Architektur der 80er-Jahre dominierte ein Baustoff: massiver Stahlbeton. Dieser kennzeichnet auch das Post-Verteilzentrum in Mannheim, direkt neben dem Hauptbahnhof. Nachdem auf dem 42 000 Quadratmeter Post-Gelände tat, ist derzeit viel Bewegung im Spiel. Auf dem Areal zwischen Reichskanzler-Müller-Straße und Heinrich-von-Stephan-Straße haben Baumaschinen die Oberhand übernommen. Sie setzen dem Gebäudekomplex von allen Seiten zu, um ihn strukturiert in seine Einzelteile zu zerlegen: Betonrecycling und Moniereisen. Die Rückbauarbeiten hat das Unternehmen InduRec für den Auftraggeber Diringer & Scheidel übernommen.

Großer Gebäudekomplex

Das Bauwerk, fast vollständig mit einer Tiefgarage bis acht Metern Tiefe unterkellert, wäre eigentlich von seiner Bausubstanz noch nicht reif für einen Abbruch gewesen. Doch weil es derzeit keine Verwendung mehr findet, ist seine zentrale Lage in Bahnhofsnähe zu begehrt, als das Areal ungenutzt leer stehen zu lassen. Geplant ist für die zukünftige Bebauung ein Mix an Gastronomie, Wohnen, Gewerbe und Freizeit. Dafür muss der ehemalige Verwaltungskomplex der Post mit seinen vier Etagen weichen, der in Stahlskelettbauweise und U-Form errichtet wurde. Dieser zeichnet sich durch ein Obergeschoss mit Schwerlastdecken sowie großen Unterzügen aus. „Wir haben es hier mit einer statischen Feinheit zu tun. Der 120 Meter lange Gebäudeeinschnitt hat eine andere statische Neigung als der Rest, was wir entsprechend berücksichtigen müssen“, erklärt Thomas Lück, Geschäftsführer von InduRec.

Rückbau mit Herausforderungen

Nicht nur der Terminplan von sechs Monaten stellt eine Herausforderung für den Rückbau dar, sondern der Leistungsumfang in Höhe von 200 000 Kubikmetern umbauten Raums, den es in dem Zeitfenster zu bewältigen gilt. Im Zuge von Planung und Ausschreibung ist mit 50 000 Tonnen Bauschutt kalkuliert worden. Diese müssen von InduRec per Sattelzüge und Vierachser abgefahren werden – alle Materialtransporte nehmen den Weg durch die Innenstadt und über eine Ausfallstraße mit starkem Transitaufkommen. Was das in Zeiten der hohen Verkehrsdichte bedeutet, dürfte jedem klar sein, der tagtäglich auf deutschen Straßen unterwegs ist. Und hier kommt das nächste Nadelöhr ins Spiel: Die Arbeiten erfolgen in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und dem Zentralen Busbahnhof von Mannheim, dessen Erreichbarkeit 24 Stunden sieben Tage die Woche aufrechterhalten werden muss.

Baustellen Equipment

Zu Stoßzeiten dürfen die abfahrenden Lkw mit Betonrecycling an Bord den Bussen nicht in die Quere kommen. „Wichtig ist es darum, für einen kontinuierlichen Materialfluss zu sorgen, damit erst gar kein Materialstau aufkommt“, meint Thomas Lück. Hauptakteure auf der Baustelle sind fünf Großbagger, sowie drei Acht-Tonner, ein Fünf-Tonner, drei Kompakt- und ein Radlader. Seinen Premiereneinsatz auf dieser Baustelle feiert ein Cat Kettenbagger 352F – er wurde von der Zeppelin Niederlassung Frankenthal direkt auf die Baustelle geliefert. „Er erfüllt unsere Anforderungen an Leistung und Kraft in vollem Umfang. Da wir viele Industrieabbrüche übernehmen, bei denen massiver Beton abgebrochen werden muss, war die logische Konsequenz, auch weiterhin entsprechendes Equipment in der 50-Tonnen-Klasse anzuschaffen“, so Thomas Lück.

Abbruch mit CAT Bagger

In der Vergangenheit kam für ihn kein Cat Gerät in Frage. Im Zuge der zukünftigen Ausrichtung der Strategie im Maschinenpark könnte sich das ändern. „Die F-Serie hat einen guten Ruf – insbesondere in der Abbruchbranche“, berichtet der Firmenchef, der sich ehrenamtlich im Vorstand vom Deutschen Abbruchverband engagiert und sich dort mit Unternehmern seines Fachs austauscht. Erst signalisierte er gegenüber Zeppelin Neumaschinenverkäufer David Decker Interesse an einem Cat 330F, dann wollte Thomas Lück auch noch in punkto 50-Tonnen-Bagger nachrüsten, sodass er in beide Maschinen investierte.

