„Ich könnte noch gut und gern einen Bagger einsetzen, aber finde keinen Fahrer, der ihn dann bedienen kann.“ Aussagen wie diese hört man immer mehr. Denn der Markt für gutes Fachpersonal ist leergefegt. „Viele Unternehmer wissen gar nicht, dass das Arbeitsamt über einen Bildungsgutschein Schulungen und Weiterbildungen fördert“, entgegnet Kai Clemens, der seit 25 Jahren die gleichnamige Fahrschule in Dortmund leitet.

Dass man für einen Pkw, Lkw oder Bus einen Führerschein braucht, ist jedem bekannt. „Doch viele Betriebe ignorieren das, wenn es um Baumaschinen geht. Sie bestellen einen Bagger, obwohl mancher Mitarbeiter gar nicht dafür qualifiziert ist. Doch einen solchen muss man vorweisen können, sobald der Tacho einer Baumaschine schneller als 20 km/h anzeigt“, so Kai Clemens. Bei ihm kann man alle gängigen Führerscheine, aber auch einen solchen für Erdbaumaschinen erwerben. „Die Schulungen dafür werden über einen Bildungsgutschein vom Arbeitsamt gefördert“, weist er hin, „aber das wissen leider die wenigsten Baufirmen.“ Um Schulungen solcher Art mit Förderungen durchführen zu können, hat Kai Clemens sein Bildungszentrum von der Arbeitsagentur Dortmund und den Jobcentren zertifizieren lassen. Wer sich für den Bildungsgutschein für Maschinenführer interessiert, kann sich direkt an das zuständige Arbeitsagentur oder das Bildungszentrum Kai Clemens unter info@fahrschule-kai-clemens.de wenden, das Firmen bei ihrem Anliegen unterstützt. Diese müssen den zuständigen Arbeitsvermittler beziehungsweise -berater ihrer Agentur für Arbeit kontaktieren und dann mitteilen, wie viele und welche Personen am Programm teilnehmen sollen. Gefördert wird hier im Regelfall nach den Richtlinien des Programms WeGebAU, das eine Weiterqualifikation von ungelernten Beschäftigten zum Ziel hat. Die gesamte Beantragung kann mit einem Formular abgedeckt werden. „In der Regel werden rund 95 Prozent der Maßnahmen gefördert“, sind die Erfahrungen von Kai Clemens. Einmal im Monat hält das Bildungszentrum von Kai Clemens für sechs bis acht Personen eine Schulung in punkto Erdbaugeräte ab. Sie dauert in der Regel eine Woche, kann aber auch auf bis zu zwei Wochen erweitert werden. „Lange Schulungen über Monate oder Jahre gehen nicht mehr mit den Anforderungen des Marktes einher“ meint er. Darum geht es bei ihm drei Tage lang um die Theorie, die mit einer schriftlichen Prüfung mit Multiple Choice endet. Auf dem Schulungsplan stehen die rechtlichen Grundlagen, wie europäische sowie nationale Sicherheitsbestimmungen. Dann widmen sich die Schulungsteilnehmer den allgemeinen Anforderungen für den Betrieb von Erdbaugeräten. Ein weiterer Baustein sind die verschiedenen Typen von Erdbaumaschinen. Bevor – je nach Kenntnisstand – die zwei- bis dreitägige Praxis beginnt, wird auf das theoretische Arbeiten mit den Geräten eingegangen. Sprich, es wird besprochen, wie weit man sich von einer Böschung absichern muss oder wie man an einer Baugrube arbeitet. In der Praxis, die ebenfalls mit einer Prüfung schließt, lernen dann die Teilnehmer den Umgang mit verschiedenen Tief- und Grabenräumlöffeln, einem Zweischalengreifer, einer Klappschaufel oder einer Palettengabel kennen. Ihnen wird beigebracht, wie sie die Anbaugeräte mit Werkzeug wechseln und Arbeitsgeräte sicher verladen müssen. Darüber hinaus lernen sie elementare Arbeitsschritte, wie das richtige Laden, das Ausschachten oder das Erstellen eines Planums. Dafür hat Kai Clemens eigens einen Cat Minibagger 304C CR und Radlader 908M von Thorsten Paukstadt von der Zeppelin Niederlassung Hamm erworben. Damit kann auf einem 4 000 Quadratmeter großen Betriebshof geübt werden. Um die Baumaschinen so realitätsnah wie möglich einzusetzen, wurde ein Teil der Fläche für den Erdaushub nicht befestigt. Mit Cat ist der Leiter der Fahrerschule und des Bildungszentrums groß geworden – sein Vater hat als Tiefbauer schon Geräte im gelb-schwarzen Design gefahren. Daher rührt die frühkindliche Prägung. Das Schulungskonzept hat Kai Clemens selbst ausgearbeitet – in regelmäßigen Abständen wird dies von der Arbeitsagentur und den Jobcentern geprüft – und immer wieder muss er sich von diesen neu zertifizieren lassen. Um sich selbst weiterzubilden, besucht er Bauunternehmen aus der Region. Wenn diese neue Maschinen erhalten haben, tauscht er sich mit Maschinisten aus, um die Gegebenheiten der Praxis bestmöglich in die Schulung zu integrieren. Auch bei Caterpillar soll er in Zukunft seinen Wissensstand auffrischen können. Seine Schulungen richten sich nicht nur an geringqualifizierte Arbeitskräfte, die schon eine Anstellung haben, sondern es können auch Personen sein, die ein Unternehmen in Zukunft beschäftigen will. Falls nötig, hält er die Schulungen auch bei den Betrieben selbst ab. Geschult werden können Mitarbeiter nicht nur bei Erdbaugeräten, sondern im Güterverkehr, als Bus- oder Gabelstaplerfahrer sowie im Bedienen eines Mobil- oder Ladekrans. Doch wird der Bagger- oder Lkw-Fahrer aufgrund von fahrerlosen Assistenzsystemen nicht irgendwann überflüssig? „Nein“, weist Kai Clemens vehement von sich – „ganz im Gegenteil. Man mag vielleicht ein Stück Autobahn alleine fahren können, aber so ein Lkw wird sich nie vollständig von alleine beladen lassen. Dafür sind die Anforderungen in vielen Teilen zu dynamisch. Das Berufsbild wird sich dahingehend ändern, dass mehr Qualifikation gebraucht wird. Denn neue Technik hält in immer kürzeren Zyklen Einzug und damit muss man umgehen können.“

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