Aushängeschild der Messe München ist die bauma. An die Baumaschinenmesse kommt keine andere Messe heran: Die größte Messe der Welt füllt nicht nur sämtliche Hallen, sondern auch das Außengelände und jeden verfügbaren Quadratmeter darüber hinaus. Dem Deutschen Baublatt stand der Messechef Klaus Dittrich in einem Interview über die bevorstehende bauma Rede und Antwort.

Deutsches Baublatt: Welche Trendthemen dürfen Besucher diesmal auf der bauma erwarten?

Klaus Dittrich: Die bauma ist seit vielen Jahren bekannt dafür, die Plattform für Innovationspräsentationen zu sein. Die Unternehmen richten ihren Innovationszyklus nach der bauma, um dann hier bei uns in München ihre neuesten Technologien präsentieren zu können. Insofern ist es nicht ganz einfach, spezielle Trendthemen herauszugreifen. Allerdings hat sich beim bauma Mediendialog im Januar in München, auf dem Aussteller im Vorfeld der Messe schon einmal einen Einblick in ihr Angebot geben konnten, herauskristallisiert, dass die Themen Energie- und Kosteneffizienz sowie Ergonomie und Komfort weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Und natürlich hält auch in der Baumaschinen- und Bergbaubranche die Digitalisierung und die Entwicklung mobiler Lösungen mehr und mehr Einzug.

Deutsches Baublatt: Digitale Technologien verändern das Angebot von Messen und wie Messen wahrgenommen werden. Inwiefern wird sich die kommende bauma darauf einstellen?

Klaus Dittrich: Digitale Technologien werden in der Tat immer wichtiger – nicht nur in unserem privaten Umfeld, sondern vor allem auch in der Geschäftswelt. Daher haben wir pünktlich zur bauma einen neuen Service für die Branche eingerichtet: Die Online Plattform „bauma Open Innovation“ gibt bauma Ausstellern und Brancheninteressierten die Möglichkeit, für bislang ungelöste technische Anforderungen das komplette Netzwerk der Messe München, das heißt, letztlich zwei Millionen Fachbesucher aus allen unseren Messen einzuladen, Lösungsvorschläge einzureichen. Zudem kann dieses interdisziplinäre Expertenwissen genutzt werden, neue Anwendungsfelder zu entdecken. Zusätzlich zu diesem Angebot ist die bauma seit einigen Monaten verstärkt in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder LinkedIn vertreten. Wie groß hier das Interesse rund um die bauma ist, zeigt der Anstieg an Fans bei unserer Facebook-Präsenz: Nur sechs Monate, nachdem wir die Seite eingerichtet haben, haben wir über 20 000 Fans gewinnen können – Tendenz steigend. Diese Resonanz hat uns wirklich überwältigt. Deutsches Baublatt: Wird es irgendwann eine bauma nur noch virtuell geben? Man könnte glauben, Messen haben aufgrund der Digitalisierung bald ausgedient.

Klaus Dittrich: Messen wurden ja bereits vor mehr als zehn Jahren als aussterbende Marketingmaßnahme bezeichnet, die nicht mehr zeitgemäß ist. Aber wie die Zeit zeigt: Das Gegenteil ist der Fall. Dazu ist der direkte Kontakt und das persönliche Gespräch viel zu wichtig geworden – gerade auch wegen der neuen Medien. Die Leute schreiben kurz eine Email, eine WhatsApp-Nachricht oder posten Informationen auf Facebook. Der direkte, persönliche, also der Eins-zu-Eins-Kontakt, bleibt dabei oft auf der Strecke. Aber genau dieser Kontakt ist es, der Geschäftsabschlüsse positiv beeinflusst. Daher werden Messen auch in Zukunft ein fester Bestandteil des Marketing-Mixes der Unternehmen sein. Und lassen Sie mich noch hinzufügen: Messen und Digitalisierung müssen ja nicht im Widerspruch stehen – sie können sich auch ergänzen, wie zum Beispiel die bereits erwähnte Initiative „bauma Open Innovation“ belegt. Deutsches Baublatt: 2016 erhoffen Sie sich einen Rekordumsatz, der die Messe München unabhängig von Zuschüssen der Gesellschafter Stadt München und Freistaat Bayern machen soll. Welchen Anteil wird daran die bauma haben? Klaus Dittrich: In diesem Geschäftsjahr erwarten wir erstmals einen Umsatz von über 400 Millionen Euro – ein Rekordwert. Unsere vier Baumaschinenmessen 2016 – die bauma in München, die CTT in Moskau, die bauma China in Shanghai und die bauma Conexpo India in Delhi – tragen maßgeblich zu diesem Umsatz bei.

