GARCHING BEI MÜNCHEN (SR). „Katastrophal“, und „inakzeptabel“ – so schimpfen Spediteure derzeit über die langen Wartezeiten bei Genehmigungen von Großraum- und Schwertransporten. Diese sind nicht nur Bauunternehmern ein Dorn im Auge, wenn sie ihre Arbeitsgeräte oder Baumaterial auf Baustellen befördern, sondern auch Baumaschinenlieferanten sind davon betroffen, wenn sie die bestellten Radlader und Bagger zum Kunden bringen. Bis eine Genehmigung vorliegt, müssen die Beteiligten je nach Bundesland inzwischen Bearbeitungszeiten von bis zu sieben Wochen und länger in Kauf nehmen.

2017, Baumaschinentransporte ohne Verzug
Durch den Neubau mehrerer hundert Windkraftanlagen in den letzten Jahren kam es zu einem Anstieg der Anträge. Foto: magicpen/www.pixelio.de

Vor diesem Hintergrund hatten sich 23 Wirtschafts- und Verkehrsverbände zu einer Initiative zusammengeschlossen, um die Politik zum Handeln aufzufordern, die Bearbeitungszeit zu reduzieren. Diesen Juli richteten sie ein Schreiben an die Verkehrsminister von Bund und Ländern, das Wirtschaftsministerium und die Landesverkehrsministerkonferenz. Da das Problem noch immer nicht vom Tisch ist, unternimmt die Interessensgemeinschaft dieser Tage einen erneuten Verstoß und will konkrete Vorschläge zum Genehmigungsverfahren unterbreiten. Wird dieses flexibler gestaltet und mehr automatisiert, glaubt sie, wäre eine durchschnittliche Genehmigungsdauer von fünf Tagen machbar. Konkret wird angestrebt, dass etwa ein Genehmigungsbescheid für mehrere Fahrzeugkombinationen ausreicht.

2017, Baumaschinentransporte ohne Verzug
Es dauert immer länger, bis Transportgenehmigungen ausgestellt werden.

2016 wurden bundesweit über das elektronische Verfahrensmanagement Großraum- und Schwertransporte „VEMAG“ rund 514 000 Bescheide erteilt. Durch den Neubau mehrerer hundert Windkraftanlagen in den letzten Jahren und aufgrund der Begleitung von ansässigen Schwertransportunternehmen beispielsweise beim Transport von Betonfertigteilen für Großbauprojekte aufgrund der anziehenden Bautätigkeit kam es zu einem Anstieg der Anträge. Aber auch die Genehmigungspraxis führt dazu, dass Spediteure mehr Anträge einreichen als eigentlich benötigt werden – ein Teufelskreis. Denn wenn ein Unternehmen nicht weiß, welches Fahrzeug in acht Wochen verfügbar sein wird, stellt es auf Gutdünken einen Antrag und blockiert damit die überlasteten Behörden. „Sicherlich hat die gute Konjunktur dazu beigetragen, dass mehr Transporte beantragt werden. Daraus resultieren nun Bearbeitungsrückstände bei den Genehmigungsbehörden. Doch die Situation hat sich in diesem Jahr drastisch verschärft, seitdem eine neue Verwaltungsvorschrift in Kraft trat“, so Maximilian Meerson, der als Supply Chain Manager bei Zeppelin die Transporte zwischen Herstellerpartner Caterpillar und auszuliefernden Niederlassungen koordiniert. Behörden müssen die Änderung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs- Ordnung (VwV-StVO) umsetzen, die das Bundesverkehrsministerium angestoßen hat und die der Bundesrat diesen Mai absegnete. Ziel ist unter anderem ein bundesweit einheitliches Vorgehen bei Genehmigungsverfahren von Schwertransporten im Bereich des konstruktiven Ingenieurbaus.

