Im Sommer 2016 waren die Abbrucharbeiten an Frankfurts umsatzstärkster Einkaufsmeile angelaufen und wurden noch vor Jahresende zum erfolgreichen Abschluss gebracht. Das Abbruchunternehmen Antal aus der Mainmetropole hatte für die Bauherren, dem Immobilienunternehmen RFR und dem Einzelhandelsunternehmen DC Values, die Entkernung und Schadstoffsanierung von Asbest, KMF, PAK sowie PCB der Zeilgalerie übernommen. Dann machte sich Antal an den kontrollierten Rückbau. Es ging um 132 500 Kubikmeter Bruttorauminhalt. Dabei musste sich die Firma streng an eine ausgeklügelte Baustellenlogistik halten. Weil der Abbruch mitten in der Fußgängerzone erfolgte und die Baustelle von der Zeil aus erschlossen wurde, mussten vielseitige Vorkehrungen getroffen werden, um den Geschäftsverkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die Zeil zählt zu den meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands – mehr als 10 000 Menschen pro Stunde sind dort im Schnitt unterwegs.

Daniel Deigert, Antal Bauleiter, Vasile und George Antal, Prokurist und Geschäftsführer
von Antal, Georgiana Dan, Mitarbeiterin von Antal, und Harald
Eichmann, leitender Verkaufsrepräsentant von Zeppelin (von links). Fotos: Zeppelin

Die Baustelle war zur dieser Zeit nicht die einzige rund um die Zeil. Sieben weitere Baumaßnahmen wurden innerhalb der letzten Monate im Umfeld abgewickelt, darunter gleich in unmittelbarer Nachbarschaft die MyZeil. Das bedeutete jede Menge Verkehr. Die Stadt hatte aus diesem Grund klare „Spielregeln“ aufgestellt, was die Baustellenlogistik betraf. In der Spitze rollten bis zu 70 Lkw pro Tag durch die Zeil – 25 Lkw gingen alleine auf das Konto der Abbrucharbeiten, um das anfallende Abbruchmaterial zu entfernen. Zu entsorgen waren an die 20 000 Tonnen.

Es wurde an mehreren Stellen gleichzeitig gearbeitet, um der Zeilgalerie den Garaus zu machen. Zu Spitzenzeiten waren rund 75 Mitarbeiter der Firma Antal vor Ort im Einsatz. Gearbeitet wurde im Zweischichtbetrieb. Von oben nach unten wurde das Gebäude auf einer Bruttogeschossfläche von 33 000 Quadratmetern Etage für Etage mithilfe von Kompaktmaschinen und im Schneidverfahren abgetragen. Cat- Baumaschinen vom Typ 305 bearbeiteten mit Hammer den Stahlbeton und zwei 308E2CR waren mit Darda-Abbruchzangen zu Gange, um die Stahlträger zu zerlegen. Diese wurden von der Zeppelin Niederlassung Hanau und ihrem leitenden Verkaufsrepräsentanten Harald Eichmann geliefert.

Darda-Abbruchzangen zerlegten den Stahl.

Insgesamt waren neun Stockwerke rückzubauen. Stahl und Beton wurden strikt voneinander separiert. 800er HEB-Stahlträger mit einer Länge von 19 Metern mussten für den Abtransport gekürzt werden. Betonbrocken sollten im Schnitt nicht größer als 40 Zentimeter sein, um sie noch verladen zu können. Kleingeräte wie Deltalader oder ein Elektrolader schoben das Material auf der Baustelle zusammen. Gesammelt wurde alles in Krankübeln und Containermulden, die dann per Kran nach unten gehoben wurden. Dort schichtete ein Cat Mobilbagger M320F mit einem Sortiergreifer das Abbruchmaterial in größere Sammelcontainer um, die dann im vorgegebenen Zeitfenster abgefahren wurden. Um möglichst wenig Transporte zu erzeugen, wurde das Material tagsüber noch an Ort und Stelle platzsparend zusammengepresst. „Schließlich sollte kein Transportvolumen unnötig verschenkt werden“, erklärte Bauleiter Daniel Deigert. Die Fußgängerzone durfte so wenig wie möglich eingeschränkt werden. Allein deshalb musste der Baustellenverkehr klar geregelt werden. Die Abbruchfirma Antal entwickelte auf Grundlage eines Logistikhandbuchs eine effiziente Transport- Strategie. Darin ist festgehalten, welche Fahrzeuge mit welchen Lasten wann und wo Zufahrt erhalten. Im Falle von Antal durften die fünf eingesetzten Lkw nur innerhalb eines Zeitfensters von 22 Uhr bis 1.30 Uhr und von 6 Uhr bis 10 Uhr das Abbruchmaterial abtransportieren, wenn wenig Passanten über die Zeil schlendern. Die Einkaufsmeile durfte nur von einem Lkw gleichzeitig befahren werden. Diesem Lkw ging eine Person voraus, um für maximale Sicherheit zu sorgen. Leere Lkw erreichten über die Große Eschenheimer Straße die Baustelle. Volle Lkw verließen die Baustelle über die Stiftstraße. Diese Regelung war aus Gründen der Statik nötig, weil sich unter der Zeil die Tunnel für U-Bahnen und S-Bahnen befinden.

„Wir mussten genau vorgeben, mit welchen Maschinen wir die Bausubstanz abtragen und wie viele Stunden sie arbeiten“, so Bauleiter Deigert.

