Sie werden immer dreister und professioneller, wenn sie Baumaschinen, Werkzeug oder Kupferkabel entwenden, selbst wenn diese gesichert oder abgesperrt sind. Laut Medienberichten beziffert das Landeskriminalamt von NRW den Schaden der gemeldeten Diebstähle auf Baustellen 2017 auf knapp zehn Millionen Euro. Aufgrund der Dunkelziffer dürfte er weitaus höher ausfallen. Auch andere Baustellen in Deutschlands bleiben nicht davon verschont. In Berlin betrug laut der Polizei im letzten Jahr der Schaden durch die Raubzüge auf den Baustellen über fünf Millionen Euro. In Hamburg ging zwar zuletzt die Zahl der von der Polizei gemeldeten Fälle 2017 im Vergleich zu 2016 um 15,4 Prozent auf 734 Fälle zurück. Doch der Schaden in Höhe von 1,741 Millionen Euro nahm um 44 000 Euro gegenüber dem Vorjahr zu.

Ist die Baumaschine abhanden gekommen, kann das für die betroffenen Baufirmen zu einem ernsthaften Problem werden, wenn sie kein Ersatzgerät in der Hinterhand haben, sich die Ersatzbeschaffung aufgrund von Lieferzeiten verzögert, sie ihren Auftrag nicht fristgerecht fertigstellen können und im schlimmsten Fall dann Konventionalstrafen aufgebrummt bekommen. Ganz ausgeliefert sind die Baufirmen den Dieben nicht – sie müssen ihnen auch nicht völlig tatenlos zusehen. So rät die Polizei den Firmen zu mehr Engagement, um Diebstahl und organisierte Kriminalität zu verhindern. Sicherheit ist in vielen Unternehmen Nebensache – erst machen sich die Betroffenen Gedanken über Präventivmaßnahmen, wenn sie Opfer konkreter Straftaten wurden.

Die erste Hürde beginnt schon beim Zutritt auf die Baustelle. Wer tagsüber bemerkt, dass Personen auf der Baustelle herumschleichen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben, bei dem sollten Alarmglocken läuten: Vielleicht wird schon mal auskundschaftet, welche Geräte eine lukrative Diebesbeute wären? Mitarbeiter sollten aufmerksam verfolgen, wer sich auf der Baustelle befindet – Unbefugte haben dort alleine schon wegen der Verkehrssicherungspflicht nichts zu suchen. Helfen könnten schärfere Kontrollen, wie etwa auch eine Ausweispflicht und Registrierung der Arbeiter.

Sich mehr abzuschotten, lässt Diebe erst gar nicht in Versuchung geraten. Ein blickdichter Bauzaun kann schon das erste Hindernis sein. Weitere abschreckende Wirkung haben Alarmanlagen oder Überwachungskameras. Alleine schon Hinweisschilder, wie „Diese Baustelle wird überwacht“, lässt Diebe einen Bogen darum machen. Trotz allem lässt sich der eine oder andere Täter davon nicht abhalten. Präventiven Schutz bieten Sicherheitsfirmen, welche die Baustellen überwachen und auf Streife gehen. Das ist natürlich immer eine Frage des Geldes. Gerade bei größeren Maßnahmen kann sich aber eine Sicherheitsfirma durchaus lohnen – zumal viele Bauarbeiten abseits von öffentlichen Straßen und abgeschieden auf weitem Feld und Flur ausgeführt werden.

Baumaschinen nur so viel zu betanken, wie tagsüber an Sprit verbraucht wird, oder sie mit dem Aufkleber „Biodiesel“ tarnen, sind gutgemeinte Ratschläge, die trotzdem nicht verhindern, dass sich Diebe vor allem gewaltsamen Zutritt verschaffen und dabei viel kaputt machen. Baufirmen sollten es den Langfingern trotzdem so schwer wie nur irgendwie möglich machen. Wie heißt es so schön: Gelegenheit macht Diebe. Darum gerät alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in ihr Visier. Die Konsequenz kann daher nur sein: zusätzliche Schlösser anbringen, das Equipment absperren, verschließen, festzurren, an einen Kran hängen und außer Reichweite bringen, sonst ist es ruckzuck aufgeladen für den Abtransport. Das muss den Mitarbeitern klar gemacht werden, dass sie Anbaugeräte nicht herumliegen lassen, sondern so gut es eben geht, sichern sollten. Betriebe müssen ihrem Personal ein Bewusstsein für mehr Sicherheit vermitteln – da müssen sich eingeschliffene Gewohnheiten und festgefahrene Routinen ändern.

Der höhere Aufwand in Sachen Diebstahlschutz kann sich lohnen – etwa in Investitionen wie in Diebstahlwarnanlagen oder Wegfahrsperren. Eine auffällige Lackierung von Baumaschinen hat sich manches Mal als wirkungsvoll erwiesen, was die Diebesbanden abschreckt, weil ein auffälliges Rot, Blau oder Grün fern der klassischen gelb-schwarzen Farbgebung verrät, wer der wahre Eigentümer der Baumaschine ist. Genauso hat Ortung mittels GPS schon mehrfach geholfen, Baumaschinen wieder aufzuspüren, die auf dem Weg Richtung deutsche Grenze waren, um im Ausland verhökert zu werden.

Nichtsdestotrotz läuft nichts ohne Polizei – Wirtschaftsverbände fordern daher dringend mehr Unterstützung durch einen höheren Fahndungsdruck auf die international und professionell agierenden kriminellen Organisationen. Um gezielt präventive Maßnahmen ergreifen zu können, müssten die Ermittlungsbehörden das Delikt Diebstahl besser statistisch erfassen und die Voraussetzungen für eine bundesweit einheitliche Anzeigenaufnahme schaffen. Doch Personalmangel, schlechte Vernetzung und geringe Spezialisierung verzögern das Aufgreifen der Täter, die schnell über alle Berge sind.

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