Stinkender Qualm wird inzwischen immer öfter auf den Diesel zurückgeführt und stachelt Städte wie Stuttgart dazu an, Dieselautos ohne Euronorm 6 ab 2018 in die Verbannung zu schicken. Benz-Town wird nicht die einzige Kommune bleiben, die der Feinstaubbelastung den Kampf ansagt und den Ausstoß von Stickoxiden unterbinden will. Befeuert von der EU-Kommission, die Deutschland wegen der Überschreitung von Grenzwerten bei der Luftbelastung auf dem Kieker hat, haben auch andere Städte den Feinstaub im Visier und werden demnächst Maßnahmen einleiten. Sonst haben sie eine Klage am Hals, wenn sie nichts in puncto saubere Luft unternehmen.

Neben Stuttgart haben auch andere Städte den Feinstaub im Visier und werden demnächst Maßnahmen einleiten. Sonst haben sie eine Klage am Hals, wenn
sie nichts in puncto saubere Luft unternehmen.
Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Ganz schön dick könnte es für Handwerker und Bauunternehmen kommen, sollten sie nicht mehr in die Innenstädte fahren dürfen, um etwa Material für Baustellen anzuliefern. Das könnte neben Stuttgart etwa auch in Düsseldorf drohen. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin etwa hat darum dem Handwerk schon mal Ausnahmen zugesichert: „Dass Handwerker ihre Baustellen nicht erreichen, darf es nicht geben.“

Eigentlich ist es absurd, dass der Staat diejenigen bestraft, die er erst förderte. Jahrelang hat die Politik bewusst mehr Dieselfahrzeuge in Kauf genommen – aus Rücksicht auf die heimischen Automobilbauer. Wer Dieseltreibstoff tankt und zudem viel unterwegs ist, kommt damit immer noch billiger weg als mit einem Benziner. Seit der Abgasaffäre von VW sind Dieselabgase aber zum Feindbild geworden – der Umweltschutz wird vorgeschoben. Hier macht es sich aber die Politik zu leicht, alles auf die Verbraucher abzuwälzen, um wie in Stuttgart Fahrverbote durchzudrücken.

Groß sind derzeit Verwirrung und Unsicherheit, denn noch hat sich der Bund nicht zu einer in allen Bundesländern verbindlichen blauen Plakette durchgerungen. Niemand weiß so genau, ob das Fahrverbot nicht bald ausgeweitet wird. Wer zukünftig in seinen Fuhrpark investiert, mag sich die Anschaffung von Dieselfahrzeugen gut überlegen. Gravierend wären auch die Folgen, die durch einen Wertverlust drohen, weil plötzlich Dieselfahrzeuge zu Ladenhütern verkommen. Immer wieder kursieren Vorschläge bezüglich Umrüstung für Dieselfahrzeuge. Aber diese hält die Autobranche kaum für praktikabel, da sie tiefe Eingriffe in die Motorsteuerung zur Folge hätte. Sie wäre nicht nur aufwendig, sondern auch teuer.

Statt einen ungeheuren Aktionismus an den Tag zu legen, wäre es besser, die Politik würde Übergangsfristen einführen, gekoppelt an die Neuzulassung von Dieselfahrzeugen und diese stufenweise einschränken. Bauunternehmen können nicht von heute auf morgen den kompletten Fuhrpark umkrempeln. Stattdessen sollte der Staat die Automobilhersteller stärker in die Pflicht nehmen, Fahrzeuge zu entwickeln, die bessere Abgaswerte erzielen und den Ausbau der E-Mobilität weiter fördern. Genauso muss das Netz an Aufladestellen vorangetrieben werden. Außerdem müssten Lösungen für eine immer höhere Verkehrsbelastung gefunden werden, indem der Güter- und Nahverkehr stärker ausgebaut wird. Doch das hatten Politiker in der Vergangenheit weniger auf ihrem Schirm. Nicht zuletzt hätte der Staat selbst auch eine Vorbildfunktion zu übernehmen und könnte zuerst mit gutem Beispiel vorangehen, indem er seine eigene Flotte an Bussen, Müllfahrzeugen und Kehrmaschinen modernisiert und so für saubere Luft sorgt.

Vielfach wird das wirksamste und zugleich nachhaltigste Mittel zur Bekämpfung von Feinstaub vergessen: Bäume, welche die gefährlichen Partikel aus der Luft filtern. So kann alleine eine ausgewachsene Buche einen Pkw mit 20 000 Kilometern Laufleistung im Jahr neutralisieren. Die Konsequenz wäre: mehr Grün für die Städte, sei es in Form von begrünten Dächern oder Fassaden. Stuttgart bekämpft mit einer Wand aus Moosen an der B14 den Feinstaub. Mal sehen, was das bringt.

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