Deutsches Baublatt: Der Messe München scheint die bauma nicht auszureichen, weswegen Messen im Ausland, wie die bauma China auf die Beine gestellt oder 2015 die weltweit fünftgrößte Baumaschinenmesse, die „CTT Expo Moskau“, aufgekauft wurden. Hat die bauma in München inzwischen ihr Wachstumslimit erreicht?

Klaus Dittrich: In der Tat ist es so, dass wir derzeit von der Fläche her hier in München an eine Kapazitätsgrenze stoßen. Das ist allerdings nicht der Grund, warum wir eine bauma in China haben oder die CTT in Russland gekauft haben. Mit unseren Auslandsmessen folgen wir vielmehr den Bedürfnissen unserer Kunden nach hochwertigen Messeplattformen in den wichtigsten Wachstumsregionen der Welt. Deshalb launchen wir neue oder übernehmen bestehende Messen im Ausland.

Deutsches Baublatt: Die Messe München geht selbst unter die Bauherren und will bis 2018 zwei neue Messehallen und ein weiteres Konferenzzentrum errichten. Angesichts der Dimension der bauma muss man sich fragen: Sind Besucher bei dem Angebot nicht längst überfordert, das auf rund 605 000 Quadratmetern präsentiert wird?

Klaus Dittrich: Die beiden neuen Hallen, C5 und C6, entstehen ja auf einer Fläche, die derzeit als Freigelände während der bauma genutzt wird. Insofern erschließen wir für den Bau der Hallen kein neues Gelände, sondern nutzen ein bereits bestehendes. Das bedeutet, dass sich zwar die verfügbare Hallenfläche unserer Messegeländes – und damit das zur bauma – um gut 20 000 Quadratmeter erhöht; an der verfügbaren und mit Ständen bebaubaren Gesamtfläche wird sich dadurch allerdings nicht viel ändern.

Deutsches Baublatt: Die bauma richtet sich inzwischen nicht nur an B-to-BKunden, sondern die Baumaschinenbranche versucht auf der Messe Nachwuchs zu rekrutieren. Geht diese Strategie auf?

Klaus Dittrich: Ja, auf jeden Fall. Unser Partner, der VDMA hat mit „Think BIG!“ in der Halle B0 ein wirklich großartiges Angebot zusammengestellt. Auf insgesamt 3 000 Quadratmetern bietet diese Initiative ein umfangreiches und interaktives Programm rund um technische Ausbildung, Studium und Karrieremöglichkeiten in der Bau- und Baustoffmaschinenindustrie. Und wie gut das angenommen wird, belegen die Zahlen: Zur Premiere der Initiative 2013 kamen mehr als 14 000 Schüler. Bisher haben sich bereits mehr als 12 000 Schüler aus 230 Schulen angemeldet. Wir gehen daher fest davon aus, dass die Zahl der bauma 2013 übertroffen werden wird – denn wir erhalten regelmäßig Anfragen von Schulen, die an dieser Initiative noch teilnehmen möchten.

Deutsches Baublatt: Die bauma und die gigantischen Stahlkolosse von Baumaschinen faszinieren und sorgen stets für großen Zustrom. Die Bundeskanzlerin lässt sich davon anscheinend nicht anstecken – Angela Merkel zieht es mehr zur Cebit als zur bauma. Ist die Baumaschinenbranche für Spitzenpolitiker wie sie nicht attraktiv genug?

Klaus Dittrich: Nein, das würde ich so nicht sagen. Denn statt der Kanzlerin wird – und darüber freuen wir uns sehr – der Vizekanzler Sigmar Gabriel zur bauma kommen und den offiziellen Messerundgang am ersten Tag durchführen. Das Messeangebot in Deutschland und Europa ist natürlich groß und viele Veranstalter fragen im Bundeskanzleramt an. Dass wir hier bislang von Frau Dr. Merkel nicht berücksichtigt werden konnten, bedauern wir zwar. Ob der Fülle an Terminen, die die Kanzlerin tagtäglich wahrnimmt, können wir diese Entscheidung jedoch nachvollziehen.

Erschienen in der Ausgabe März-April 2016.

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