Im Münchner Osten klafft bereits eine große Lücke – Baumaschinen haben auf dem 24 000 Quadratmeter großen Areal zwischen Truderinger Straße, Riedenburgerstraße und dem Beginn der A 94 in den letzten Monaten ganze Arbeit geleistet. Ganz am Ziel sind sie aber noch nicht. Rund 150 000 Kubikmeter umbauter Raum macht der komplette Rückbau in Summe aus. Insgesamt müssen rund 60 000 Tonnen Stahlbeton beseitigt werden. Der über 60 Meter hohe ESG-Büroturm hat gerade Halbzeit – 30 Meter von ihm sind schon abgetragen worden, maßgeblich von einem Cat Minibagger 304ECR mit Kurzheck. Der Kleine zeigt große Leistung auf Münchens derzeit höchster Abbruchbaustelle.

 

Die Firma Ottl Abbruch & Rückbau aus Alling hatte die Entkernung, die Schadstoffsanierung und den Komplettabbruch des Hochhauses übernommen. Sämtliche Schadstoffe, wie schwachgebundener Asbest an den Fassaden, mussten von Ottl, einer der führenden Abbruchfirmen Münchens, fachgerecht entsorgt werden. Dann konnte diese ihre Baumaschinen ins Rennen schicken, um mit dem Rückbau loszulegen. Vier Gebäudekomplexe sowie eine Tiefgarage, die Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahren entstanden sind, müssen weichen. Untergebracht war hier einst das System- und Softwarehaus ESG.

Der kompakte Bagger auf Münchens derzeit höchster Abbruchbaustelle.
Der kompakte Bagger auf Münchens derzeit höchster Abbruchbaustelle.

Derzeit holt ein Longfrontbagger Fassadenplatte für -platte von einer Höhe bis zu 35 Meter nach unten. Dabei ist nicht nur absolutes Augenmaß gefragt, sondern Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung. Um den Longfrontbagger herum herrscht emsiges Trieben. Ein ganzes Arsenal an Baggern bearbeitet die Bausubstanz. Sie haben ganz schön zu knabbern, alleine aufgrund der Bodenplatte, die an einigen Stellen bis zu zwei Meter dick ausfällt. Bagger pulverisieren den Beton, sortieren den Stahl und beschicken Brecher mit Recyclingmaterial. Das Recycling und die Aufbereitung erfolgen an Ort und Stelle – streng nach Kriterien, die ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb wie Ottl erfüllen muss.

 

Die Baumaschinen schaffen die Voraussetzungen dafür, dass der Vogelweideplatz bis 2018 umgestaltet werden kann. Bis zum Frühjahr 2016 muss Ottl die Baugrube dafür vorbereitet haben. Als Zwischenetappe muss bis Weihnachten die Baugrube komplett erschlossen und die Wasserhaltung fertig sein. Zehn Monate Bauzeit sind für den Rückbau inklusive den Aushub angesetzt worden. Dieser umfasst rund 50 000 Kubikmeter und wird parallel zum Abbruch vorangetrieben.

 

Stets wird darauf geachtet, Emissionen von Staub und Geräuschen auf ein Minimum zu beschränken. Eine Schneekanone richtet Wassernebel auf den auftretenden Staub, um ihn gleich an Ort und Stelle zu binden. Ein Prallschutz in Form von einer 24 Meter hohen und acht Meter breiten Gummimatte, eingehängt an einen Seilbagger, schirmt wie ein Vorhang die Arbeiten ab und schützt Passanten. Außerdem bestand der Bauherr auf Baustellen-Equipment, das dem neuesten Stand der Technik entspricht. Die Abbruchfirma Ottl reagierte darauf mit dem Einsatz von einem Cat Kettenbagger 329ELN und einem Cat Kettenbagger 336ELN, die die Mitarbeiter Tobias Schuldes und Willi Seidl steuern. Die Cat Geräte lieferte die Zeppelin Niederlassung München 2015. Ein weiterer neuer Cat Kettenbagger 329ELN soll diesen Dezember den Maschinenpark erweitern.

 

Die eigentliche Hauptrolle hat eine Kompaktmaschine übernommen: der Cat Kurzheckbagger 304ECR. Für eine Baumaschine in der Größenordnung eines Cat 304ECR dürften es die derzeit höchst gelegensten Arbeiten in ganz München sein. Das Kompaktgerät machte sich daran, das Gebäude mit einer Bauhöhe von über 60 Metern von oben nach unten abzutragen – noch bis zu Stockwerk sieben wird sich der Kompaktbagger vorarbeiten. Danach kommt ein Longfrontbagger ins Spiel, um das Hochhaus endgültig klein zu machen. Was seine Leistung betrifft kann es der Mini- mit den großen Baggern aufnehmen. Ein Stockwerk pro Woche knöpft er sich vor. „In Sachen Geschwindigkeit macht dem Kleinen keiner etwas vor. Der Cat 336 ist gut beschäftigt, das Material am Boden zu sortieren, was der Kompaktbagger ihm vorlegt und das dann via Kran nach unten befördert wird“, so Geschäftsführer Thomas Ottl. Auf das Tempo drückt Nahi Matti. „So schnell wie er ist keiner mit dem Kleingerät im Hochhausabbruch“, sagt der Firmenchef über seinen Baggerfahrer. Dieser stammt ursprünglich aus dem Irak, ist aber inzwischen seit 15 Jahren bei der Abbruchfirma tätig, somit längst eingebürgert und hat einen deutschen Pass. Integration geglückt, würde man heutzutage sagen. Zwei Helfer stehen ihm zur Seite. Über eine Leiter, angebracht am Kurzheckbagger, steigen sie diesem aufs Dach. Dann legen sie die Baumaschine an die Kette, sprich hängen sie an das Krangeschirr ein.