Service von Zeppelin

„Heute gibt es nur noch Terminbaustellen. Lange Ausfälle kann sich ein Unternehmen nicht leisten. Monteure müssen dann sofort Abhilfe schaffen können. Der Service von Zeppelin war einer der Gründe, in die beiden Maschinen zu investieren, weil Baumaschinen stehen und fallen mit ihrer Verfügbarkeit, aber auch David Decker hat einen guten Job bei der Beratung gemacht“, argumentiert er. Bevor die Maschinen loslegen konnten, musste im Zuge der Arbeitsvorbereitung vom Statiker die Belastung auf der Kellerdecke, unter der sich die Tiefgarage befindet, nochmals berechnet werden.

Gründliche Entkernung

Das Ergebnis: Geräte bis zu 35 Tonnen haben quasi freie Fahrt – für sie gibt es keine Einschränkungen. Der 50-Tonnen-Kettenbagger wie der Cat 352F und der 70 Tonnen schwere Longfrontbagger dürfen dagegen nur in ausgewiesene Teilbereiche vorrücken. Kompaktgeräte arbeiten auf dem Dachgeschoss. „Erst war angedacht, das unterkellerte Gelände bis zum Boden der Tiefgaragen runter zu brechen, doch dann hätten wir in Höhen von bis zu 28 Meter agieren müssen“, so der Unternehmer.  Den Anfang macht die Entkernung. Das Flachdach war isoliert. Die Isolierung musste abgefräst werden. „Bei der Entkernung gehen wir gründlich vor. Das zahlt sich letztlich aus. Denn damit können wir uns im Nachgang viel Arbeit sparen, die uns unnötig aufhält. Schließlich wollen wir möglichst viel sortenreinen Beton aus der Gebäudesubstanz holen und für das Recycling aufbereiten und mit wenig Bauschuttaufkommen“, rechtfertigt der InduRec Geschäftsführer den Aufwand bei der Entkernung.

Reduzierte Staubbindung

War anfangs die Hälfte der Belegschaft von rund 60 Mitarbeitern damit beschäftigt, sind derzeit noch 17 Mitarbeiter vor Ort. Der Rest des Teams ist auf anderen acht Baustellen zugange, die parallel zum Abbruch auf dem Postareal in Mannheim laufen. Typisch für einen Abbruch in der Innenstadt: Er muss so emissionsarm wie möglich angepackt werden. Aufkommender Staub wird umgehend im Keim erstickt. Zur Staubbindung richten Schneekanonen ihren Wassernebel und Mitarbeiter Feuerwehr- C-Schläuche auf Bagger wie den Cat 352F, wenn er mit einer sechs Tonnen Schere und einem fünf Tonnen Hydraulikhammer sich im Stahlbeton festbeißt und ihn zertrümmert.

Abbruch mit geringer Lärmemission

Im Fall der Tiefgaragenzufahrt bedeutet es: Decken und Säulen werden nicht einfach unkontrolliert platt gemacht, sondern alles erfolgt nach einem bestimmten Prinzip: Die Decken werden quasi zur Abfederung von herunterfallendem Material als Puffer benutzt. Das dämmt den Aufprall. Unterzüge schneidet keine Schere, weil sie so massiv sind. Sie werden angemeißelt, dann umgekippt.  Wenn sie am Boden liegen, kommen wieder ein Bagger mit Meißel und dann ein Pulverisierer ins Spiel. Prophylaktisch werden die Erschütterungen aufgezeichnet – rund um das Baustellenumfeld wurden gemäß Absprache mit dem Auftraggeber Messsensoren installiert. Zusätzlich erfolgen Schallmessungen. „Großstädte in Deutschland werden in punkto Baulärm und Staub immer sensibler. Vorsorglich nehmen wir bei Lärmemissionen Rücksicht und versuchen auftretende Emissionen soweit wie möglich einzudämmen.

Doch ganz geräuschlos geht grundsätzlich kein Abbruch über die Bühne. Rückbau ohne Geräuschkulisse schließt sich von vornherein aus“, räumt Thomas Lück ein. Deswegen werden – wie auf der Baustelle in Mannheim – Geräte nach neuestem Stand der Technik eingesetzt.

 

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