Zwischen Dienst nach Vorschrift oder Höchstleistung liegt manchmal nur ein schmaler Grat. Ob Mitarbeiter resigniert ihrer Arbeit nachgehen oder mit hohem Engagement, können vermeintliche Kleinigkeiten entscheiden. Unklare Arbeitsanweisungen, abgeblockte Ideen und Vorschläge oder wenig bis gar keine Anerkennung und schon rutscht die Motivation in den Keller und die Leistungsbereitschaft köchelt auf Sparflamme. Das Marktforschungsunternehmen Gallup geht von jährlich 98,5 Milliarden bis 118,4 Milliarden Euro aus – so viel kostet mangelnde Mitarbeitermotivation die deutsche Volkswirtschaft. Wem die Arbeit über kurz oder lang keinen Spaß mehr macht, der wirft dann irgendwann das Handtuch oder kündigt zumindest innerlich.

Sich wohlfühlen bei der Arbeit – darum gibt es für die Angestellten im Büro den obligatorischen
Kicker. Foto: David Ritter / pixelio.de

Um die Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels bei der Stange zu halten, müssen Bauunternehmen immer größere Anstrengungen unternehmen. Das war nicht immer so: Als nach der Wiedervereinigung noch Goldgräberstimmung herrschte und die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe 1,4 Millionen erreichte, kam es in den folgenden Jahren zu einem großen Kahlschlag in der Branche, sodass sich der Personalstamm nahezu halbierte. Auch wenn die Zahl der Arbeitskräfte inzwischen langsam wieder leicht angestiegen ist, müssen Baufirmen den radikalen Personalabbau heute ausbaden. Den Fachkräftemangel und somit geeignetes Personal zu finden, stufen Betriebe laut DIHK als größtes Geschäftsrisiko ein, das Umsätze gefährdet. Sie brauchen in Zukunft viel Kreativität, um Mitarbeiter an sich zu binden – da reicht eine angemessene Bezahlung alleine nicht aus. So werden Mitarbeiter mit Firmenwagen und Diensthandy sowie mit moderner Arbeitskleidung zufriedengestellt, mit gemeinsamen Teamevents wie Fußball nach Feierabend geködert und mit Zusatzleistungen wie Fitnesskursen oder der betrieblichen Altersvorsorge gelockt.

Der Aufwand wird in Zukunft steigen, ebenso die angebotenen Benefits. Flexible Arbeitszeitmodelle und Arbeitszeitkonten können ein probates Lockmittel sein, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen. Inzwischen zählt die ausgewogene Work-Life-Balance mehr als die Summe auf dem Gehalts- oder Lohnzettel. Insbesondere bei der Generation Y, also jenen Männern und Frauen, die nach 1980 geboren sind und auf den Arbeitsmarkt drängen, geht Freizeit vor Arbeit. Sie wollen Auszeiten in Form von Sabbaticals nehmen können und fordern Home-Office ein. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat Vorrang. Immer mehr Baufirmen suchen schon heute ihre Aufträge im Umkreis von 50 bis hundert Kilometern, damit das Personal am Feierabend wieder zu Hause ist – die Zeiten der Wanderbaustellen, wo Mitarbeiter die ganze Woche auf Montage waren, haben an Attraktivität verloren.

Sich wohlfühlen bei der Arbeit – darum geht es der Generation Y. Start-ups und hippe Technologiekonzerne zeigen den Weg: Sie bieten ihren Angestellten den obligatorischen Kicker oder die Tischtennisplatte im Büro. Das Mittagessen in der Kantine, frisches Obst und Getränke gibt es gratis. Mit banalen Nebensächlichkeiten soll sich das Personal so wenig wie möglich aufhalten – folglich darf auch jeder gratis den Reinigungsservice nutzen. Mit solchen weichen Faktoren erzeugt die ITBranche einen gewissen Lifestyle, mit dem sie Mitarbeiter halten will.

Natürlich kann da nicht jeder mithalten. Doch davon könnten sich auch Baufirmen inspirieren lassen, wenn sie neue Wege in der Mitarbeiterbindung gehen. Sie müssten durch andere Werte mehr überzeugen wie langfristige Perspektiven, flache Hierarchien und ein gutes Betriebsklima. Es kommt nicht alleine auf gute Bezahlung an, wie schon etliche Studien untermauerten, sondern mindestens einen so großen Stellenwert haben auch Anerkennung und Wertschätzung.

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