 

Der Firmenchef hat in Zusammenarbeit mit einem Ingenieurbüro eine Sonderkonstruktion berechnen und entwickeln lassen: eine Art Käfig. Tomas Ottl ließ die Lösung patentieren – der Käfig ist bauaufsichtlich zugelassen, schließlich wird er an dem Baustellenkran eingehängt, um Fahrer und Maschine zu sichern, wenn der Bagger mit einem Hammer die Decke, auf der er steht, bearbeitet. Schließlich müssen die statische und dynamische Last aufgenommen werden. Der Kompakte wird immer angehängt. Durch die Konstruktion mit der Kette hat der Bagger viel Bewegungsfreiheit auf dem jeweils obersten Geschoss. Höhenangst kennt Nahi Matti und seine beiden Kollegen logischerweise nicht, wenn sie Decke für Decke abtragen. Sie müssen bei ihrer Arbeit stets absolute Vorsicht walten lassen – auch wenn jeder von ihnen an einer Absturzsicherung eingehängt ist. Jede Etage, auf der gearbeitet wird, wird durch ein Gerüst zusätzlich abgesichert. Wichtig ist vor allem die Kommunikation – untereinander und mit dem Kranfahrer. „Ich merke sofort, ob er mitdenkt und den Kran so steuert, dass ich dann mit den beiden Joysticks den Bagger da positionieren und meißeln kann, wo es erforderlich ist“, meint Nahi Matti.

Geschäftsführer Thomas Ottl (Mitte), zeigt Jürgen Karremann (rechts), Zeppelin Vertriebsdirektor, und Alexander Mayer (links), Zeppelin Gebietsverkaufsleiter, seine Kreation am Bagger: einen Käfig. Dieser wird an dem Baustellenkran eingehängt, um Fahrer und Maschine zu sichern
Geschäftsführer Thomas Ottl (Mitte), zeigt Jürgen Karremann (rechts), Zeppelin Vertriebsdirektor, und Alexander Mayer (links), Zeppelin Gebietsverkaufsleiter, seine Kreation am Bagger: einen Käfig. Dieser wird an dem Baustellenkran eingehängt, um Fahrer und Maschine zu sichern

Der Käfig ist nicht die einzige Kreation, mit welcher das Unternehmen auf der Baustelle angetreten ist. Thomas Ottl ließ einen Container für Maschinen- und Materialtransporte umbauen. „Wir lassen uns immer Sonderlösungen einfallen und sind entsprechend kreativ. Das rührt von meinem Faible für Oldtimer her, weil ich schon immer gerne geschraubt habe“, meint Thomas Ottl. Der gelernte Baukaufmann wagte 1999 den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute beschäftigt sein Unternehmen rund 40 Mitarbeiter. Der Käfig für den Minibagger ist ein gutes Beispiel für den Erfindungsgeist, der in seinem Betrieb herrscht – ohne diesen würde sich der Rückbau des Büroturms im Münchner Osten deutlich in die Länge ziehen.

2 Kommentare

  1. Ich finde, solche Abbrucharbeiten sind wirklich der Wahnsinn. Vor allem in welche Kürze das Ganze passiert. Mich würde auch mal interessieren, wo die Kosten bei so einem Projekt liegen..

    • Grundsätzlich lassen sich die Kosten für einen Abbruch nicht pauschal beziffern, da der Rückbau eines Gebäudes von vielen Faktoren abhängt. So spielt die Größe des Objekts eine wichtige Rolle, denn daran orientieren sich die Arbeitszeit und der Maschineneinsatz. Darüber hinaus hat auch die Lage des Bauwerks Einfluss: Gibt es genügend freie Fläche, um das Gebäude von allen Seiten gut zu erreichen oder sind besondere Sicherungsmaßnahmen nötig, um Verkehrsteilnehmer zu schützen?
      Solche werden einen Abbruch immer erschweren und verteuern. Müssen zusätzliche Vorkehrungen bzgl. Statik getroffen werden, weil angrenzende Gebäude sonst Schaden nehmen könnten?
      Entscheidend ist auch, ob das Gebäude bis zu den Fundamenten ausgebaggert
      und wieder verfüllt werden muss.
      Ganz wesentlich ist auch das Thema Entsorgung von Schadstoffen, die Kosten
      zur fachgerechten Entsorgung dafür fließen in den Endpreis ein…

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