Mit der neuen Verwaltungsvorschrift sind die Anforderungen gestiegen, die erfüllt sein müssen, um Brücken befahren zu dürfen. „Viele Brücken sind marode und dürfen nicht mehr auf direktem Weg überquert werden oder wurden, was ihre maximale Traglast betrifft, herabgestuft. Das trägt ebenfalls dazu bei, dass sich Transportzeiten verzögern, weil man die Brücken weiträumig umfahren muss und das macht die Streckenplanung eben auch aufwendig“, meint Maximilian Meerson. Bei der Berechnung von Brücken für Schwertransporte ist ein dreistufiges Verfahren unter Berücksichtigung aktueller Regelwerke und Verkehrsbeanspruchungen vorgesehen (BEM-ING Teil 3). Für Großraum- und Schwertransporte gelten besondere Auflagen – etwa aufgrund ihrer Abmessungen, welche die zulässigen Grenzen im Straßenverkehr übersteigen, oder eben aufgrund ihres Gewichts. Für überregionale Transporte bedarf es zusätzlicher Teilgenehmigungen der Behörden in anderen Regionen und Bundesländern, bevor ein endgültiger Erlaubnisbescheid überhaupt erst ausgestellt werden kann. Als genehmigungspflichtig werden Transporte eingestuft, die außerhalb der Euronorm und der Deutschland-Dauergenehmigung liegen, die für eine Gesamtlänge von 23 Metern, drei Metern Breite und vier Metern Höhe sowie bis zu 41 Tonnen inklusive Tieflader oder Lkw gilt.

Des Weiteren hätte sich laut dem Zeppelin Supply Chain Manager die Situation verschärft, weil Schwertransporte seit diesem Sommer nicht mehr von der Polizei begleitet werden müssen, sondern das können entsprechend geschulte Verwaltungshelfer auf ausgewiesenen Strecken übernehmen. Sie dürfen nun vorweg fahren und dem Gegen- und Querverkehr Signale geben. Das war bislang nur der Polizei vorbehalten, die solche Konvois anführte. Doch hatten sich Transporte verzögert, weil Begleitkräfte für polizeiliche Einsätze kurzfristig abgerufen wurden. „Zwar bringt die Neuregelung eine Entlastung, doch nach wie vor ist die Polizei mit Schwertransporten befasst, wenn sie die Verwaltungshelfer einweisen oder anspruchsvolle Transporte steuern muss. Für Spediteure zieht diese Regelung jedoch einen Mehraufwand nach sich. Sie müssen die Verkehrssicherung gewährleisten und mit dem Verwaltungshelfer umsetzen. Das verursacht auch höhere Kosten“, erklärt der Supply Chain Manager bei Zeppelin. So meldet die Logistikbranche, dass deutlich mehr Sicherungsfahrzeuge zur Transportbegleitung erforderlich seien als zuvor. Für festgelegte Strecken müssen spezielle Auflagen und Ablaufpläne erstellt werden, die von BF4-Begleitfahrzeugen während des Transports umgesetzt werden müssen. Ein weiterer Kritikpunkt: Das Modell der Verwaltungshelfer eignet sich in der Regel nur für wiederkehrende identisch ablaufende Transporte und wird nicht die Entlastung bringen, wie von der Politik erhofft wird, heißt es seitens der Logistikunternehmen.

„Der Verzug bei Genehmigungen wird sich wohl nicht so schnell ändern. Daher planen wir bei Zeppelin längere Bearbeitungszeiten in der Disposition ein und setzen uns schon früh mit Spediteuren zusammen, um rechtzeitig die Genehmigungszeiten für die Transporte abzustimmen, damit Kunden die Cat Baumaschinen rechtzeitig erhalten. Außerdem feilen wir an den Transportrouten. Darüber hinaus wird zusammen mit Caterpillar an den Lieferzeiten gearbeitet“, verdeutlicht Maximilian Meerson. Deswegen kamen diesen Oktober alle Mitarbeiter aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen, die sich bei Zeppelin um die Dispositionen der Geräte kümmern. Bei dem Informations- und Erfahrungsaustausch ging es darum, wie Transportprozesse beschleunigt werden können. Zeppelin will in Zukunft auch ein neues Cat-Webportal nutzen, um quasi wie bei einem Paketdienst, den aktuellen Standort der Baumaschinen verfolgen zu können. „Wir wollen in Zukunft vom Start der Produktion einer Baumaschine ab Werk bis zur Verschiffung, dem Eintreffen der Ware am Anliegerhafen bis hin zur Auslieferung an die Niederlassung und dem Kunden wissen, wo genau sich ein Gerät aufhält“, führt Maximilian Meerson aus. Inzwischen kommen jedes Jahr 500 Cat Standardgeräte zusätzlich aus Übersee nach Europa und treffen in Bremerhaven ein. Von dort aus müssen sie ihre Weiterreise antreten – und das soll möglichst reibungslos vonstattengehen, damit Kunden schon bald damit auf ihren Baustellen arbeiten können.

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