Nicht den Anschluss verlieren

Ein Kommentar von Sonja Reimann

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Unser Staat stiehlt uns Lebenszeit – so spitzte der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner in einem Gastbeitrag für die „Zeit“ seine Kritik an den langsamen Mühlen unserer Verwaltung zu, die bei Investitionen nicht in die Gänge kommt. Ihm zufolge müssen Bürger viel zu lange warten auf die Bahn, im Stau oder bei der Administration, weil die Bürokratie in punkto Online-Behördengänge hinterherhinkt. Deutliche Worte findet er auch, was die lahme Anbindung an das WWW betrifft – viele ländliche Regionen sind hier noch abgeschnitten und weit entfernt von einem Datentransfer in Echtzeit.

Mit dem Bundesverkehrswegeplan 2030 sollen Bauvorhaben für Straßen, Schienentrassen und Wasserwege angekurbelt werden – doch genauso akut ist der Handlungsbedarf in Bezug auf Investitionen in den flächendeckenden Ausbau hochleistungsfähiger Breitbandnetze.

So wie eine funktionierende Abfall- und Abwasserwirtschaft zur Daseinsversorgung gehört, steht ein Land in der Pflicht, seine Bürger mit einer digitale Infrastruktur auszustatten, um als Industriestandort weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Bauunternehmen sind wie alle Teilnehmer am Wirtschaftsleben auf ein schnelles Internet angewiesen, wollen sie in Echtzeit Daten erheben, zwischen Baumaschinen kommunizieren und Prozesse auf der Baustelle verknüpfen. Für Firmen aller Industriezweige wird die Netzqualität mehr denn je zu einem elementaren Standortfaktor und eine bessere Anbindung zu ihrer Existenzgrundlage.

Momentan haben gerade einmal 1,7 Prozent aller Haushalte hierzulande Zugriff auf schnelle Turbo-Leitungen – so viele wie in Jordanien. Laut einer Studie der Industrieorganisation FTTH haben uns hier bereits baltische Staaten wie Litauen und Lettland überholt. Doch eine bessere Ausstattung mit Glasfasern verursacht Milliarden an Kosten. Noch ist in vielen unserer Gemeinden die Hemmschwelle zu groß, in solche Netze zu investieren und Bagger zum Aufgraben von Leitungen anrücken zu lassen. Dabei müssten jetzt die Weichen gestellt werden, weil digitale Anwendungen sich rasant weiterentwickeln und schnelle Verbindungen die Grundvoraussetzung für Industrie 4.0 sind. Stattdessen setzen viele Kommunen auf Kupferleitungen und Übergangstechnologie wie Vectoring, die schon heute mit dem wachsenden Datenvolumen nicht mehr Schritt halten kann. Sie sehen in der Anbindung an das Breitbandnetz keine Chance, Firmen in die Region zu holen und dort zu binden – ein fataler Fehler. Dabei könnten sie gerade von den mobilen Arbeitsplätzen profitieren, sofern die Voraussetzungen dafür geschaffen werden – und das würde ländliche Regionen wieder attraktiver machen.

Momentan haben gerade einmal 1,7 Prozent aller Haushalte hierzulande Zugriff auf schnelle Turbo-Leitungen. Foto:Tim Reckmann/pixelio.de
Momentan haben gerade einmal 1,7 Prozent aller Haushalte hierzulande Zugriff auf schnelle Turbo-Leitungen. Foto:Tim Reckmann/pixelio.de

Damit die digitale Vernetzung zwischen Menschen und Maschinen gelingt und wir mit dem hohen Datenaufkommen, das die Digitalisierung erfordert, auch technisch umgehen können, muss die Politik die Grundlagen dafür schaffen. Es geht nicht allein darum, Gelder dafür bereit zu stellen, sondern genauso wichtig ist auch eine effiziente Planung. Wenn schon eine Straße aufgebuddelt wird, um Abwasserrohre zu erneuern, wäre es zwingend angebracht, sich dann hinsichtlich Glasfasernetze abzustimmen. Was dagegen das neue Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze (DigiNetzG) vorsieht – die Nutzung bestehender Kanalnetze zur Verlegung von Glasfaserkabeln – sehen Branchenvertreter kritisch. Sie befürchten versteckte Kostenfallen und sehen die Betriebssicherheit der bestehenden Kanalnetze in Gefahr. Darum wird es umso wichtiger, sich bei den Tiefbauarbeiten besser abzustimmen und diese entsprechend zu koordinieren.

Was meinen Sie eigentlich dazu? Schreiben Sie uns doch Ihre Meinung und diskutieren mit uns.

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