Tieflader für Tieflader beförderte sie über die Alpen und brachte sie samt Zubehör aus Italien an: 13 in Einzelteilen zerlegte Cat Rohrleger 594 mit durchschnittlich 56 Tonnen Einsatzgewicht. PPS Pipeline Systems, ein Unternehmen der österreichischen Habau-Gruppe, wollte diese nach einer Baumaßnahme für den nächsten Arbeitseinsatz wieder flottmachen. Somit hatte die Zeppelin Niederlassung München einen Serviceauftrag abzuwickeln, der nicht alle Tage auf das Serviceteam zukommt: Eine Flotte an Cat Rohrverlegern – eine auf deutschen Baustellen eher selten anzutreffende Baumaschinenspezies – wird seit Wochen von Grund auf überholt, damit sie in den nächsten Monaten zuverlässig funktionieren. Denn dann wird PPS zusammen mit seinen ARGE-Partnern für Open Grid Europe eine Gasleitung von Schwandorf nach Forchheim über eine Strecke von rund 62 Kilometern mit einem Durchmesser von einem Meter errichten.

Bis es zum nächsten Einsatz geht, legten die Rohrverleger einen Zwischenstopp in der Werkstatt ein, um sich für die anstehenden Arbeiten zu rüsten.
Bis es zum nächsten Einsatz geht, legten die Rohrverleger einen Zwischenstopp in der Werkstatt ein, um sich für
die anstehenden Arbeiten zu rüsten.

PPS arbeitet seit über 35 Jahren mit Zeppelin zusammen. Das Unternehmen aus Quakenbrück, das 1999 gegründet wurde, und deren Pipeline- und Anlagenbau aus der Preussag Wasser- und Rohrtechnik hervorging, greift aufgrund seiner Historie seit vielen Jahren auf die Dienstleistungen der Zeppelin Niederlassung Bremen zurück. Normalerweise werden die Rohrverleger direkt auf den Baustellen von PPS gewartet und instandgesetzt – eine Werkstatt bekommen sie eher selten zu Gesicht. Weil der Pipelinebauer diesmal die Geräte von Italien aus nicht einmal quer durch ganz Deutschland transportieren lassen wollte, um sie hinterher wieder in den Süden der Republik zu bringen, wurde das Zeitfenster bis zum Baubeginn der Pipeline genutzt und alle Reparaturmaßnahmen in die Niederlassung München verlegt.

Um dem Fahrerkomfort in Zukunft Rechnung zu tragen, erhielten alle Rohrverleger eine CE-zertifizierten ROPS-Kabine.
Um dem Fahrerkomfort in Zukunft Rechnung zu tragen, erhielten alle
Rohrverleger eine CE-zertifizierten ROPS-Kabine.

Zu diesem Schritt hatte Werner Janssen, Serviceleiter im Wirtschaftsraum Nord, geraten. „Alles andere wäre nicht ökonomisch gewesen. Zumal wir die nächsten Jahre mit Nachfolgeprojekten in Süddeutschland beschäftigt sind“, so Henning Büter, verantwortlicher Baumaschinenmeister für die Instandhaltung der Großgeräte bei PPS. Er und sein Team müssen sich unter anderem um Schweißraupen, Schweißautomaten, Biegemaschinen, Raupengittermastkrane und 45 Rohrleger kümmern. Darunter vier Cat 561M, drei Cat 572G, 16 Cat 583K und 22 Cat 594. „Rohrleger sind das Rückgrat unserer Firma. Vorbeugende Wartungsmaßnahmen, die sie einsatzfähig halten, sind unerlässlich. Kommt es auf einer Pipelinebaustelle zum Stillstand, kann das zu Verzögerungen im Bauablauf führen, und es können im schlimmsten Fall bis zu 50 Mann nicht weiterarbeiten“, verdeutlicht er. Im Fall der realisierten Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung (OPAL) wurden daher vier Werkstattwagen gleichzeitig eingesetzt, um dem vorzubeugen, denn auf der Baustelle waren bis zu 120 Maschinen im Einsatz. Um startklar für Open Grid Europe zu sein, werden alle Rohrverleger noch einmal auf Herz und Nieren überprüft. Auch eine 62 Tonnen schwere Biegemaschine muss überholt und umgebaut werden. Der letzte Baustelleneinsatz in Italien hatte sie alle ganz schön mitgenommen. Besonders stark beansprucht waren die Fahrwerksbremsen der Rohrleger, die erneuert werden mussten. „Dass diese so stark strapaziert wurden, lag am Einsatz im sehr bergigen und steilen Gelände,“ so Henning Büter.

