonnen schweren Gerät und den tonnenschweren Anbaugeräten wie einem Hydraulikhammer (9,5 Tonnen), einer Schrottschere (10,5 Tonnen) oder einer Betonzange (9,5 Tonnen) wird erstmals die Marke von hundert Tonnen Einsatzgewicht geknackt. „Als wir vor Jahren die ersten Geräte der 50 Tonnen-Klasse bekamen, waren das zu der Zeit schon „Riesenbabys“. Doch mit dem 390FL erreichen wir nochmals neue Dimensionen, die wir mittlerweile auch brauchen“, so Thomas Hagedorn. Ausgelegt ist der Cat 390FL mit seinen 405 kW beziehungsweise 551 PS Leistung auf schwere Industrieabbrüche, wie sie bei dem Kraftwerk Knepper anstehen. Mit seinem Ausleger und Anbaugerät erzielt er eine Reichhöhe von 15 Metern. Doch der neue Cat Bagger ist nicht das einzige Schwergewicht auf der Baustelle aus dem 140 Baumaschinen starken Fuhrpark, das eingesetzt wird. Mit im Bunde sind ein großer Longfrontbagger sowie eine Flotte an Kettenbaggern wie ein Cat 352FL, 336FLN, 330FL und 329ELN. Sie müssen den Rückbau der Industriegebäude übernehmen und bis auf die Fundamente vordringen, um dann auch diese zu beseitigen. Eine Cat Raupe D6T LGP dient der Geländemodellierung und zwei Cat Dumper 730C sind den massiven Schwertransporten vorbehalten.

Unternehmensgründer Thomas Hagedorn (links) nahm das neue „Riesenbaby“ von Markus Knippschild,
dem leitenden Verkaufsrepräsentanten der Zeppelin Niederlassung Paderborn, auf seinem
Betriebsgelände in Empfang. Foto: Hagedorn

Beim Rückbau eines Kraftwerks sind zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien zu berücksichtigen – im Fall von Gustav Knepper sind logischerweise diverse Behörden involviert – und das gleich in doppelter Hinsicht: Das Kraftwerk liegt genau zwischen zwei Stadtgrenzen – die Blöcke A und B befinden sich im Dortmunder Stadtbezirk Mengede und Block C schließt an Castrop- Rauxel an. Daher sind viele Akteure mit eingebunden. Seitens Hagedorn arbeitet ein knapp hundert Mitarbeiter großes Team am Kraftwerk. Sie alle müssen sich derzeit mit ihrer Expertise insbesondere um die Sanierung und Schadstoffentsorgung sowie den Rückbau kümmern. Um Staub, Lärm und Erschütterungen zu überwachen und zu reduzieren, wurde von ihnen auch ein Emissionsschutzkonzept erarbeitet, welches permanent gutachterlich überprüft wird. „So ein Kraftwerksrückbau ist schon die Königsdisziplin im Abbruch – alleine wegen der Komplexität, der Dimension und auftretenden Schadstoffe, aber auch weil so viele verschiedene Bereiche des Unternehmens involviert sind“, meint Ingo Schäfer, Projektleiter Abbruch bei Hagedorn.

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