Sie suchen einen Schreiner, Elektriker oder Installateur? Dann müssen sie derzeit viel Geduld mitbringen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Handwerker sind auf Wochen hin ausgebucht. Daran wird sich bis 2018 so schnell nichts ändern, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Das liege vor allem an drei Faktoren: Die Konjunktur in Deutschland läuft gut, die Zinsen für Wohnungsbaukredite befinden sich bei gleichzeitig geringen Renditen auf alternative Anlagen auf einem historisch niedrigen Niveau und in den Ballungsräumen ist Wohnraum knapp. Doch Baufirmen haben immer öfter Schwierigkeiten, Personal zu finden, das eine Ausbildung am Bau durchlaufen oder ein Studium absolviert at, um die Bauvorhaben auch umzusetzen. Laut Soka-Bau dauert es deutlich länger im Vergleich zum Branchendurchschnitt, Stellen zu besetzen. Daher werden Baufirmen nicht daran vorbeikommen, neue Wege beim Recruiting von Mitarbeitern und Azubis einzuschlagen.

Das Bauhauptgewerbe rechnet für 2017 mit einem Umsatzwachstum von fünf Prozent. Damit werden die baugewerblichen Umsätze mit 112,2 Milliarden Euro den höchsten Wert der vergangenen zwanzig Jahre erreichen, so die Prognose der führenden Branchenverbände. Mit 70 Prozent Umsatzanteil am gesamten Baugewerbe in Deutschland zeichnet das Bau- und Ausbauhandwerk für die Realisierung von über einem Drittel aller Bruttoanlageinvestitionen der deutschen Volkswirtschaft verantwortlich DZ Bank Research hat die Herausforderungen für das Handwerk in einer Studie analysiert und kommt zu dem Schluss: Die Schlüsselfunktion des Handwerks für die Realisierung von Investitionen macht drohende Personalengpässe im Handwerk zu einem gesamtwirtschaftlichen Problem. Die Risiken für Investitionsstaus wachsen. Das könnte nicht nur das jeweilige Wirtschaftswachstum abbremsen, sondern gefährdet vor allem auch das Potenzialwachstum der Volkswirtschaft insgesamt. Auch die DIHK hält den Mangel an qualifiziertem Personal für ein wachsendes Geschäftsrisiko. Das äußerte etwa Dr. Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, gegenüber der FAZ.

Angesichts gut gefüllter Auftragsbücher geht die Branche für dieses Jahr von einer weiteren Zunahme der Beschäftigung aus. Deren Zahl soll um 10 000 wachsen. Die Branche dürfte im Jahresdurchschnitt rund 790 000 Menschen Lohn und Brot bieten. Damit würde gegenüber dem Tiefpunkt in der Branche im Jahr 2009 die Zahl der Erwerbstätigen um rund 75 000 beziehungsweise mehr als zehn Prozent ausgeweitet. Allerdings stößt der Beschäftigungsaufbau mittlerweile an seine Grenzen. Die Arbeitskräftereserven auf dem deutschen Baumarkt seien weitgehend ausgeschöpft, so die beiden Präsidenten der Branchenverbände Peter Hübner und Dr. Hans-Hartwig Loewenstein. Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter habe im Jahresdurchschnitt 2016 mit 28 000 einen neuen historischen Tiefstand erreicht.

Seit den 90er-Jahren hat sich aufgrund des technischen und demografischen Wandels die Belegschaft auf dem Bau reduziert – eine Entwicklung, die aufgrund der Rente mit 63 weiter an Dynamik gewinnen wird. Denn in absehbarer Zeit treten verstärkt ältere Mitarbeiter ihren Ruhestand an, ohne dass genügend junge Leute nachkommen. „Auch wenn in diesem Jahr wieder mehr einen Bauberuf erlernen, so ist es weiterhin fünf vor zwölf. Der demografische Wandel und die Rente ab 63 Jahren bereiten unserer Branche weiterhin große Nachwuchssorgen“, so Wolfgang Frey, Vizepräsident des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg. Aus diesem Grund haben zum Beispiel die Sozialpartner der Berliner Bauwirtschaft ein zweijähriges Projekt zur Gewinnung von Jugendlichen ins Leben gerufen. Fünf sogenannte Nachwuchsreferenten werben sowohl in Brandenburg als auch in Berlin unter anderem in Schulen und Institutionen sowie bei Eltern und Jugendlichen auf unterschiedlichen Wegen Schulabgänger für die Branche. Gleichzeitig treten die Nachwuchsreferenten auch an die Bauunternehmen heran. „Um deutlich mehr Auszubildende für den Bau zu gewinnen, muss sich die Anzahl der Ausbildungsbetriebe erhöhen. Nur so können wir das Defizit an Fachkräften auffangen“, erklärt Frey.

Doch ist das Handwerk zunächst einmal selbst gefordert, die Herausforderungen anzugehen. So reagieren etliche Betriebe bereits auf das wachsende Problem des Fachkräftemangels damit, qualifiziertes Personal stärker an sich zu binden und auch bei dünner Auftragslage zu halten. Zudem gleichen Unternehmen die Lücke in der Personaldecke mit verstärktem Maschineneinsatz aus und haben Prozesse automatisiert oder hinsichtlich Effizienz neu ausgerichtet. Wie Firmen auf den Nachwuchs zugehen, will wohlüberlegt sein. Sie sollten darüber nachdenken, selbst ansprechende Ausbildungskonzepte zu entwickeln und sich beim Personalmarketing zusammenzuschließen, rät DZ Bank Research. Ansätze liegen bereits vor. Tipps, wie Bauunternehmen erfolgreich Azubis gewinnen können, liefert RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum in ihrer Mappe „Azubimarketing für Unternehmen der Bauwirtschaft“. Darin werden verschiedene Maßnahmen für erfolgreiches Werben um den Baunachwuchs zusammengestellt. Neben einem Marketingkonzept für die Auszubildendensuche werden Hilfestellungen für die richtige Ansprache von Jugendlichen und die Durchführung von Schülerpraktika gegeben. Außerdem wird anhand von Unternehmensbeispielen gezeigt, welche Wege sie bei der Azubigewinnung gehen und welche Methoden für sie erfolgreich sind. Die Mappe kann kostenfrei bestellt werden unter http://rkw.link/azubimappebau.