Auf der Zeil wurde eine temporäre Baustraße mit recycelbaren Bodenmatten verlegt, um den Straßenbelag vor Beschädigungen durch die Laster zu schützen. Diese bestanden aus rutschfestem Kunststoff, waren dreieinhalb Meter breit und lagen auf der nördlichen Fußgängerseite. Entlang der Baustraße gab es keine Zäune, damit Besucher auch weiterhin in die Läden kommen konnten. Umzäunt war lediglich die Baustelle vor der Zeilgalerie. Der Bauzaun ragte bis zur ersten Reihe der Platanen in die Fußgängerzone hinein und trennte die Abbrucharbeiten des seit Frühjahr leerstehenden Gebäudes von den Passanten. Es waren immer wieder Vertreter der Frankfurter Bauaufsicht und vom Regierungspräsidium Hessen vor Ort, um den Verkehr zu kontrollieren und die Emissionen zu überwachen. Ein Lärmschutzgutachten war im Vorfeld erstellt worden. Permanent erfolgten während der Arbeiten Lärmmessungen. „Wir mussten genau vorgeben, mit welchen Maschinen wir die Bausubstanz abtragen und wie viele Stunden sie arbeiten“, so Bauleiter Deigert. Für den innerstädtischen Bereich mit seinen besonderen Anforderungen wurden von dem Unternehmen Antal Spezialgeräte wie Elektrolader und Elektroroboter eingesetzt, um Lärmpegel und Staubentwicklung möglichst gering zu halten. Sobald erste Anzeichen von Staub auftraten, die sich nie völlig verhindern lassen, kamen spezielle Wasser-Nebelanlagen zum Einsatz, um die Staubquelle im Keim zu ersticken. Auch Erschütterungen wurden mittels Seismografen aufgezeichnet. Mit Abbruchobjekten in der Größenordnung und Komplexität der Zeilgalerie will sich Antal weiter im Abbruchgeschäft rund um Frankfurt etablieren. Das Unternehmen hat sich ursprünglich auf die Entkernung und Schadstoffbeseitigung konzentriert, doch inzwischen baut es unter der Leitung von George Antal seine Leistungen sukzessive aus. Bewältigt werden immer größere Objekte respektive Industrieanlagen. Darüber hinaus bietet das Portfolio des Unternehmens den Abbruch bei laufendem Betrieb an und erstellt dafür entsprechende Rückbaukonzepte. Dazu gehört das komplette Paket vom fachgerechten Rückbau über die Materialaufbereitung bis hin zur Entsorgung und Wiederverfüllung. Denn der Betrieb verfolgt die größtmögliche und umweltgerechte Wiederverwertung der anfallenden Abbruchmaterialien. Ob Mauerwerk oder wie bei der Zeilgalerie Beton – sie können mittels Brecher aufbereitet werden. Abbruchabfälle werden, wie das Projekt zeigt, gleich auf den Baustellen sortiert und durch eigene Lkw zu Verwertungs- beziehungsweise Entsorgungsanlagen abtransportiert. Weil das Konzept der Baustellenlogistik beim Rückbau der Zeilgalerie optimal funktionierte, soll es auch bei anderen Objekten Schule machen.

Auf der Zeil wurde eine temporäre Baustraße mit recycelbaren Bodenmatten
verlegt, um den Straßenbelag vor Beschädigungen durch die Laster zu schützen.

1992 war die Zeilgalerie unter dem prestigeträchtigen Namen Les Facettes errichtet worden. Für brisante Schlagzeilen sorgte Baulöwe Jürgen Schneider, als er die Baupläne fälschen ließ und aus den 9 000 Quadratmetern Verkaufsfläche 22 000 Quadratmeter machte, um Kredite zu bekommen. Als dieser Pleite ging, wechselten mehrfach die Eigentümer. 2011 wurde das Shoppingcenter noch einmal umgestaltet, doch ganz ging das Einkaufskonzept nie auf, aller Revitalisierungsmaßnahmen zum Trotz. Dominierende Elemente waren eine aufwendige Glasund Stahlkonstruktion. Im Zentrum stand ein Innenhof, der durch offene Rolltreppen und zwei gläserne Aufzüge ausgefüllt war. Über eine Vertikalpassage ging es spiralförmig nach oben. Dort bot sich den Besuchern auf der Außenterrasse ein Blick über Frankfurts Skyline mit seinen Hochhäusern. Weil der Einkaufstempel mit seinen Ebenen und seinem verschachtelten Treppenhaus schlecht erschlossen wurde und viele Läden leer standen, wurde sein Abriss bis auf die Decke des zweiten Untergeschosses beschlossen. Die übrigen drei Untergeschosse bleiben bestehen. Auf ihnen setzt der Neubau „Upper Zeil“ auf, der in einer Flucht zur Galeria Kaufhof und dem Einkaufszentrum „My Zeil“ bestehen soll. Das neue Geschäftshaus, entworfen von dem Frankfurter Büro KSP Jürgen Engel Architekten, soll 2018 fertig sein. Geplant ist ein siebengeschossiges Gebäude mit rund 14 800 Quadratmetern Gesamtmietfläche, dessen Traufhöhe sich an den Nachbargebäuden anlehnt. Vorgesehen ist, dass zwei Staffelgeschosse leicht zurücktreten. Neues Markenzeichen wird die 45 Meter breite Fassade mit einer transparenten Fläche, wie sie auch sonst auf der Zeil dominiert, und somit Einblicke und Ausblicke auf die belebte Einkaufsmeile ermöglicht.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here