Henning Büter, verantwortlicher Baumaschinenmeister für die Instandhaltung der Großgeräte bei PPS, mit Chefmechaniker Hartwig Seiler, Mechaniker Jan Summe, Schlosser Jens Hymon und Maschinist Dirk Thielebeule. Fotos: Zeppelin
Henning Büter, verantwortlicher Baumaschinenmeister für die Instandhaltung
der Großgeräte bei PPS, mit Chefmechaniker Hartwig Seiler,
Mechaniker Jan Summe, Schlosser Jens Hymon und Maschinist Dirk
Thielebeule. Fotos: Zeppelin

Komplett ausgetauscht werden musste auch einer der Motoren. Dabei konnte PPS auf einen eigenen Tauschmotor zurückgreifen, der auf Lager war. „Wir halten grundsätzlich Komponenten wie Motoren, Drehmomentwandler, Lastschaltgetriebe oder Kühler vorrätig. Denn diese sind für diese Maschinen teilweise nur schwer zu bekommen“, so Henning Büter. Unser ältester Rohrleger im Fuhrpark ist eine Cat 583H von Baujahr 1968. „Die Rohrverleger sind bei richtiger Wartung fast unverwüstlich und sind nicht an jeder Ecke zu kaufen, wie zum Beispiel ein Bagger oder Radlader. Deswegen werden sie auch entsprechend gepflegt, und wir müssen viel Arbeit, Liebe und Geld reinstecken.“ Wissen muss man auch, dass Rohrverleger zu den Beistellgeräten auf einer Baustelle zählen. „Natürlich müssen sie auch mal schwere Arbeiten verrichten, wenn sie eine Biegemaschine bergauf ziehen oder einen 500 Tonnen schweren Rohrstrang absenken müssen, doch in der Regel sind sie nicht andauernd gefordert wie ein Kettenbagger, der Erdmassen bewegen muss“, stellt er klar. Dem Alter geschuldet sind auch ihre Fahrerkabinen. Um dem Fahrerkomfort in Zukunft Rechnung zu tragen, werden neue Schwingungssitze verbaut. Doch nach wie vor sind die Fahrer Wind und Wetter ausgesetzt – verglaste Kabinen wird es für diesen Typ Rohrleger weiterhin leider nicht geben. Dafür werden diese im Zuge der Instandsetzungsarbeiten entsprechend der Arbeitssicherheit angepasst. Alle Rohrverleger erhalten eine CE-zertifizierten ROPS (Roll Over Protection Structure) Kabine, die aufgrund von Sicherheitsbestimmungen für die kommenden Baumaßnahmen gefordert wird. „Grundsätzlich ist es seitens des Gesetzgebers in Deutschland noch nicht vorgeschrieben, aber wir sind hier schon einen Schritt weiter“, meint der Manager für die Instandhaltung. Der Überrollschutz ist ein Schutzaufbau für Fahrerkabinen, der aus zusätzlichen, aussteifenden Rahmen- und Gitterelementen besteht, die in die Konstruktion der Fahrerkabine eingebaut sind. Kippt die Maschine um oder überschlägt sich, verhindert die Konstruktion ein übermäßiges Verformen der Fahrerkabine. Der Baugeräteführer wird so vor Verletzungen geschützt. Die ROPS-Kabinen sind nicht die einzigen durchzuführenden Maßnahmen, die der Sicherheit geschuldet sind. Zusätzliche LED-Beleuchtung wird an allen Geräten angebracht und ein akustischer Rückfahrwarner mit Blitzlichtleuchte verbaut. Einen extra Schutz aus Gummi bekommen alle 9,5 Meter langen Ausleger – das soll verhindern, dass die Rohrisolierung nicht beschädigt wird, die im Leitungsgraben eingebaut wird, wenn er dagegen schlägt. Alle Rohrleger erhalten darüber hinaus eine neue Warnlackierung an der Stoßstange und dem Kontergewicht. Wer an die Rohrverleger Hand anlegt, muss bei der Diagnose vielfach auf Schraubenschlüssel statt Laptop zurückgreifen und sich auf sein Gehör und seine Erfahrung verlassen. Mitarbeiter wie Henning Büter liegt dieser Baumaschinentyp im Blut – bereits sein Vater und Großvater waren bei dem Pipelinebauer beschäftigt. Bei der Generalüberholung arbeitet das Team von PPS mit Chefmechaniker Hartwig Seiler – einst zehn Jahre im Außendienst bei Zeppelin in Magdeburg – Mechaniker Jan Summe, Schlosser Jens Hymon und Maschinist Dirk Thielebeule mit dem Serviceteam der Niederlassung München daran, die Geräte flottzumachen. Dabei sind etwa Laufwerkskomponenten zu ersetzen und Verschleißteile wie Seile zu erneuern. Alle Maßnahmen sind im Vorfeld zusammen mit PPS im Detail durchgeplant worden. Denn jeden der Schritte gilt es, dementsprechend zu koordinieren – schließlich hat das Zeppelin Serviceteam parallel dazu andere Kundenaufträge zu bearbeiten. Und die Maschinen sollten sich in der Werkstatt nicht in die Quere kommen. „Die Service-Kollegen der Niederlassung haben unser Team bislang gut unterstützt als es darum ging, die Geräte bis auf die kleinste Schraube zu zerlegen und wieder zusammenzubauen“, lautet das bisherige Fazit von Henning Büter. Alle durchgeführten Maßnahmen werden von Zeppelin dokumentiert. Die Reparaturberichte werden PPS nach Abschluss ausgehändigt, sodass der Pipelinebauer im Detail weiß, welche Schritte an den Geräten durchgeführt wurden. Bevor die Rohrverleger auf die Baustelle nach Schwandorf gebracht werden, müssen sie alle eine UVV-Prüfung mit Prüfgewichten absolvieren. Erst dann dürfen wieder Spediteure anrücken und die seltene Fracht verladen.

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