Warum andere Firmen erfolgreicher sind, Bewerber zu finden, hat damit zu tun, dass sie sich inzwischen nicht mehr ausschließlich auf die klassischen Stellenanzeigen verlassen. Personaler empfehlen längst, die Kanäle von Social Media für das Recruiting zu nutzen. Schließlich will man nicht nur Arbeitssuchende, sondern auch Personen in ungekündigten Positionen erreichen. Dabei geht es längst um mehr als nur Facebook. Netzwerke wie Xing oder LinkedIN spielen für Personaler ebenso eine Rolle bei der Suche nach Personal. Was naheliegt, aber immer noch viel zu selten genutzt wird: eigene Mitarbeiter einzubinden. Sie kennen das Unternehmen am besten und können für den eigenen Arbeitgeber werden.

Ein anderer Ansatz, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken: die Frauenquote zu steigern. Der Anteil der Frauen in der Bauwirtschaft ist im Vergleich zu anderen Branchen zwar nach wie vor gering, so Soka-Bau, auch wenn er doch in den vergangenen Jahren leicht gestiegen ist. Dies gelte auch für den Anteil weiblicher Auszubildender. Dafür zeigt ein genauerer Blick auf die Beschäftigungsstatistik gemäß Soka-Bau aber auch, dass weibliche Beschäftigte in der Bauwirtschaft besser ausgebildet sind als in anderen Branchen und anspruchsvolleren Tätigkeiten nachgehen. Das bestätigt die Bundesagentur für Arbeit. Ihr zufolge sind Frauen überwiegend im Bereich der Bauplanung (der Frauenanteil lag 2015 bei 27 Prozent) und weniger in den Ausbau- (Frauenanteil bei 3,3 Prozent) oder Hoch- und Tiefbauberufen (Frauenanteil bei 1,5 Prozent) tätig. Mit Blick auf den steigenden Fachkräftemangel wäre vor allem ein Anstieg der weiblichen gewerblichen Arbeitnehmer erfreulich. Doch laut Soka-Bau liegt die Frauenquote bei den gewerblichen Arbeitnehmern seit Jahren konstant bei nur 1,1 Prozent, während der Anteil von Frauen bei den Angestellten von 52 Prozent im Jahr 2000 auf 64 Prozent im Jahr 2015 gestiegen ist. Durch die verstärkte Rekrutierung von Frauen, eine gezielte Karriere- und Entwicklungsplanung sowie familienfreundliche Arbeitsgestaltung kann der wachsende Bedarf an Fachkräften insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen erfolgreich gedeckt, wichtige Schlüsselpositionen qualifiziert besetzt und eine ausgewogene Personalstruktur entwickelt werden. Gerade startete das Pilotprojekt „Frauen in der Bauwirtschaft – Potenziale stärker erschließen“. Mit den Ergebnissen des Projekts sollen gute Beispiele aufgezeigt, Handlungsfelder diskutiert und Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, mit denen es gelingt, mehr Frauen für Bauberufe zu begeistern.

Immer wieder wird auch die Beschäftigung von Flüchtlingen als Ausweg aus dem Fachkräftemangel gesehen. Laut dem Magazin „Markt und Mittelstand“ und einer Umfrage glauben allerdings viele Mittelständler, die selbst auch Flüchtlinge eingestellt haben, nicht daran, dass diese den Bedarf an Personal abfedern können. Sie nennen die sprachliche Barriere als Hindernis, aber auch bürokratische Hürden bremsen die Einstellung von Flüchtlingen. Nach wie vor ist die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ein großes Problem. Auch wenn Unternehmen immer wieder fordern, dass sich die Situation verbessern müsse und es eine ganze Reihe von Nachschulungsmöglichkeiten gibt, bleiben die erteilten Anerkennungen hinter dem Bedarf zurück. Man wird sehen, inwieweit die Pläne der Bundesregierung Wirkung zeigen, wenn es Ausnahmen beim Mindestlohn geben soll, wenn sich Flüchtlinge nachqualifizieren.

In Zukunft wird es für Baufirmen unausweichlich sein, Berufe am Bau für den Nachwuchs und Fachkräfte wieder attraktiver zu machen. Die Herausforderung für Bauunternehmen beim Suchen und Finden von Azubis sind groß. Die Baubranche steht in direkter Konkurrenz zu anderen Branchen mit einem deutlich besseren Image, was sich darin zeigt, dass Mitarbeiter abgeworben werden. So stellte das Forsa-Institut im Auftrag des Zentralverbands des deutschen Handwerks bei einer Umfrage fest, dass 2008 nur 17 Prozent der zwischen 14- und 24-jährigen das Handwerk als bedeutend für die Wirtschaft wahrgenommen haben. 2015 wurden immerhin 60 Prozent erreicht. Doch nach wie vor stufen zu viele Jugendliche das Handwerk als einen wenig oder gar nicht attraktiven Arbeitgeber ein – als Gründe werden sowohl die Bezahlung als auch die Arbeitsbedingungen vermutet. Dabei stehen diese angesichts der Digitalisierung vor einem großen Wandel. Gerade der Einsatz neuer Technologien lässt die Jobs am Bau an Attraktivität zunehmen, wenn dort neue Arbeitsbereiche entstehen.

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